Prüfbericht zum Eichstätter Finanzskandal Verschwundene Akten und heimliche Provisionen

07.02.2019

Am Dienstag stellten Eichstätter Bistumsanwälte in Kurzfassung einen Prüfbericht zum Finanzskandal vor. Bei der Lektüre des vollständigen Textes kommen weitere brisante Details ans Licht.

Die Eichstätter Domtürme
Die Eichstätter Domtürme © pde

Eichstätt – Im Eichstätter Finanzskandal tun sich weitere Abgründe auf: Wie die vom Bistum eingeschalteten Münchner Anwälte in ihrem seit Dienstagmittag vollständig auf der Website des Bistums veröffentlichten Prüfbericht festhalten, sind aus der ungewöhnlich langen Vakanz vor der Weihe des heutigen Bischofs Gregor Maria Hanke keinerlei Akten mehr vorhanden.

Als Hanke darin habe Einsicht nehmen wollen, sei sein Wunsch vom Ordinariat "erst zurückhaltend bearbeitet" worden, heißt es in dem Bericht. Dann habe man ihm geantwortet, das sei nicht mehr möglich, da die Akten "bei einem Umzug verloren gegangen seien". Generell bescheinigen die Anwälte der Bistumsverwaltung ein höchst mangelhaftes Dokumentenmanagement. Deren Handeln lasse sich anhand der Unterlagen nur noch schwer oder gar nicht mehr nachvollziehen.

16 Monate Sedisvakanz

Der Benediktiner Hanke wurde am 3. Dezember 2006 in Eichstätt zum Nachfolger von Bischof Walter Mixa geweiht, den Papst Benedikt XVI. am 16. Juli 2005 nach Augsburg befördert hatte. Der Eichstätter Bischofsstuhl war also mehr als 16 Monate verwaist. Für die Zeit der Sedisvakanz existieren strenge Vorschriften. So dürfen von der kommissarischen Leitung keine Entscheidungen gefällt werden, die den neuen Bischof in irgendeiner Form binden.

Mixa kommt im Bericht der Anwälte nicht gut weg. Er trage seinen Anteil daran, dass in Eichstätt einige wenige hochrangige Geistliche die faktische Macht an sich gerissen und damit die Leitung durch den Bischof unterlaufen oder sogar pervertiert hätten. Eine Ursache für diese Fehlentwicklung sei Mixas Führungsschwäche und Desinteresse an Verwaltungsabläufen.

In einer "Nacht-und-Nebel"-Aktion habe Mixa am 2004 am Tag vor Heiligabend ein Dekret unterzeichnet, in dem pro forma ein Diözesanvermögensverwaltungsrat errichtet wurde - 21 Jahre nach Inkrafttreten entsprechender Vorschriften. Für Aufsicht und Kontrolle war das Gremium regelwidrig besetzt. Der einzige Nicht-Kleriker hatte nach eigener Aussage keine Ahnung von Finanzdingen.

Kein Erklärungsmuster

Nicht nachvollziehen können die Anwälte, warum die in der Kirchenrechtsabteilung des Ordinariats tätigen leitenden Mitarbeiter die aus Sicht ihres Fachs rechtswidrigen Systemdefizite zu keinem Zeitpunkt thematisiert haben. Nicht einmal ein "Erklärungsmuster" haben sie gefunden.

Sie sind auch irritiert, dass der von ihnen inzwischen als dritter Hauptverantwortliche bezeichnete frühere Finanzdirektor und Domdekan nach wie vor nahezu jeden Schuldvorwurf kategorisch von sich weist. Seine bisherigen Erklärungen halten sie für "wenig glaubwürdig" und kommen in ihrer Untersuchung zum Ergebnis, dass der Geistliche "primär auf seinen Vorteil bedacht war".

Kredite selbst zugeschanzt

Als "gesichertes Ermittlungsergebnis" hält der Bericht fest, dass der frühere stellvertretende Finanzdirektor im Zuge der von ihm eingefädelten US-Immobiliendarlehen über insgesamt 60 Millionen Dollar heimliche Provisionszahlungen in Höhe von einer Million Dollar erhalten hat. Zugleich war er an einigen der Darlehensnehmer mittelbar und verdeckt beteiligt, mit der Aussicht auf weitere Gewinnchancen. Das bedeutet, er hat sich die Kredite praktisch selbst zugeschanzt.

Sein US-Geschäftspartner, der bisher zweite Hauptbeschuldigte, finanzierte mit einem der Eichstätter Darlehen erst einmal die Errichtung seines Privathauses. Von alldem bekamen die eigentlich zur Kontrolle der Vermögensverwaltung eingesetzten Gremien nichts mit, weil dort diese Darlehen niemals ausführlicher thematisiert wurden und auch niemand Fragen stellte.

Als aber der Bischof damit begann, gab es große Anstrengungen, ihn davon abzuhalten, an die erforderlichen Kenntnisse zu gelangen. (Christoph Renzikowski/kna)


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