Einigung auf Synodalen Weg Vieles erinnert an Koalitionsverhandlungen

30.09.2019

„Alle gehen mit“, das hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz beim Abschluss bestätigt. Kommentar von Christian Moser.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz , Kardinal Reinhard Marx, bei einem Pressestatement.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz , Kardinal Reinhard Marx, bei einem Pressestatement. © imago images/Sven Simon

Vieles an der Diskussion rund um den Synodalen Weg erinnert an Koalitionsverhandlungen in der Politik. Dort ringen die Parteienvertreter um Positionen und Schwerpunkte. In der Kirche sind es die Bischöfe. Auch wenn sie das Ziel, Kirche wieder stärker in der Gesellschaft zu verankern, eint. Die Vorstellungen, wie man dahin kommt, könnten kaum unterschiedlicher sein. Die einen wollen die Kirche und das System ein Stück weit offener gestalten. Denken laut über Frauenordination nach oder über die Lockerung des Zölibats. Die anderen sehen als die zentrale Frage: Die Neuevangelisierung.

Die einen werden als Modernisten abgestempelt, die anderen als erzkonservativ. Dabei liegen die Unterschiede oft nur im Detail. Das zeigte sich auch wieder, als in Fulda die Bischöfe über die Satzung des synodalen Weges diskutierten. Nicht ganz ein Viertel hat gegen die Satzung gestimmt, in der unter anderem festgehalten ist, wie Beschlüsse zustande kommen und wie verbindlich diese sind. Knackpunkte dabei waren die Befürchtung, es gebe durch das ein oder andere Ergebnis einen deutschen Sonderweg, und die Besorgnis einiger, die Diskussionen würden in Strukturfragen der Kirche verhaften.

Jetzt ist die Satzung nochmal angepasst worden. Die Ortsbischöfe entscheiden selbst, ob sie die Reformen umsetzen oder nicht. Und wenn die oberste deutsche Laienvertretung ZdK dem Papier zustimmt, kann es im Advent losgehen mit dem synodalen Weg.

Eine große Chance für die Kirche in Deutschland. Denn viele Menschen sehnen sich nach spiritueller Geborgenheit, nach Orientierungshilfen für das Leben und nach einer Möglichkeit, Sorgen und Nöte anzusprechen und loszuwerden. Allerdings haben sie oft ein Problem mit der Institution. Eine Umfrage des „Stern“ hat vor einigen Wochen gezeigt: Jesus gilt als einer der Helden von morgen. Er hat es unter die Top 3 geschafft! Probleme haben dagegen viele mit dem Bodenpersonal, wie es so schön heißt. Und genau das hat ab dem Advent mit dem synodalen Weg die Möglichkeit, das Image aufzupolieren. Zu zeigen: Wir kümmern uns um die Sorgen und Nöte der Gläubigen. Denn dazu gehören auch die Fragen nach dem Zölibat, nach dem Seelsorgermangel oder auch nach der Sexualmoral der Kirche. Auf keine der Fragen wird es abschließende Antworten geben. Aber Wünsche können formuliert werden und in Rom beim Vatikan eingebracht werden. Denn einen deutschen Sonderweg wird es auch nach diesem Prozess nicht geben.

Audio

Kommentar: Vieles in der kirchlichen Diskussion erinnert an politische Koalitionsverhandlungen

Der Autor
Christian Moser
Radio-Redaktion
c.moser@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg

Das könnte Sie auch interessieren

Papst Franziskus und Indigene beim Eröffnungsgottesdienst der Amazonas-Bischofssynode im Petersdom.
© Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA

Beginn der Amazonas-Synode im Vatikan Kein „Weiter so“ bei Schöpfung und Verkündigung

Papst Franziskus appelliert an die Bischöfe, sich „keinesfalls auf eine Pastoral der Aufrechterhaltung“ zu beschränken. Zu Recht: Denn ein „Weiter so“ kann und darf es nicht geben. Ein Kommentar von...

07.10.2019

Sie stellten sich den Journalisten zum Abschluss der Herbstvollversammlung der Bischöfe: Pater Hans Langendörfer, Kardinal Reinhard Marx und DBK-Pressesprecher Matthias Kopp
© KNA

Abschluss der Herbstvollversammlung Große Mehrheit der Bischöfe spricht sich für "synodalen Weg" aus

"Alle Bischöfe gehen mit", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, nach Ende der Herbstvollversammlung der Bischöfe in Fulda. Bei der Abstimmung hatte es...

26.09.2019

Matthias Katsch (l.), Sprecher der Initiative "Eckiger Tisch" und Bischof Stephan Ackermann (r.), Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs bei der Pressekonferenz zur Entschädigung von kirchlichen Missbrauchsopfe
© Julia Steinbrecht/kna

Herbstvollversammlung Fortschritte bei Missbrauchs-Entschädigung

Die deutschen Bischöfe sprachen sich bei der Herbstvollversammlung in Fulda für eine Weiterentwicklung des Entschädigungsmodells für Missbrauchsopfer aus. Unterschiedliche Vorschläge liegen auf dem...

25.09.2019

Frauen tragen purpurne Kreuze aus Luftballons bei einer Demonstration der kfd
© kna

Herbstvollersammlung in Fulda Frauen demonstrieren für mehr Rechte in der Kirche

Die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) wünscht sich eine geschlechtergerechte Kirche.

23.09.2019

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren