Erzbistum legt Jahresabschluss vor Vision für die Zukunft gesucht

11.07.2019

Immer weniger Menschen sind Mitglied der Kirche, in Zukunft drohen die Einnahmen aus der Kirchensteuer dramatisch zu sinken. Auch das Erzbistum München und Freising steht deshalb vor großen Herausforderungen.

Das Erzbistum München und Freising muss in Zukunft mit erheblichen finanziellen Einbußen rechnen.
Das Erzbistum München und Freising muss in Zukunft mit erheblichen finanziellen Einbußen rechnen. © imago images

München – "Es ist kein Naturgesetz, dass wir weniger werden. Das hängt von unserem eigenen Tun ab.“ Die Kirche und somit auch das Erzbistum München und Freising stünden vor tiefgreifenden Veränderungen, bekräftigt Generalvikar Peter Beer bei der Offenlegung des Jahresabschlusses 2018. Man müsse sich der Tatsache stellen, dass „das, was wir tun, immer weniger Menschen etwas wert ist“. Prognosen verheißen einen weiteren erheblichen Rückgang der Kirchenmitglieder in den nächsten fünf bis zehn Jahren.

Folglich sieht das Erzbistum massiven Einbußen bei den Kirchensteuereinnahmen entgegen. Dabei richte man nun ein Hauptaugenmerk darauf, den Menschen wieder verständlicher zu machen, worum es Kirche eigentlich gehe. Aber gerade weil sich die finanziellen Grundlagen, auf denen das Erzbistum agiere, wandelten, gelte es, „neu anzusetzen, sich positiv weiterzuentwickeln, anstatt sich zurückzulehnen“ – so könne der Plan für eine ungewisse Zukunft aussehen. Es bedürfe einer Gesamtstrategie, einer „Vision“, die nur gemeinschaftlich mithilfe eines breiten Beteiligungsprozesses erarbeitet werden könne, um die Qualität und das Niveau in den verschiedenen Bereichen, in denen Kirche tätig ist – Seelsorge, Bildung, gemeindliches Leben und Dienst am Nächsten – zu erhalten. Um diese Zwecke dauerhaft und unabhängig von Kirchensteuereinnahmen sichern zu können, hatte in der Vergangenheit eine Übertragung von Mitteln an die drei großen Stiftungen der Erzdiözese stattgefunden.

Einnahmen aus Kirchensteuer gestiegen

In der aktuell von Finanzdirektor Markus Reif vorgelegten Bilanz des Erzbistums für das Jahr 2018 spielen diese strukturellen wie inhaltlichen Veränderungsprozesse zahlenmäßig noch keine gravierende Rolle. Seit 2015 legt die Erzdiözese mittlerweile Rechnung nach den Vorgaben des Handelsgesetzbuches. Demnach sind die Einnahmen aus der Kirchensteuer im Vergleich zum Vorjahr auf 645 Millionen Euro gestiegen. Die Bilanzsumme beläuft sich auf 3,493 Milliarden Euro, was einem Plus von 125 Millionen Euro im Vergleich zu 2017 entspricht. Den Löwenanteil am verbuchten Vermögen haben mit 1,2 Milliarden Euro die bebauten und unbebauten Grundstücke der Erzdiözese. Des Weiteren sind im Jahresabschluss Finanzanlagen in Höhe von 1,465 Milliarden Euro abgebildet.

Aus den Erträgen des Erzbistums von rund 870 Milllionen Euro wurden Aufwendungen in einer Höhe von 791 Millionen Euro finanziert, was einer Zunahme von rund 50 Millionen Euro entspricht. Größter Posten bleiben die Personalaufwendungen mit einer Summe von 324 Millionen Euro. Es ergibt sich ein im Vergleich zum Vorjahr etwas niedrigeres Jahresergebnis von rund 99 Millionen Euro.

Finanzdirektor Markus Reif, Generalvikar Peter Beer und der Geschäftsführer der drei großen Stiftungen, Stefan Fritz (von links) stellten den Jahresabschluss 2018 vor.

Investitionen in Bauprojekte

Bauprojekte wie die Umgestaltung des Diözesanmuseums auf dem Freisinger Domberg, die Generalsanierung der St.-Irmengard-Schulen in Garmisch-Partenkirchen sowie der Neubau eines Seminargebäudes der Katholischen Stiftungshochschule spielen bei der Planung der Investitionen 2019 eine große Rolle. Das Erfordernis massiver Infrastrukturmaßnahmen zum einen für Dienstgebäude der Erzdiözese zum anderen für laufende Baumaßnahmen der einzelnen Kirchenstiftungen schlägt im Nachtragshaushalt 2018 zu Buche.

