Symbole der Dreifaltigkeit Vom Dreieck bis zur Gloriole

28.05.2021

Die Darstellung von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist haben sich im Laufe der Zeit verändert. Der Wunsch nach Abbildung des Göttlichen gab es schon in frühchristlichen Zeiten.

Dreifaltigkeitsdarstellung Himmelsfahrt Mariens
St. Zeno in Bad Reichenhall ziert diese Dreifaltigkeitsdarstellung von der Himmelfahrt Mariens. © Bunz

Die Dreifaltigkeit ist das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens. Ihre Komplexität, die in der einleitenden Präfation von der Heiligsten Dreifaltigkeit zum Ausdruck kommt, bereitete seit den christlichen Anfängen Schwierigkeiten bei der bildlichen Darstellung. Deshalb wählte man zunächst Sinnbilder, die teilweise bis in die Neuzeit überdauerten und deren Form immer wieder aktualisiert wurde.

Bereits früh wurde versucht, die Dreifaltigkeit in szenische Darstellungen der Heilsgeschichte einzubinden, wobei man hier meist auf die Hervorhebung der Einheit verzichtete. Die frühchristliche Diskussion um diese neue Gottesauffassung war der Ausgangspunkt der Bildtradition, die bis heute andauert.

Anfänge der Trinitätslehre

Im antiken Christentum wurde durch die zentrale Bedeutung der Christus-Gestalt eine erhebliche Veränderung des Gottesbegriffs nötig. Deshalb bildete sich – entgegen dem Judentum – eine spezifische Form der Gottesauffassung aus, nämlich der Glaube an die Dreifaltigkeit und die diesen Glauben durchdenkende Trinitätslehre. Sie nahm in der Antike ihren Ausgang und fand im vierten Jahrhundert in einem Akt kirchlicher Konsensbildung einen verbindlichen Abschluss.

Origines von Alexandria (185 – 254) erstellte den ersten großen Entwurf einer systematischen Trinitätslehre. Er führte den Begriff der drei „Hypostasen“ für die drei Wirklichkeiten Vater, Sohn und Heiliger Geist ein, entschied sich aber noch nicht endgültig für deren Gleichrangigkeit. Das Hervorbringen von Sohn und Heiligem Geist hingegen sah er bereits als zeitlosen Prozess. Seit dem Konzil von Nicaea 425, an dem das große Glaubensbekenntnis mit der Gleichsetzung der drei Hypostasen verfasst worden war, herrschte innerhalb der Kirche ein erbitterter Streit mit den Arianern, die Sohn und Heiligen Geist dem Vater nachordneten. Erst das Konzil von Konstantinopel 381 schuf einen verbindlichen Konsens.

Wunsch nach Abbildung des Göttlichen

Der lateinische Kirchenvater Augustinus von Hippo (354 – 430) befasste sich in seinem Hauptwerk „De trinitate“ (Über die Dreieinigkeit) mit dem Wesen der Trinitätslehre und wendete sich im Laufe seiner Schrift von den gegenständlichen Begriffen für Gott ab, um auf das Phänomen des nichtgegenständlichen Wissens eines jeden Menschen aufmerksam zu machen. Im Innersten seines Geistes sei der Mensch Gott, also der Trinität, am nächsten. Augustinus appelliert also an jeden Menschen, sich in die Bewegung wirklicher Gottessuche zu begeben und von gegenständlichen Begriffen für die Heilige Dreifaltigkeit abzulassen.

Scheinbar widerspricht der Wunsch nach Abbildung des Göttlichen dem Bildverbot des ersten Gebotes (Ex 20,4). Deshalb waren es zu Beginn vielleicht gerade die Symbole, die für die Trinität stehen sollten. Das älteste Zeichen für die Dreifaltigkeit ist das Dreieck. Es versinnbildlichte bereits in der vorchristlichen Antike die Vollkommenheit. Auf frühchristlichen Grabsteinen Nordafrikas wird das Christus-Monogramm vom Dreieck umgeben oder bekrönt. Kritiken über dessen Verehrung sind seit Augustinus belegt, sodass es bis ins frühe Mittelalter hinein fast völlig verschwand. Erst der Uta-Codex von 1025 zeigt es wieder mit der Hand Gottes davor.

