Kirche und Digitalisierung Virtuelles Ostern

09.04.2020

Digitalisierung und Kirche war nicht immer eine Liebesbeziehung. Jetzt muss sie es aber sein. Dazu hat die katholische Journalistenschule Ifp ein Seminar angeboten.

Smartphone
Schon jetzt gibt es ein breites und vielfältiges Angebot im Netz

München – Die Ausgangsbeschränkungen stellen nicht nur die Gläubigen, die auf Gottesdienstbesuche und Sakramente verzichten müssen, vor eine Herausforderung, sondern auch die Seelsorger – gerade mit Ostern vor der Tür. Die müssen plötzlich ein digitales Angebot schaffen, um ihre Schäfchen noch zu erreichen. Und das ist für viele Neuland. Auch weil der reguläre Charakter eines Gottesdiensts eben ein Dialog zwischen Gemeinde und Priester ist und kein Vortrag. Um Gelegenheit zum Austausch zu schaffen hat die katholische Journalistenschule Ifp (Institut zur Förderung von publizistischem Nachwuchs) vergangene Woche zu einem Seminar geladen.

Natürlich nur virtuell via Videokonferenz. Das brachte den Vorteil mit, dass trotz der gegebenen Kurzfristigkeit Seelsorger aus ganz Deutschland teilnehmen konnten. 16 Pfarrer, pastoral Assistenten oder Jugendleiter lauschten dem Vortrag von Frank Reintgen und diskutierten eifrig mit, brachten eigene Ideen aber auch Probleme ein. Reintgen ist Referent für Gemeinde- und Pastoralentwicklung in der Hauptabteilung Seelsorgebereiche im Erzbistum Köln. In seiner Präsentation lobt der Religionspädagoge zu allererst mal die Pfarreien.

Botschaft und Kanal

Es sei erstaunlich wie schnell die Seelsorger es geschafft hätten, ein breites, vielfältiges Angebot zu schaffen, das weit über Livestreams hinausginge: Impulse, Fürbitten und Gebetsaktionen wären überall im Netz zu finden. Allerdings, und hier kommt Reintgen gleich zu einem Problem, sei vieles doch sehr unprofessionell. Das erfordere Übung und Zeit, denn ein Kommunionsunterricht auf YouTube sei eben etwas komplett Anderes als einer von Angesicht zu Angesicht. Aber nicht nur der Inhalt auch die Technik bereite vielen sichtlich Mühe. Die Seelsorger sollten sich vorher klare Fragen stellen: Was ist meine Botschaft, was ist meine Zielgruppe und welchen Kanal kann und will ich bedienen.

Die Teilnehmer sind rege bei der Sache und immer wieder wird über Einzelfälle diskutiert und neue Probleme aber auch Ideen werden eingebracht: Eine Jugendleiterin erzählt, dass viele Vorschläge der Bistümer für sie überhaupt nicht umzusetzen seien: „Wenn ich meinen Jugendlichen erzähle, wie sie die rituelle Fußwaschung am Gründonnerstag umsetzen können, dann verstehen die nur Bahnhof“. In einer digitalen Welt braucht sie andere Ideen und Impulse.

Volkskirche oder spezifische Zielgruppen

Andersherum gibt es aber natürlich Probleme mit der Suche nach der Zielgruppe. Denn: Sollte Kirche nicht für alle sein? Kein Pfarrer feiert am Sonntag die heilige Messe nur für besserverdienende Akademiker oder für alleinerziehende Mütter. Gleichzeitig funktioniert der virtuelle Raum natürlich komplett anders als der geographische. Ein Kirchgänger geht in der Regel in die Pfarrei vor Ort, aber im Internet ist er nicht so stark an sie gebunden. Daher sei es dennoch wichtig, sich über die Zielgruppe Gedanken zu machen, sind sich die Teilnehmer sicher.

Aber auch ohne konkrete Zielgruppe gibt es Möglichkeiten ganz im Sinne einer Volkskirche alle Menschen mitzunehmen, wie Kapuzinerbruder Julian Kendziora berichtet. Ein Freund hatte auf Instagram das Bild einer Kerze gepostet mit der Aufforderung, dies so zu nutzen, wie man eine Kerze in der Kirche anzündet. Jeder konnte darunter Fürbitten, Gebete und Danksagungen posten. Mit großem Erfolg: Die unterschiedlichsten Menschen beteten oder dankten dort vor allem den vielen Arbeitern im Gesundheitssektor.

Virtuelle Osterwache

Reintgen selbst plant übrigens die Osternachtwache nicht ausfallen zu lassen. Auch alleine bleiben will er nicht, sondern die Nacht mit Freunden. Wiederrum natürlich nur virtuell. Den Ablaufplan stellt er für alle, die ähnliches gern machen möchten, hier zur Verfügung. Inspiriert hat das Seminar auch den geistlichen Leiter des Ifp, Bruder Helmut Rakowski: Für die Seminar-Teilnehmer im Ifp gibt er jeden Mittwochmorgen einen Impuls. Nun ist der auch auf den Facebook und Instagram. Und er ist betont niedrigschwellig: „Den Frömmigkeitsfaktor wählt jede(r) selbst.“

Der Autor
Thomas Stöppler
Volontär
t.stoeppler@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Ostern

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