50 Jahre Rätearbeit Verrückte Ideen für die Zukunft

16.03.2019

Zum 50-jährigen Bestehen der katholischen Räte erzählen Ehrenamtliche von ihrem Engagement. Ist aus der Begeisterung der Gründerzeit etwas geblieben? Dazu Anne Karl-Rott aus der Pfarrei St. Wolfgang im Dekanat Dorfen.

Anne Karl-Rott aus der Pfarrei St. Wolfgang im Dekanat Dorfen ist langjähriges Mitglied im Diözesanrat. © privat

Dorfen – Das Zweite Vatikanische Konzil prägte nicht nur mich, sondern ganze Generationen. Heute kaum mehr vorstellbar: die große Freude, als sich wirklich die Türen und Fenster öffneten und die Freiheit des Glaubens, so bezeichne ich es, spürbar wurde.

Wahrer Aufbruch

Es war ein wahrer Aufbruch durch die neu gegründeten Gremien in den Orten. Ebenso konnte ich damals innerhalb der Katholischen Landjugend, später dann in der Katholischen Landvolkbewegung, diese unwahrscheinliche Kraft der Veränderung spüren.

Die Zusagen zur je eigenen Berufung und damit auch zur Verantwortung, zur vielfältigen Gestaltung, beispielsweise bei der außerschulischen Sakramentenvorbereitung, Mitsprache, bei verschiedenen Diensten innerhalb der Pfarrgemeinden, waren neu, interessant und Mut machend.

Fürs Leben lernen

Selbst durfte ich viel lernen: die Leitung von Gremien, weltweite Kirche kennenlernen, politische Verantwortung übernehmen in Kirche und Gesellschaft und vieles mehr.

Die Zusammenarbeit in den unterschiedlichen Gremien erforderte manches Mal sicher Geduld, forderte Zeit, aber es überwog das Gefühl, sich für eine wertvolle Aufgabe zu engagieren.

In der Rückschau frage ich mich gelegentlich: Ist etwas geblieben von diesem Aufbruch, dieser Begeisterung?

Ehemals Kirchennahe reagieren frustriert

Immer wieder erlebe ich, dass Frauen und Männer, die ich an sich als kirchennah erlebte, auf die momentane Situation sehr frustriert reagieren, destruktiv von und über Kirche sprechen und zum Teil „innerlich gekündigt“ haben.

Dagegen wird mir immer deutlicher und ich erfahre auch vor Ort, gegen all die Negativstimmen, dass Menschen – ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene – Beheimatung brauchen und sie auch suchen. Sie müssen in der überschaubaren Gruppe vor Ort ihre Wurzeln spüren und erleben dürfen.

Aufeinander Hören

Was Kirche, die nach außen sehr männlich und hierarchisch repräsentiert ist, lernen muss, ist, dass diese unsere Kirche nur im Hören aufeinander, im Suchen miteinander und im respektieren von vielleicht verrückten Ideen, im Glauben und als sinnstiftende Gemeinschaft im Leben tragfähig bleiben kann.

Deshalb braucht es weiterhin Frauen und Männer, Junge und Alte, die in diesen Strukturen der Räte mitarbeiten, um mit den Christen vor Ort Wege zu suchen, wie Gemeinde lebendig bleibt und Anstöße für eine gelingende Zukunft geben kann.

Mir ist insofern nicht bang, weil ich voller Vertrauen weiß, dass Gott es ist, der jeden Menschen in irgendeiner Weise ruft, beruft und letztlich beauftragt.

In dieser Serie berichten anlässlich des 50-jährigen Bestehens der katholischen Rätearbeit jede Woche Ehrenamtliche über ihr Engagement. Am Samstag, 30. März, wird das Jubiläum mit einem großen „Fest der Räte“ in München gefeiert.


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