Deutsche Bistümer stoppen Zahlungen Verlagsgruppe Weltbild insolvent

Der zweitgrößte Buchhändler Deutschlands steht vor dem Aus: Die Verlagsgruppe Weltbild hat nach Gewerkschaftsangaben einen Insolvenzantrag gestellt. Die deutschen Bistümer haben ihre Kapitalzusagen in Höhe von mehr als 60 Millionen Euro zurückgezogen. Es sind 6300 Mitarbeiter betroffen.

Filiale des Weltbildverlags in München (Bild: Sankt Michaelsbund)

Augsburg - Der angeschlagene katholische Medienhändler Weltbild hat nach Gewerkschaftsangaben überraschend einen Insolvenzantrag gestellt. Der Augsburger Ver.di-Sekretär Thomas Gürlebeck bestätigte am Freitag gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) einen entsprechenden Bericht des Bayerischen Rundfunks. Grund sei, dass die an Weltbild beteiligten deutschen Bistümer ihre Kapitalzusagen in Höhe von mehr als 60 Millionen Euro zurückgezogen hätten. Dies sei trotz der Zustimmung der Banken zum Sanierungsplan erfolgt.

Zu dem Bericht war zunächst keine Stellungnahme aus dem Unternehmen, der Deutschen Bischofskonferenz und dem Aufsichtsrat von Weltbild zu erhalten. Zuvor hatte das "Handelsblatt" auf seiner Internetseite unter Berufung auf Kirchenkreise das kurz bevorstehende Aus für den zweitgrößten deutschen Buchhändler gemeldet. In einer Nachtsitzung zum Freitag hätten sich die Eigentümer nicht auf eine weitere Finanzierung des defizitären Verlages einigen können. Betroffen wären mehr als 6.300 Arbeitsplätze.

Weltbild gehört bisher noch zwölf katholischen Bistümern in Deutschland, der Katholischen Soldatenseelsorge Berlin und dem Verband der Diözesen Deutschland. Im vergangenen Herbst war nach anhaltenden Verlusten ein Kapitalschnitt eingeleitet und ein Sanierungsexperte in den Vorstand berufen worden. Mehrere Diözesen sicherten zunächst Liquiditätshilfen in zusammen zweistelliger Millionenhöhe zu, erklärten aber zugleich, aus dem Gesellschafterkreis ausscheiden zu wollen.

"Die haben den Stecker gezogen", zitierte das "Handelsblatt" einen namentlich nicht genannten Verhandlungsteilnehmer. Die zur Sanierung benötigte Summe liege schätzungsweise "mindestens im unteren dreistelligen Millionenbereich". Dies sei für die Kirche zu viel gewesen. Dabei habe auch die Überlegung eine Rolle gespielt, ob nach der Diskussion um den Umgang mit Geld im Bistum Limburg weitere Einnahmen aus der Kirchensteuer in den defizitären Verlag gesteckt werden dürften.

Das "Handelsblatt" zieht außerdem Parallelen zum Niedergang der Versandhäuser Quelle und Neckermann. Diese Unternehmen seien mit ihrem System aus Katalogvertrieb und großem Filialnetz an denselben Strukturen gescheitert, wie sie Weltbild habe. (kna/kas)


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