Hilfe für junge Flüchtlinge Viel Fleiß und harte Arbeit

23.08.2017

Mit dem Projekt "WIB - Brücken auf dem Weg in den Beruf" unterstützt IN VIA, der katholische Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit im Erzbistum, junge Migranten bei ihrem Weg durch die Ausbildung.

Alpha und seine Tutorin Hildegard Büning beim Sommerfest © Hofmann

München - „Ich bin jetzt Altenfachpflegehelfer“, strahlt Alpha überglücklich in die Runde und animiert die Gäste gekonnt zum Applaudieren. Alpha ist 23 Jahre alt und aus Sierra Leone geflüchtet. Genau wie fünf weitere junge Menschen hat er seit Kurzem seinen Ausbildungsabschluss in der Tasche, und das wird heute kräftig gefeiert. Das Ungewöhnliche dabei ist, dass die eigentlichen Absolventen gar nicht im Mittelpunkt stehen, sondern deren „Lehrer“. Alpha und seine Freunde wurden nämlich von dem Projekt „IN VIA WIB – Brücken auf dem Weg in den Beruf“ unterstützt. Dahinter steht IN VIA, der Katholische Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit im Erzbistum. Haupt-, aber auch Ehrenamtliche engagieren sich hier, begleiten junge Migranten bei ihrem Weg durch die Ausbildung und greifen ihnen beim Lernen unter die Arme.

Schwester Francesca Hannen, die Provinzialin der Schlehdorfer Missionsdominikanerinnen, arbeitet bei IN VIA in der Münchner Goethestraße im Fachbereich Migration. Sie und ihre Kollegin Alice Goldbergova kümmern sich hier um die Ehrenamtlichen. „IN VIA WIB ist 2012 entstanden für unbegleitete Flüchtlinge, die mit dem Ende der Schule keine Betreuung mehr hatten und über pädagogische Unterstützung froh waren“, erklärt die Ordensfrau. Die Jugendlichen hätten so viele Baustellen in ihrem Leben zu bewältigen, was bei deutschen Auszubildenden nicht der Fall sei. Eine fremde Sprache, die fremde Kultur und finanzielle Aspekte würden das Lernen erschweren. „Zudem ist die Lernsituation eine ganz andere, denn nicht selten teilen sich zehn Jungs ein Zimmer, und da einen klaren Kopf zu behalten, ist fast unmöglich“, weiß Goldbergova.

Angst vor Abschiebung bleibt

Auch Alpha hat sich einmal wöchentlich mit seiner Tutorin Hildegard Büning getroffen. Ein Jahr lang hat sie mit ihm gelernt. „Anatomie, Fallbeispiele und zu guter Letzt Prüfungsfragen – alles, was er wissen musste“, lacht die Krankenschwester. Hildegard Büning kam über „Die gute Tat“ zu ihrem Ehrenamt und freut sich über jeden Erfolg ihres „Schülers“. „Alpha war immer fleißig, motiviert und zuverlässig“, erinnert sie sich zufrieden.

Bei Mangospießchen, Gemüsetaschen und Barbecue wird im Garten des Schwabinger Studentenwohnheims „Maria Stern“ der gemeinsame Erfolg gefeiert. Leider ist die fröhliche Stimmung bei einem Absolventen etwas getrübt. Der 25-jährige Omar hat zwar seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann abgeschlossen und sogar Stellenangebote bekommen, muss aber dennoch bangen. „Ich habe nur eine sogenannte Duldung hier und bekomme deshalb keine Arbeitsberechtigung“, erzählt der Afghane deprimiert. Während seine Freunde alle in den Beruf starten können, muss er Angst haben, abgeschoben zu werden. Schwester Francesca Hannen kennt das Problem nur zu gut. „Da bekommen diese jungen Menschen endlich eine Bestätigung für all ihren Fleiß und die harte Arbeit, und dann scheitert es an diesen Dingen.“ Doch „IN VIA WIB“ bietet auch nach der Ausbildung noch Unterstützung an, sei es bei Fragen rund um den Arbeitsmarkt oder bei Problemen mit der Wohnungssuche. (Patricia Hofmann)

Mehr Informationen zum Projekt unter www.invia-muenchen.de


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