Ökumenisches Weltkriegsgedenken 1914 Vom Soldatensegen zur Friedensbitte

31.07.2014

Vor genau 100 Jahren war München in hellem Aufruhr: Mobilmachung! Ohne himmlischen Beistand sollten die jungen Männer aber nicht in den Krieg ziehen. Eine der größten Segnungen wurde im Sommer 1914 in Sankt Johann Baptist im Münchner Stadtteil Haidhausen begangen.

Bereits seit 1914 wurden bayerische Soldaten vor dem Ausmarsch vor der Sankt Johann Baptist-Kirche in Haidhausen gesegnet. Das Bild zeigt eine Messe 1916. (Bild Pfarrarchiv St. Johann Baptist München)

München - Auf alten Fotos sind sie noch gut zu sehen: hunderte von Soldaten haben sich vor der Sankt Johann Baptist-Kirche versammelt, dahinter ein Meer von Angehörigen und Schaulustigen. Segnungen mit Eucharistie- oder Abendmahlsfeiern gab es im August 1914 in fast allen katholischen und evangelischen Kirchen Münchens. Brigitte Huber vom Stadtarchiv begegnet solchen Hinweisen in der Stadtchronik an vielen Stellen. Daneben stehen Schilderungen, wie die Soldaten letzte Einkäufe machen - von dicken Socken bis zur vergünstigten Lebensversicherung - und eben auch, dass sie kirchlichen Beistand suchen. Denn es herrschte nicht nur Kriegsbegeisterung, so Brigitte Huber: „Gleichzeitig gab es natürlich die Angst, die sicher jeder Soldat gespürt hat, und die der Angehörigen, ob sie den Mann, Bruder oder Sohn wiedersehen.“ Wann genau, die Segnungsfeier in Sankt Johann Baptist stattfand, kann die Archivarin nicht mehr ermitteln. Für den Münchner Dom ist am 5. August 1914 eine Segnung verzeichnet, sogar in Anwesenheit von König Ludwig III. Solche hohen Persönlichkeiten sind in Haidhausen nicht dokumentiert. In Johann Baptist waren die Feierlichkeiten aber wohl besonders groß, weil der dortige Vorplatz sehr ausgedehnt ist. Dort konnte in Bataillonsgröße mit mehreren hundert Soldaten gesegnet werden.

Gedenken mit Vertretern verschiedener Kirchen

In die Haidhauser Kirche wurden die Nöte und Gebete tausender Kriegsteilnehmer und ihrer Angehörigen getragen, die Hoffnung auf einen schnellen Sieg über die Kriegsgegner, genauso wie die Hoffnung, unbeschadet wieder heimzukommen und auf einen baldigen Friedensschluss. Daran will der Gottesdienst heute Abend erinnern, ebenso an das Leid anderer Nationen. Auf dem Vorplatz, auf dem die ersten Truppen den Segen empfingen, wird eine Klangcollage zu hören sein, die auch Originaltöne von 1914 einbezieht. Während des Gottesdienstes werden Kriegsschilderungen aus Frankreich, Griechenland und Deutschland vorgetragen. Auch geistliche Vertreter der verschiedensten Nationen haben ihr Kommen angekündigt: Von der serbisch-orthodoxen bis zur anglikanischen Kirche. Kardinal Friedrich Wetter und der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm leiten den ökumenischen Gottesdienst, der heute Abend um 19.00 Uhr beginnt. Eine große Fürbitte für heutige Kriegsopfer und eine Mahnung zum Frieden beschließen das Gedenken. (alb/ww/cs)


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