Zum Gedenktag des heiligen Ignatius Vom Soldaten zum Seelsorger

31.07.2018

Er begann erst mit 33 Theologie zu studieren und gründete 1534 die „Elitetruppe der Kirche“. Wie es zu dieser Kehrtwende im Leben des Ignatius von Loyola kam, lesen Sie hier.

Ignatius von Loyola, der Gründer des Jesuitenordens © Fotolia/zatletic

Drei Männern verdankt Ignatius von Loyola (1491–1556) seine Berufung – so hat es ein Jesuit einmal zusammengefasst: dem Soldaten, der ihm das Bein zerschossen hat; dem Franziskanerprior, der ihn aus Jerusalem ausgewiesen hat, und dem Kapitän, der ihn und seine Gefährten nicht wieder mit nach Jerusalem nehmen wollte. Klingt wie eine Geschichte von zugeschlagenen Türen. Wie wurde aus diesem Mann der große „Türöffner“ für geistliche Erfahrungen?

Auf dem Krankenbett, nachdem er als Soldat bei der Verteidigung Pamplonas schwer verwundet wurde, musste der baskische Adelige seine Zukunftspläne überdenken. Und beobachtete sich selbst dabei, welche unterschiedlichen Gefühle das Lesen von Heiligengeschichten und Ritterromanen auslöste. Daraus entwickelte er seine „Unterscheidung der Geister“, ein methodisches Vorgehen, um zu erkennen, welche inneren Empfindungen einen zu Gott führen und welche weg von ihm. Diese Gabe der Unterscheidung verfeinerte er in der Zeit in Manresa, wo er als Büßer und Bettler lebte. Er reiste weiter nach Jerusalem zur Grabeskirche, überzeugt, dort seinen Platz gefunden zu haben. Er wurde aber weggeschickt. Stattdessen begann er in Barcelona mit dem Theologiestudium – für den betagten 33-Jährigen keine leichte Aufgabe.

In Alcalá setzte er sein Studium fort und fing an, seine „Geistlichen Übungen“, die Exerzitien, zu geben. In Paris gewann er die ersten Gefährten. Ihre gemeinsame Wahl für die Zukunft der 1534 gegründeten Gemeinschaft war wieder Jerusalem. Nur als Notlösung gedacht war die zweite: sich dem Papst zur Verfügung zu stellen. Weil es in den damals politisch unsicheren Zeiten keine Schiffe gab, die sie mitnehmen wollten, wurde aus der Notlösung ein Charisma: Der besondere Gehorsam gegenüber dem Papst in Bezug auf Sendungen, jenes Gelübde, das für die Jesuiten kennzeichnend ist und das ihnen immer viel Misstrauen einbrachte.

Schwester Birgit Stollhoff gehört dem Orden der Congregatio Jesu an. © SMB/KSchmid

Elitetruppe der Kirche

Ignatius’ neuer Orden, die Societas Jesu (SJ), auch „Gesellschaft Jesu“ und „Jesuiten“ genannt, wurde bald die „Elitetruppe der Kirche“ genannt. Ignatius’ Anliegen war, in der Zeit der Reformation, die geistliche Erneuerung in der Nachfolge Jesu Christi. „Gott in allen Dingen suchen und finden“ – dieser Satz des Ignatius ist heute allgemein bekannt. Genauso interessant sind etwa seine Hinweise zur „unterscheidenden Liebe“ oder der Tipp, mit Jesus zu sprechen „wie zu einem Freund“. Geistliche Übungen und vor allem die Seelsorge und Katechese waren für ihn zentral. Dazu verzichtet die Gemeinschaft auf Klöster, auf das gemeinsame Stundengebet und eine einheitliche Kleidung. Mit Franz Xavier, einem Gefährten der ersten Stunde, begann die Missionstätigkeit der Jesuiten in Asien, Ozeanien und den beiden amerikanischen Kontinenten.

Für ihre Exerzitien, ihre Seelsorge und ihre gute Ausbildung sind die Jesuiten bis heute bekannt. Weniger bekannt, aber ein besonderer Auftrag des Papstes, ist deren Flüchtlingsdienst, der Jesuit Refugee Service.

Ignatius hat keinen eigenen Frauenorden gegründet. Es gibt aber verschiedene Frauengemeinschaften, die sich auf ihn beziehen: die von der Engländerin Maria Ward 1611 gegründete „Congregatio Jesu“ hat Spiritualität und Konstitutionen der Societas Jesu übernommen, weitere Frauengemeinschaften sind geprägt von der ignatianischen Spiritualität, etwa die Kongregation der Helferinnen, die Missionarinnen Christi, die SacreCoeur-Schwestern und die Gesellschaft vom Herzen Mariä. Die größte Laiengemeinschaft mit ignatianischem Charisma ist heute die Gemeinschaft christlichen Lebens (GCL). (Birgit Stollhoff CJ)


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