Seit dem Spätmittelalter beschreibt das Dreieck die Form des Nimbus (Heiligenschein) Gottvaters als Vertreter der Dreifaltigkeit und wird zugleich – abgebildet mit dem Kreis – zum Gegenstand der Meditation. Seit dem 17. bis ins 19. Jahrhundert kommt es sehr häufig an Altären mit dem Auge Gottes vor, das meist von einer Gloriole (Heiligenschein) umstrahlt wird. Sehr früh auch wurde der Thron Gottes mit dem Lamm oder Buch und der Taube darüber als Sinnbild für die Trinitas verwendet. Die Taube wie das Agnus Dei blieben für den Geist und den Sohn in der Kunst erhalten, der Thron hingegen wurde seit dem Mittelalter oftmals durch die Hand Gottes ersetzt.

Darstellung mit Personen

Mit dem Thron allerdings formierte sich ein anderer Darstellungstyp, der ebenfalls in der Kunst des Mittelalters anzutreffen ist: der „Gnadenstuhl“. Gottvater sitzt auf dem Thron, er trägt seinen Sohn am Kreuz vor sich und darüber schwebt die Taube für den Heiligen Geist. In der Alten Pfarrkirche St. Martin in Garmisch hat sich an der Chorwand ein solches Bild aus dem 15. Jahrhundert erhalten. Anstelle des Gekreuzigten wurde auch der Schmerzensmann auf dem Schoß des Vaters abgebildet. Gerade im ausgehenden Mittelalter war man danach bestrebt, den Schmerz des Vaters zu zeigen, so wie bei spätgotischen Pietà-Darstellungen die Trauer der Mutter im Vordergrund stand.

Zudem kam es seit dem fünften Jahrhundert immer wieder zu Darstellungen der Dreifaltigkeit in drei männlichen Gestalten. Zu den frühesten Darstellungen zählt ein Mosaik in der Kirche Santa Maria Maggiore in Rom von 430. Es stellt den Besuch Gottes in Gestalt der drei Männer bei Abraham dar (Gen 18,2). Ein Fresko des ausgehenden 14. Jahrhunderts im Ostjoch der Kirche St. Jakobus in Urschalling zeigt ebenfalls drei Männer, die sich zudem – als eindrückliches Bild der Einheit – einen Körper teilen und zugleich die drei Lebensalter darstellen. Am Hochaltarretabel von St. Zeno in Bad Reichenhall vollziehen drei Könige die Krönung Mariens. 

Beliebtester Darstellungstypus

Als derart gestaltete Summe des Glaubens, entweder als drei Männer oder, wie es meistens vorkommt, Gott als die Person des Vaters, Jesus als die des Sohnes und der Heilige Geist als Taube, wurde die Dreifaltigkeit als Bildthema bis in die Neuzeit tradiert. Bereits viele Mosaikdarstellungen in den Apsiden frühchristlicher Kirchen greifen auf diese Bilder zurück und stellen den Bezug zum Mysterium des Altars her. Später, seit dem 14. Jahrhundert, sind es die Retabel (Altaraufsätze), die diese Aufgabe übernehmen und, wie am Genter Altar der Gebrüder van Eyck um 1432, den Zusammenhang zwischen Dreifaltigkeit und Eucharistie versinnbildlichen.

Ein weiterer Typus, die Dreifaltigkeit in der Gloriole, ist das am häufigsten dargestellte Bild seit der Gegenreformation und geht auf Tizian (1490 – 1576) zurück, der 1554 „La Gloria“ im Auftrag Kaiser Karls V. schuf, das heute im Prado in Madrid gezeigt wird.

Vater und Sohn sowie die Taube in himmlischen Sphären, umgeben von Licht und Engelsscharen, wurde fortan bei nahezu allen Dreifaltigkeitsbildern, oft in Verbindung mit der Aufnahme eines Heiligen, angewendet. Verwiesen sei hier auf das Hauptkuppelfresko mit der Gloriole des heiligen Benedikt in Rott am Inn von 1763, das Matthäus Günther malte. Ebenfalls dort schuf Ignaz Günther 1760 den Hochaltar, der am Auszug denselben Darstellungstypus zeigt und somit seine Übertragbarkeit auf alle Bereiche der Kunst verdeutlicht. (Martina Außermeier, Fachreferentin für Kunsttopographie und Wissenschaftliche Grundlagen im Erzbischöflichen Ordinariat München)


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