Begriffe rund um Sankt Martin Von der Gerte bis zum Notarzteinsatz

09.11.2018

Bei den Laternenumzügen um den 11. November denken wir an den Heiligen Martin. Viele zusammengesetzte Begriffe enthalten den Namen "Martin". Aber nicht alle gehen auf den Heiligen zurück...

Das Martinshorn - mit dem Heiligen hat es nichts zu tun.
Das Martinshorn - mit dem Heiligen hat es nichts zu tun. © Fotolia.com/Jörg Lantelme

Es gibt viel Brauchtum rund um diesen Mann, der den Mantel mit dem armen Bettler teilte. Und es gibt viele Begriffe, die seinen Namen enthalten. Bei Martinsgans, Martinsumzug, Martinisingen, Martinslaterne und Martinsfeuer ist es ganz klar – sie haben mit dem Heiligen zu tun. Bei anderen Begriffen ist das nicht so bekannt.

Begriffe, die mit Sankt Martin zu tun haben:

Martinsschiffchen: Früher brachten Kinder diese oft ihren Lehrern als Entlohnung am Martinstag mit. Das mit Rosinen gefüllte Mürbteiggebäck hat die Form eines Schiffchens. Es diente der Anerkennung und Bezahlung. Es war früher durchaus üblich, anstelle von Schulgeld in Naturalien zu bezahlen.
Hier gibt es das Rezept für alle, die es ausprobieren wollen.

Martinsfischer: Der Eisvogel wird in Frankreich, Spanien und Italien Martinsfischer genannt (martin-pêcheur, martín pescador, martin pescatore). Einer Martinslegende nach sah Sankt Martin einst einem schwarzen, hässlichen und schmutzigen Vogel beim Fischfang zu. Der Heilige rief den Vogel und dieser kam sofort zu ihm geflogen. Weil das Tier so gehorsam war, verwandelte Martin seine Flügel in das strahlende Azurblau des Himmels und seine Brust in das Rot der untergehenden Sonne. Martin sagte daraufhin: „Du sollst jetzt meinen Namen tragen. Du sollst Martinsfischer heißen und darfst in allen Bächen und Flüssen Fische fangen." Übrigens hat auch der deutsche Name „Eisvogel“ vermutlich nichts mit „Eis“ zu tun, sondern ist von dem althochdeutschen Wort „eisan“ abgeleitet, was „schillern“ oder „glänzen“ bedeutet und auf das glänzend-farbige Gefieder des Vogels bezogen ist.

Martinsgerte: Am Martinstag überreichten die Viehhirten ihren Herren in Süddeutschland und Österreich eine Gerte aus einem Birkenzweig, der mit Eichenlaub und Wacholderzweigen gebunden war. Die Beeren galten dabei als Fruchtbarkeitssymbol. Am Dreikönigstag des Folgejahres wurde die Martinsgerte für den Viehtrieb geweiht. Im Frühjahr schützte sie Vieh und Hirten beim Almauftrieb und sollte im Stall aufgehangen die Fruchtbarkeit der Tiere fördern und für reichlich Nachwuchs sorgen. Aber selbst bei Menschen kam die Martinsgerte zur Anwendung. Man erhoffte sich durch das Schlagen der Geliebten, beziehungsweise durch das Aufhängen der Martinsgerte bei der Geliebten, viele Kinder.

Begriffe, die nichts mit dem Heiligen zu tun haben:

Martinshorn: Es hat seinen Namen nicht von dem Heiligen, sondern seinen Namen hat das Gefahrenhorn von seinem Hersteller Max B. Martin. Das „Folgetonhorn“, wie es offiziell heißt, wird vor allem in Deutschland als Martinshorn bezeichnet. Die traditionsreiche Firma Max B. Martin fertigte ab 1880 in Markneukirchen (Sachsen) Rufhörner, Jagdhörner, Kavallerie-Trompeten und Fanfaren-Trompeten für zwei- oder viertönige Signale.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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