Mit Tieren leben Vom Arbeitstier zum Tierhalter

26.08.2018

Pater Alfons Friedrich hat sich vor 17 Jahren einen Herzenswunsch erfüllt und einen kleinen Labrador-Welpen zu sich genommen. Seitdem sind Hunde aus dem Leben des Salesianers nicht mehr wegzudenken.

Cara und Adea lassen ihr Herrchen nicht aus den Augen. © privat

München – Pater Alfons Friedrich ist ein kluger Mann. Denen, die ihn kennen oder schon von ihm gehört haben – sei es, weil er in München den Pfarrverband Haidhausen leitet, sei es, weil er Geschäftsführer der Don Bosco Medien ist oder der Initiator des Kinderhauses „Casa Don Bosco“, die Liste ließe sich fortsetzen – ist das bekannt. Weniger bekannt ist, dass er eine seiner allerklügsten Entscheidungen im Jahr 2001 getroffen hat. Genauer gesagt, handelte es sich bei dieser „Entscheidung“ um ein zuckersüßes, kleines, schwarzes, knopfäugiges Fellbündel, das gerade mal so etwa fünf Kilo gewogen haben dürfte.

Pater Friedrich, damals ein gestandener Mann Anfang 40, hatte sich schon seit einiger Zeit Gedanken über sein Leben gemacht. Als Salesianerpater war er Mitglied einer aktiven Brudergemeinschaft, arbeitete von früh bis spät, erntete viel Anerkennung für sein Schaffen in vielen unterschiedlichen Bereichen und ... und war trotz der vielen Erfolge kein glücklicher Mensch. „Ich habe gespürt, dass in meinem Leben etwas fehlt“, sagt er im Gespräch und fügt an: „Trotz der vielen Arbeit war da eine Leere, die nicht gefüllt werden konnte. Wenn ich nach der Arbeit nach Hause gekommen bin, dann war da nichts. Kein Ausgleich.“
Diese Erkenntnis muss den Pater schwer getroffen haben. Gleichzeitig haderte er damit, dass er sich einen Lebenswunsch bislang immer versagt hatte. „Schon als kleiner Bub wollte ich gerne einen Hund haben“, erzählt der heute 60-Jährige. Im Elternhaus sei das nicht möglich gewesen und auch später hätten sich ebenfalls immer vermeintlich gute Gründe gefunden, die es unmöglich gemacht hätten, sich einen vierbeinigen Kumpel ins Haus zu holen.

Bereicherung des Lebens

Damit sollte jetzt Schluss sein. Und weil Pater Friedrich eben durch und durch ein Mann der Tat ist, hat er nicht lange gefackelt und so kam es, dass im Herbst 2001 eben jener kleine, bereits erwähnte reizende Labrador-Welpe im Salesianer-Provinzialat eingezogen ist. Der hat aus dem Arbeitstier Friedrich einen Tierhalter gemacht, der plötzlich vor ganz neuen Herausforderungen stand. Phoebe, genannt Fibi, musste nämlich als Erstes einmal dazu gebracht werden, ihre kleinen und großen Geschäfte nicht im Wohnzimmer, sondern im Garten zu erledigen. Ein nicht eben leichtes Unterfangen, das mitunter auch fehlschlug, weil kleine Hundemädchen auch gerne mal den Teppich für diese Zwecke benutzen.

Nach und nach haben Fibi und Friedrich dann alles gelernt, was ein gutes sechsbeiniges Team lernen muss. Fibi wurde die Bereicherung in Pater Friedrichs Leben, die er sich gewünscht hatte. Statt immer nur in stickigen Büros zu sitzen, standen von nun an unter anderem Ausflüge in den Perlacher Forst auf der To-do-Liste, und auch sonst forderte Fibi sehr zu Recht ihre Spiel- und Knuddeleinheiten ein. „Fibi war das Beste, was mir passieren konnte“, fasst es Pater Friedrich zusammen und das Lächeln, das dabei um seinen Mund entsteht, zieht sich bis in seine Augen und man kann die Liebe spüren, die da zwischen Mensch und Hund über Jahre bestanden hat und auch heute – Fibi ist vor sechs Jahren gestorben – immer noch in Pater Friedrich weiterlebt.

Fibi ist es auch zu verdanken, dass Pater Friedrich wohl für alle Zeit auf den Hund gekommen ist. Während er nämlich von seinem ersten Hundemädchen erzählt und viele Fotos von ihm auf seinem Handy zeigt, liegen ihm zu Füßen acht Hundebeine. Vier davon gehören der Golden-Retriever-Dame Cara, die anderen sind rabenschwarz und der dazugehörige Hund ist – wie Fibi – eine Labradorhündin namens Adea. Die beiden sorgen dafür, dass im Pfarrhaus von St. Wolfgang auch immer ordentlich Leben in der Bude ist. So begrüßt Wirbelwind Adea jeden Besucher mit lautem, freudigem Bellen und fordert den Gast schwanzwedelnd auf, mit ihr erst Mal eine Runde Ball zu spielen. Cara hingegen mag es lieber schmusig und erbittet ihre Streicheleinheiten mit beharrlichem Nasenstupsen.

Hunde erreichen das Herz des Menschen

„Die beiden sind immer hier“, erklärt Pater Friedrich. Auch, wenn wie vor kurzem, eine alte Frau zum Trauergespräch kommt, weil ihr Mann gestorben ist und sie gemeinsam mit Pater Friedrich über die Bestattung sprechen möchte. Um das Gespräch in Ruhe führen zu können, wollte Pater Friedrich die Hunde aus dem Zimmer schicken. „Ach, lassen Sie nur“, habe die Witwe gesagt. Schließlich hätten sich die beiden Hunde zu ihr gesetzt und während die Frau abwechselnd Cara und Adea gestreichelt habe, hätte sie quasi ihnen von ihrem verstorbenen Mann erzählt, und Pater Friedrich erfuhr so, was er für seine Trauerrede wissen musste. „Hunde erreichen das Herz der Menschen unmittelbar“, ist er sich sicher, schließlich hat er es am eigenen Leib erfahren.

Leider fehlt seit einiger Zeit ein Mitglied des Menschen-Hunde-Rudels: Max, der Hund eines Mitbruders von Pater Friedrich, ist gestorben und wird von allen schmerzlich vermisst. Allerdings werden die beiden Hundedamen wohl nicht mehr lange ohne männliche Unterstützung bleiben. Pater Friedrich zückt wieder sein Handy und zeigt das Foto eines vielleicht vier Wochen alten braunen Labrador-Welpen. Ende August soll Benni kommen. Und eines steht jetzt schon fest: Er wird eine Menge Spaß haben hier mit allen Zwei- und Vierbeinern, die seine Ankunft kaum ewarten können. (Susanne Holzapfel)

Pater Alfons Friedrich moderiert zusammen mit Tanja Bergold die Sendung „Die Bergold und der Pater“ im Münchner Kirchenradio (MKR). Die Podcasts zu den monatlichen Sendungen finden Sie hier.


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