Glaube im Alltag Vom geistlichen Winter

29.10.2017

Jahreszeiten gibt es auch im geistlichen Leben. Wie man sich für einen geistlichen Winter rüsten kann, erläutert Schwester Cosima Kiesner hier.

Jahreszeiten gibt es nicht nur in der Natur, sondern auch im geistlichen Leben, meint Schwester Cosima Kiesner. © Fotolia/soleg

Es ist kühl geworden, der Winter steht vor der Tür. Die Zeit für Tops, kurze Hosen und Sandalen ist vorbei. Ganz selbstverständlich ziehen wir uns nun wieder wärmer an. Wir beginnen, uns vor Wind und Kälte mit dicken Jacken, mit Mütze, Schal und Handschuh zu schützen, und in den Wohnungen und Häusern stellen wir die Heizung an. Für den Winter muss man sich halt rüsten.

Jahreszeiten gibt es aber nicht nur in der Natur und im Ablauf unseres Jahreskreises, so etwas wie Jahreszeiten gibt es auch im geistlichen Leben. In den Frühlingstagen erwachen der Glaube und die persönliche Gottesbeziehung zu Leben. Überall sprießen neue Knospen. Die Vielfalt und Buntheit begeistern.

Sicherheit im Sommer

In den Sommertagen tritt eine Sicherheit ein, eine Wertefestigkeit und klare Überzeugung. Die Entscheidung für Gott fällt leicht, auch wenn sie hier und da Verzicht und Mühe bedeutet.

Aber irgendwann zeigt sich so etwas wie der Herbst. Es gibt Ernte. Andere Menschen, die sich an unserer Überzeugung orientieren, oder besondere Einsätze für das Reich Gottes oder die Gemeinschaft der Gläubigen, die gut gelingen. In der Seele aber kann es schon herbstlich geworden sein. Die Begeisterung ist abgekühlt, die sommerliche Leichtigkeit weicht einer Mühsamkeit und alles, worauf man gebaut hat und was so sicher erschien, wirkt nun so unwirklich wie eine Fata Morgana. Nun heißt es auch im geistlichen Leben: warm anziehen. (Schwester Cosima Kiesner)

Schwester Cosima Kiesner ist Ordensfrau in der Congregatio Jesu. Die Theologin und Germanistin leitet das "Zentrum Maria Ward" in Augsburg und die Mädchengemeinschaft "Der Neue Weg". © privat

An Jesus festhalten

Wie rüste ich mich für solch einen geistlichen Winter, in dem sich der Glaube bewährt? Einige Hilfestellungen finde ich in den Anregungen geistlicher Vorbilder: Zunächst einmal hilft es, sich bewusst zu machen, dass solch eine Winterzeit vorübergeht und dass Gott selbst genug Gnade schenkt, um sie zu bestehen. So muntert Ignatius von Loyola den geistlich Übenden auf, wenn in den 30-tägigen Exerzitien eine trockene und unfruchtbare Zeit durchzustehen ist. Mary Ward wiederum empfiehlt, die guten Gewohnheiten beizubehalten, die man in den Sommerzeiten der Begeisterung eingeübt hat: den Kirchgang, das tägliche Gebet, das Betrachten biblischer Erzählungen und das Lesen anderer geistlicher Texte.

Empfehlenswert ist auch, sich an die Zeiten zu erinnern, in denen man klar und besonnen seine Entscheidung für Gott gefällt hat. Daraus lässt sich viel Kraft schöpfen. Warum sollten die Sicherheit und Überzeugung dieser Zeit zu falscher Entscheidung geführt haben, die jetzige Winterzeit aber die richtige Entscheidung zur Folge haben? Es ist richtig, bei der Entscheidung zu bleiben, die man in der Freude und Klarheit des Geistes gefällt hat. Da heißt es, Jesu Rat ernst nehmen, der seinen Jüngern aufträgt: Bleibt in mir (Joh 15,4). Das ist das Wichtigste: in der Winterzeit des geistlichen Lebens an Jesus festzuhalten.


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