Katholikenschwund und Priestermangel Von der Kirche zum Hotel?

11.07.2019

Die Meldung lässt aufhorchen: In den Niederlanden wird jede fünfte Kirche zweckentfremdet. Besser anders nutzen als gar nicht nutzen? Es lohnt sich, auch bei uns über Alternativen nachzudenken. Ein Kommentar von Tanja Bergold.

Ein besonderer Schlafplatz: Die Michaeliskirche nach Neustadt am Rennsteig.
Ein besonderer Schlafplatz: Die Michaeliskirche nach Neustadt am Rennsteig. © Horst - airbnb.de

Ich suche ein Hotel für die nächste Urlaubsreise, und stoße auf eine ehemalige Kirche, romantisch gelegen in einem kleinen Dorf, umgebaut zu einem Hotel. Ähnliches in einer bekannten deutschen Frauenzeitschrift: Dort wird in jeder Ausgabe ein besonders eingerichtetes Privathaus vorgestellt. Darunter: Ebenfalls eine Kirche. Mittlerweile umgebaut und bewohnt von einer Familie. Und dann noch die Meldung, dass in unserem Nachbarland, den Niederlanden, jedes fünfte Gotteshaus zweckentfremdet wird.

Im Erzbistum München und Freising gibt es 746 Pfarrkirchen und 1.140 Filialkirchen – dazu noch über 1400 Kapellen. Was passiert damit, wenn sich– wie die neuste Studie zeigt, die Zahl der Katholiken drastisch verringern wird? Vom Priestermangel ganz zu schweigen. Schauen wir, was die Niederländer machen: Die meisten der umfunktionierten Kirchen werden als Gemeindezentren, Theater oder Museen – oder als Wohnungen benutzt. In anderen Ländern ist es durchaus üblich, eine Bar oder ein Hotel daraus zu machen. Und in Deutschland?

Bibliothek ja, Kneipe nein

Die katholische Kirche macht sich durchaus Gedanken zu diesem Thema: Die deutsche Bischofskonferenz hat für Gemeinden eine Arbeitshilfe erstellt und erst vor ein paar Monaten haben Delegierte mehrerer Bischofskonferenzen Leitlinien zum Thema „Stilllegung von Gotteshäusern“ verabschiedet. Deren Empfehlung: Der Zweck nach einer Umnutzung sollte entweder religiös, kulturell oder wohltätig sein. Keinesfalls kommerziell. Das heißt: Bibliothek ja, Kneipe nein.

Ich finde: Bevor eine Kirche Sonntag für Sonntag so gut wie leer steht – warum nicht durch etwa die Umwandlung in eine Sozialwohnung oder einen Jugendtreffpunkt die christliche Botschaft auf andere Art und Weise unters Volk bringen? Für uns Katholiken heißt das aber auch: Offen sein für diese radikale Veränderung und bereit sein, ein paar Kilometer weiter zum nächsten Gottesdienst zu fahren. Machen wir aus der Not eine Tugend, auch wenn es in manchem Fall bestimmt ein bisschen weh tut. (Tanja Bergold ist Leiterin Programmentwicklung im Münchner Kirchenradio)

Die Autorin
Tanja Bergold
Leiterin Programmentwicklung im Münchner Kirchenradio
t.bergold@st-michaelsbund.de


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