In Bezug auf die Kirchensteuereinnahmen plane man für 2019 wieder mit einer konservativen Schätzung von 632 Millionen Euro, erklärt Reif. Allerdings schließe sich hier langsam eine Lücke zwischen Haushaltsplanung und den tatsächlichen Erträgen: Es gebe keinen so großen Puffer mehr, die Rechnung werde deutlich enger, prognostiziert der Finanzdirektor.

Stiftungen bauten Förderaktivitäten aus

Über das Finanzergebnis der drei großen Stiftungen des Erzbistums informiert Geschäftsführer Stefan Fritz. Die rückläufigen Kapitalmarktbewegungen und die nach wie vor niedrigen Zinsen übten auf die Bischof-Arbeo-, die St. Antonius- und die St. Korbinian-Stiftung Druck sowohl auf die Vermögens- als auch die Ertragsseite aus. Aufgrund der guten Vorjahresergebnisse 2017 konnten die Stiftungen dennoch ihre Förderaktivitäten 2018 ausbauen. Die Bilanzsumme der Bischof-Arbeo-Stiftung, die dem Zweck der Bildung dient, beläuft sich auf 726 Millionen Euro. Die größten Vermögenswerte stellen hierbei Immobilien und Grundstücke dar. Dem Erzbistum wurden insgesamt sechs Millionen für Bildungszwecke zur Verfügung gestellt.

Die Erträge der St. Antonius-Stiftung mit einem Bilanzergebnis von 699 Millionen Euro fließen in den Dienst am Nächsten. Hier wurde beispielsweise das Bauvorhaben des Caritas-Seniorenwohnheims St. Michael in München-Perlach oder der Umbau des Kinder- und Jugendhilfezentrums Haus Maria in Thalkirchen unterstützt.

Die dritte Stiftung im Bunde, die St. Korbinian-Stiftung, dient dem gemeindlichen Leben und verfügt über ein Vermögen von 697 Millionen Euro. Von ihr gingen drei Millionen an die Erzdiözese zugunsten eines Trauerpastoralen Zentrums am Münchner Ostbahnhof. Fritz konstatiert, dass sich die Bilanzsumme bei allen drei Stiftungen erhöht habe und es gelte, diese langfristig zu erhalten. Zu diesem Zweck würden Rücklagen in maximalem Umfang gebildet.

Wie soll sich Kirche einbringen?

Im Hinblick auf die Klerikalseminarstiftung, die der Ausbildung der künftigen Priester dient, sind die Zahlen nahezu unverändert im Vergleich zum Jahr 2017. Die Bilanzsumme beträgt 108,4 Millionen Euro. Das Vermögen der Knabenseminarstiftung, welche die Förderung der Studienseminare zum Zweck hat, liegt ebenfalls nahezu unverändert bei 16,4 Millionen Euro. Die Emeritenanstalt sichert die Pensionen der Priester und kommt auf eine Bilanzsumme von 303,6 Millionen Euro, der Erzbischöfliche Stuhl auf 52,8 Millionen Euro.

Abseits der aktuellen Zahlen gibt es für Generalvikar Peter Beer eine Reihe von Fragen, denen sich das Erzbistum auch unter dem Aspekt der Digitalisierung aktuell und in Zukunft wird stellen müssen. Wie soll Kirche sich einbringen? Wie leisten wir uns das? Was muss unter Umständen gestrichen werden? Die ersten Schritte für diesen Strategie- und Visionsprozess sollen laut Generalvikar Beer noch gegen Ende dieses Jahres gegangen werden. Auf Basis konkreter Ergebnisse könne dann die Haushaltsplanung für die kommenden Jahre angepasst werden. Dabei gehe es auch, aber nicht nur um die Frage, wie Kirchen und andere Räumlichkeiten künftig genutzt würden, möglicherweise zusammen mit anderen gesellschaftlichen Akteuren. Allerdings ist der Grundtenor des Generalvikars ein positiver: Man müsse sich diesen Herausforderungen stellen und nicht aus Angst handeln.

Die Autorin
Tamara Wenger
Münchner Kirchenzeitung / Online-Redaktion
t.wenger@st-michaelsbund.de


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