Ökumene an der Schule Vier Modelle, damit der Religionsunterricht nicht ausfällt

11.11.2020

So wenig Kontakte wie möglich - das gilt gerade privat wie beruflich. Auch für Schüler. Wenn möglich sollen Klassen sich untereinander nicht mischen. Um trotzdem die Durchführung von Religionsunterricht zu ermöglichen, haben die bayerische evangelische und katholische Kirche Modelle entwickelt.

Kinder in einem Klassenraum
Religionsunterricht ist eine Pflicht. © pololia - stock.adobe.com

München – Religionsunterricht ist keine Möglichkeit, die die bayerische Staatsregierung anbietet, es ist eine Pflicht. Verträge zwischen Staatsregierung und Kirchen regeln dieses Angebot. Doch die Schwierigkeiten, die Corona mit sich bringt, sind darin nicht berücksichtigt. Wenn Klassen nicht gemischt werden sollen, aber für kleinere Gruppen die Anzahl an Räumen nicht zur Verfügung steht, läge ein Ausfall des Religionsunterrichts nahe. Um das zu verhindern, haben Vertreter der katholischen und der evangelischen Kirche sowie des Kultusministeriums vier Modelle erarbeitet.

Eine temporär begrenzte Ausnahmegenehmigung

„Es handelt sich hierbei um eine Kann-Bestimmung, nicht um eine Muss-Bestimmung“, erklärt Prälat Dr. Lorenz Wolf, Leiter des katholischen Büros Bayern. „Wenn Religionsunterricht wie bisher stattfinden kann, so soll er das auch. Für den Fall, dass sich dies aufgrund von Corona-Vorschriften an der Schule nicht bewältigen lässt, kann zwischen den vier Modellen gewählt werden.“ Diese Modelle stellen verschiedene Möglichkeiten dar, einen konfessionell gemischten Unterricht für katholische und evangelische Schüler anzubieten. Wichtig ist Wolf, dass es sich dabei nicht um Wertekunde oder religionskundlichen Unterricht handelt. „Es ist eine temporär begrenzte Ausnahmegenehmigung, dass evangelische und katholische Schüler gemeinsam unterrichtet werden können. Aber es handelt sich dabei nach wie vor um konfessionellen Unterricht unter besonderen Bedingungen.“

Ökumene als Chance für Kommunikation

Auch wenn die Erstellung der Modelle, von Lehrplaninhalten über Notengebung, nicht einfach war, ist es für Prälat Lorenz Wolf in solch schwierigen Zeiten wichtig, sich gemeinsam auf den Weg zu machen. Ökumenischen Religionsunterricht als Lösung sieht man auch bei der KLJB, der katholischen Landvolkbewegung positiv. Die Corona-Krise fordert heraus und weist zugleich neue Wege“, freut sich Julia Mokry, die als Landeseelsorgerin der KLJB auch Vorstandsmitglied im BDKJ Bayern ist. „Ein gemeinsamer christlicher Religionsunterricht schafft vor allem Räume für junge Menschen über ihre Erfahrungen und das Zusammenleben in der Krise zu sprechen.“ Das sieht auch Lorenz Wolf so. „Im Religionsunterricht kommen nicht nur Dinge zur Sprache, die für die Wertebildung, sondern auch für die Persönlichkeitsbildung wichtig sind. Es ist Unterricht, der dafür offen ist darüber zu reden, was die Kinder bewegt, jetzt vielleicht mehr als sonst.“ (Maria Greckl)

 

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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