Ökumenische Zusammenarbeit Verleihung des Augsburger Friedenspreises an Landesbischof Bedford-Strohm und Kardinal Marx

11.10.2020

Für ihre konfessionsverbindende Zusammenarbeit haben zwei Spitzenleute der großen deutschen Kirchen eine bedeutende Auszeichnung erhalten.

Zwei Kirchenleute, ein Anliegen eine Auszeichnung: Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx erhalten den Augsburger Friedenspreis 2020.
Zwei Kirchenleute, ein Anliegen eine Auszeichnung: Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx erhalten den Augsburger Friedenspreis 2020. © Ruth Plössel/Stadt Augsburg

Augsburg - Den Abschluss der Augsburger Maximilianstraße bildet ein imposantes Ensemble mit gleich zwei Gotteshäusern. Vielen Auswärtigen ist gar nicht bewusst, dass es sich dabei um eine evangelische und eine katholische Kirche handelt, die beide nach dem heiligen Ulrich benannt sind. Die beiden Kirchen stören einander nicht, im Gegenteil sie ergänzen sich und bilden ein harmonisches Gesamtbild. Am anderen Ende der Maximilianstraße erhielten am Samstagabend (10. Oktober) Kardinal Reinhard Marx und der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm den Augsburger Friedenspreis 2020. Und damit zwei Persönlichkeiten, die das ökumenische Miteinander verkörpern und dafür eng zusammenarbeiten. Auch wenn sie beim Festakt im Goldenen Saal des Rathauses drei leere Stühle voneinander trennen: wegen der Corona-Pandemie gelten strenge Hygiene- und Abstandsregeln.

Versöhnendes Reformationsgedenken

Die Stadt Augsburg und die Evangelisch–Lutherische Kirche in Bayern vergeben die Auszeichnung alle drei Jahre für Verdienste zur Förderung interkonfessioneller Gemeinsamkeiten und interreligiöser Verständigung.  Zu den früheren Preisträgern zählen unter anderem Richard von Weizsäcker oder Michail Gorbatschow. Dieses Mal würdigte die Jury vor allem das Zusammenwirken der beiden neuen Preisträger beim Reformationsgedenken 2017, das die Konfessionen gemeinsam begangen haben. Damals war Kardinal Marx Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und Landesbischof Bedford-Strohm Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands. Beide hätten dafür gesorgt, "dass dieses Jubiläum nicht alte Wunden zwischen Katholiken und Protestanten aufgerissen, sondern der tieferen Versöhnung den Weg geebnet hat", sagt Joachim Gauck bei der Preisverleihung. Der Altbundespräsident ist der Einladung gefolgt, die Laudatio zu halten. Und es ist dem evangelischen Theologen anzusehen, dass er das mit Vergnügen macht, gelegentlich auch vom an die Journalisten verteilten Redemanuskript abweicht.

Erkennbare Konfessionen

Etwa, wenn er auf die vielen gemeinsamen Auftritte und enge persönliche Verbundenheit der beiden Preisträger anspielt. Das hätte ja auch schon zur Frage geführt, „ob es Sie beide auch einzeln gäbe“. Doch jeder der beiden habe doch sein unverwechselbares Auftreten und konfessionelles Profil: „Gott sei Dank, denn als bekennender Protestant muss ich sagen, ich möchte meine Katholiken schon erkennbar haben und nicht, dass sie eines Tages wie Linksprotestanen aussehen“, sagt der Altbundespräsident und der ganze Saal kann darüber lachen. Über das Verhältnis der Konfessionen lassen sich heute freundliche Späße machen. In seinem Dank erinnert Kardinal Marx aber auch daran, wie noch in seiner westfälischen Kindheit ökumenische Gottesdienste undenkbar waren. Er sei froh darüber, „was wir da in den vergangenen Jahrzehnten erreicht haben“.

Ohne Wohlwollen kein gemeinsamer Weg

Die beiden großen Kirchen in Deutschland hätten aber ebenso eine „Berufung“, dabei nicht stehenzubleiben. Es gehe dauerhaft um den „Willen, dass Gemeinsame zu finden und nicht das Trennende“. Und der Kardinal betont: „Ohne Wohlwollen, ohne Freundschaft gibt es keinen gemeinsamen Weg“.  Den wollen die beiden Preisträger miteinander weitergehen. „Wir sind komplett unterschiedliche Menschen, aber wir haben großes Vertrauen zueinander“, sagt Landesbischof Bedford-Strohm nach der Preisverleihung gegenüber mk online. Schnell waren sie sich darüber einig, das Preisgeld in Höhe von 25 000 Euro an die christliche Laienbewegung Sant’ Egidio weiter zu geben, die sich um Obdachlose und um alte Menschen kümmert. Und auch zu Weihnachten wollen sie „ein Zeichen setzen“ und miteinander einen ökumenischen Gottesdienst unter freiem Himmel in München feiern. Die dafür nötigen Verhandlungen mit der Stadt würden gerade laufen, verrät Landesbischof Bedford-Strohm. Gerade in der Coronakrise müssten beide Kirchen „rausgehen“, um den Menschen gemeinsam Mut zu machen. „Wir haben einen Auftrag ökumenisch voranzugehen, ohne die Unterschiede kleinzureden“, erklärt Kardinal Marx noch, bevor er sich am späten Abend auf den Heimweg macht. Am Ende der Augsburger Maximilianstraße sind die beiden angestrahlten Ulrichskirchen zu sehen und leuchten in die Nacht.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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