Vision von einem anderen Leben Vom Leben im Kloster Beuerberg

14.05.2016

Bis vor zwei Jahren lebten hier Nonnen - im Kloster Beuerberg in der Nähe von Wolfratshausen. Jetzt gibt eine Ausstellung in den alten Gemäuern Einblick in das Leben der Salesianerinnen.

Kardinal Reinhard Marx beim Ausstellungs-Rundgang mit dem Direktor des Diözesanmuseums Christoph Kürzeder (Bild: Sankt Michaelsbund/Hornberger) © Sankt Michaelsbund/Hornberger

Beuerberg – Irgendwie haben viele einen gewissen Blick in den Augen, als sie durch die Räume gehen, in Schränke und Vitrinen schauen. Sehnsucht spiegelt sich wider. Sehnsucht nach einer heilen, ruhigen, geordneten Welt - fernab von Streß, Hektik, Mobbing, Karrieredruck und ständiger Erreichbarkeit. Zum ersten Mal öffnet Kloster Beuerberg bei Wolfratshausen für die Ausstellung „Klausur - vom Leben im Kloster“ seine Pforten. Sie entführt in eine bislang völlig unbekannte, eigene Welt, die inspirierend, irgendwie geheimnisvoll, mitunter auch skurril und unglaublich berührend ist - nicht nur, weil die letzten 13 Salesianerinnen des Ordens der Heimsuchung Marias vor zwei Jahren das Kloster verlassen haben und nun in Altenheimen leben.

168 Jahre lang haben die Salesianerinnen hier gelebt - in einem kontemplativen Orden, also völlig abgeschieden, der Welt abgewandt. Buchstäblich hinter Gittern lebten die Schwestern, die meist aus adeligen Familien stammten und eine entsprechende Aussteuer mit ins Kloster brachten: Elegante Möbel, kostbare Bilder oder Silberbesteck. Damit wurde der Besuchsraum bestückt, in dem die Schwestern Besuch empfangen durften, der penibel notiert wurde.

Fragen des Erzbischofs

Kardinal Reinhard Marx, der es sich nicht nehmen lässt, diese Ausstellung persönlich zu eröffnen, schaut sich neugierig um, stellt Fragen und lässt sich vom Direktor des Diözesanmuseums Freising, Christoph Kürzeder, alles erklären. Kürzeder und sein Team haben die Ausstellung konzipiert – mit Leidenschaft, Kompetenz, Kreativität und Sensibilität. Immer wieder bleiben die beiden stehen, ob an der Vitrine mit Objekten aus dem 16./17. Jahrhundert wie kostbaren Tischaltären, Silberlöffel oder Kreuzen, die die Schwestern gesammelt haben, oder an der Holztafel mit den Ordensniederlassungen der Salesiannerinnen auf der ganzen Welt, die aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt.

Dass das Leben im Kloster durchaus bescheiden und karg war, wird in einer historischen Zelle spürbar. Hier stehen ein kleiner Tisch, Stuhl, Kommode, Kreuz und eine Art Himmelbett, das im Winter zumindest etwas Wärme halten konnte, während der Atem außerhalb schon fast gefror. Ein paar Schritte weiter gelangt die Gruppe in die Apotheke, die aus dem Jahr 1861 stammt und bestückt ist mit alten Kloster-Medikamenten. Für Gelächter sorgt eine skurrile, überdimensionierte „Ohrenbrille“ mit muschelgroßen Ohraufsätzen – zu tragen wie ein Haarreif – die laut Werbeschild „unauffällig“ seinem Träger mehr Gehör verschaffen soll.

"Was ist der Sinn des Lebens?"

Beim Betreten des Chorraums sind Aufnahmen eines gesungenen Chorgebets zu hören. „Diese Kassette aus dem Jahr 1987 haben wir zufällig gefunden“, berichtet Kürzeder dem Kardinal und all den anderen, die staunend mit durch die Räume gehen. „Ich bin sehr begeistert“, strahlt Kardinal Marx, „die Ausstellung ist ein Ruf aus der Vergangenheit in die Zukunft hinein.“ Und fügt hinzu: „Für mich ist es erstaunlich, wie viele Menschen sich für klösterliches Leben interessieren, was Bücher, Filme, Ausstellungen wie diese ja deutlich machen. Die Sehnsucht ist also da: Wie leben wir richtig? Was ist der Sinn des Lebens? Was hat im Leben Bestand?“

Bestand haben hier viele Produkte, die die Salesianerinnen hergestellt haben wie die golddurchwirkten, prächtigen Messgewänder. Handwerkskunst auf höchstem Niveau. Und da schwingt auch wieder etwas Sehnsucht mit - Sehnsucht nach dieser alten Handwerkskunst, Sehnsucht, dieses Können weiterzuführen. Die Äbtissin der Zisterzienserinnenabtei Seligenthal in Landshut, Petra Articus, spricht aus, was einige denken. „Ich seh diese Ausstellung auch mit Wehmut“, sagt sie, „denn wir sehen hier das Ende eines Klosters.“ Die Äbtissin hofft, dass diese Tatsache auch zum Nachdenken anregt.

Den meisten Besuchern ergeht es so, als sie bei der Eröffnung am Samstagabend durch die Räume gehen, eintauchen in diese unbekannte Welt der Ruhe, Stille und Einkehr. Eine Welt, die häufig nicht mehr aufrechtzuerhalten ist, weil der Nachwuchs fehlt. Vielleicht weckt diese Schau in Kloster Beuerberg die Sehnsucht nach einem Leben für Gott, die Sehnsucht nach der stillen Schönheit eines Klosterlebens. (sh)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Klöster und Orden

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