Landtagswahl in Sachsen und Brandenburg Volksparteien und Katholische Kirche vor gleichem Problem

02.09.2019

Die Volksparteien in Deutschland haben ein Problem. Das gleiche wie die katholische Kirche. Ein Kommentar von Christian Moser.

Volkspartein und Katholische Kirche stehen im Regen - Sie verlieren an Zuspruch.
Volkspartein und Katholische Kirche stehen im Regen - Sie verlieren an Zuspruch. © andreas160578 - pixabay

Die Volksparteien in Deutschland verlieren immer mehr Stimmen. In Brandenburg und in Sachsen ist es gestern den regierenden Parteien SPD und CDU nur mit größter Not und Mühe gelungen, die AfD in Schach zu halten. In beiden Ländern ist die sogenannte Alternative AfD zweitstärkste Kraft geworden. Die Wahl hat gezeigt: Die Volksparteien, die Jahrzehnte lang das Nachkriegsdeutschland politisch geprägt hatten, haben ein massives Problem: Sie erreichen die Bürger und damit auch ihre Wähler nicht mehr. Das liegt nicht an den Themen der Parteien. Das Gespür dafür haben sie. Doch was macht den Erfolg der AfD aus? Warum erreicht ausgerechnet eine Partei, die unter anderem rechtsextreme Positionen vertritt, so viele Wähler? Und das ausgerechnet an einem Tag, an dem sich der Beginn des Zweiten Weltkriegs zum 80. Mal jährt!

Das Erfolgsrezept der AfD

Die AfD suggeriert den Wählern, dass sie für die Sorgen und Nöte der Bürger ein offenes Ohr hat. Die Parteivertreter schauen dem Volk aufs Maul, wie es so schön heißt. Hören den unzufriedenen Bürgern zu und versprechen vollmundig Änderungen. "So kann das nicht weitergehen!" ist dabei eine der beliebtesten Floskeln. Für viele Bürger das Zeichen: Ja, ich werde wahrgenommen. Und so aktiviert die AfD viele vormalige Nichtwähler, die aus Frust über die politische Lage, über das nicht gehört werden, nicht mehr zur Wahl gegangen sind. Lösungen präsentiert die AfD dagegen keine.

Hingehen, hinhören

In der Kirche ist ein ähnliches Phänomen zu beobachten. Viele der Katholiken in Deutschland fühlen sich nicht gehört, nicht wahrgenommen. Egal, ob es die persönlichen Lebensumstände sind oder gesellschaftliche Entwicklungen. Die Kirche hat sich vom Alltag zahlreicher Katholiken entfernt. Sichtbar wird das in der Kirche nicht bei Wahlen, sondern einmal im Jahr bei der Veröffentlichung der Austrittszahlen. Und die steigen Jahr für Jahr. Mit dem synodalen Weg der deutschen Bischöfe will die katholische Kirche dem Volk wieder mehr aufs Maul schauen. Sie will wieder stärker bei den Menschen ankommen. Ob das wirklich gelingt, hängt nicht nur von den Ergebnissen des synodalen Weges ab, sondern vor allem, wie er beschritten wird. Wird es tatsächlich Diskussionen und thematische Auseinandersetzungen auf Augenhöhe zwischen Klerikern und Laien geben – und auch das gehört heute zum Erfolg: Wie gut werden die Erfolge, die dieser Prozess haben wird, auch öffentlich vermarktet? Der Weg ist steinig und wird viel Anstrengung kosten. Doch er kann gelingen – Schritt für Schritt. Auch das zeigt nämlich die Wahl von gestern. Michael Kretschmer, Ministerpräsident in Sachsen, hat seinen Wahlkampf ganz auf Zuhören ausgerichtet. Ist von einer Kommune zur nächsten getingelt und hat sich Zeit genommen für die Bürger. Damit hat er der AfD den Wind aus den Segeln genommen.

Audio

Deutsche Volksparteien und die katholische Kirche haben das gleiche Problem

Der Autor
Christian Moser
Radio-Redaktion
c.moser@st-michaelsbund.de


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