Heilkunst im Kloster Beuerberg Von Freisenhäubchen und Pillendrehmaschinen

01.06.2017

Mit einigen Kuriositäten haben die Schwestern in Kloster Beuerberg die Bereiche von geistlicher und weltlicher Medizin perfekt miteinander verbunden und ergänzt. Diese sind derzeit in einer Ausstellung zu sehen.

Verkostung des Löwenzahnlikörs LEO © SMB

Beuerberg – „Heilen kommt von innen, und Likör ist ursprünglich ein Medikament“, sagt Christoph Kürzeder, als wir den goldgelben dickflüssigen 35 % Löwenzahnlikör LEO verkosten. Und der schmeckt köstlich. Löwenzahn, Ingwer, Veilchenwurzel, alles fein ausgewogen. Mit dieser eigenen Kreation haben die Salesianerinnen viele Jahre das Kloster und auch die Menschen rund um Beuerberg versorgt. Wie das Wissen um Krankheiten und ihre Heilung hier überdauert hat, kann man vor allem noch in der wunderbaren Klosterapotheke erfahren.

Zeitreise

Wie im gesamten Kloster scheint auch hier die Zeit stehengeblieben zu sein. Wenn man die Augen schließt, sieht man sofort die Apothekenschwester zwischen dem großen Tisch und den Schränken mit den vielen beschrifteten Schubladen und Schublädchen herumwuseln. Von jeher waren Klöster Vorreiter in Sachen Gesundheit und Medizin: Hildegards von Bingen Heilkunde ist beliebter denn je. Im Kloster Beuerberg war das nicht anders. Die Ordensschwester, es waren Salesianerinnen, haben bis vor wenigen Jahren hier gelebt, gebetet und gearbeitet. Und diesen Geist spürt man überall in dem weitläufigen Gebäude.

Auch in der Apotheke. So ist zum Beispiel eine Pillendrehmaschine zu sehen. Das ist eine geriffelte Holztafel, in die man die Pillenmasse eingestrichen hat und anschließend mit einem Holzstäbchen aus den länglichen dünnen Strängen die einzelnen Pillen abgetrennt hat. Dazu haben noch eine Destille und jede Menge Kräutlein und Pülverchen die Zeit überdauert. Das Schlafmittel, das einen Ochsen hätte töten können, wurde allerdings vorsichtshalber entsorgt, erzählt Kürzeder.

Geistliche und weltliche Medizin

Gleichzeitig ist Beuerberg der Ort, an dem man auch die geistliche Heilkunst sehr gepflegt hat. Da gab es zum Beispiel Reliquien, heilige Öle oder die Lorettoschüsseln, gemacht aus dem Staub des Heiligen Hauses in Loretto. Wer daraus gegessen hat, der löffelte nicht nur irgendeine Suppe, sondern ein Heiltherapeutikum. Das sogenannte Freisenhäubchen, eine kleine verzierte Stoffkappe, die dem Heiligen Valentin geweiht war, wurde dem Kranken bei Fieberkrämpfen aufgesetzt, erklärt Ausstellungsmacher Kürzeder. Mit solchen Kuriositäten haben die Schwestern die Bereiche von geistlicher und weltlicher Medizin perfekt miteinander verbunden und ergänzt. Eine große Rolle spielte dabei natürlich immer der Glaube. Wenn die Heilkunst nicht mehr geholfen hat, wenn der Tod also kam, dann waren sich die Schwestern sicher, „dass das hier gepflanzte Pflänzlein noch schöner im Himmelsgarten erblüht“, erzählt Christoph Kürzeder.

Die Autorin
Andrea Haagn
Fernseh-Redaktion
a.haagn@st-michaelsbund.de

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