Ehepaarsegnung in Freising Von Gott zum Bund berufen

09.10.2017

Hunderte Paare kamen zur diesjährigen Ehepaarsegnung auf den Freisinger Domberg. Kardinal Marx segnete die Eheleute und überreichte einen Blumenstrauß für ein besonderes Jubiläum.

Kardinal Reinhard Marx spendet einem Ehepaar den Segen.
Kardinal Reinhard Marx spendet einem Ehepaar den Segen. © Kiderle

Freising – „Welch eine große Gabe die Liebe doch ist! Heute ist ein Festtag, ein Tag der Freude und des Rückblicks. Ein Tag, an dem wir miteinander Dank sagen dürfen, für das, was sich die Eheleute an Liebe und Treue entgegengebracht haben, aber auch an Leben weitergegeben haben“, begrüßt Erzbischof Reinhard Kardinal Marx hunderte Paare bei der diesjährigen Ehepaarsegnung auf dem Freisinger Domberg. „Wenn wir zurückblicken auf unser Leben, wissen wir, dass vieles nicht gelingt. Enttäuschung und Frust, aber auch Versöhnung und Vertrauen sind im Leben ganz dicht miteinander verwoben. Nur wenn man es gemeinsam erträgt, ist es leichter“. Das weiß auch das Ehepaar Menacher, „denn nach 39 Jahren Ehe hat man nicht nur die rosigen Seiten gesehen“, erzählt Anton und seine Frau Gertraud fügt noch hinzu, dass man schon stolz auf jedes weitere Jahr sein darf, denn mittlerweile gehören lange Partnerschaften nicht mehr zur Normalität. Passt eine Kleinigkeit nicht, sei es heutzutage gleich aus mit der Beziehung. Dabei dürfe man jedoch nicht immer alles sofort wegwerfen und schon gar nicht die Jahre mit einem einst geliebten Menschen.

Die Ehepaarsegnung fand im Freisinger Mariendom statt.
Die Ehepaarsegnung fand im Freisinger Mariendom statt. © Kiderle

Mann und Frau bauen das gemeinsame Lebenshaus

„Addiert man alle Ehejahre der Anwesenden, dann sind es tausende. Schauen wir in den Sternenhimmel, sehen wir die unendlichen Weiten des Alls, Millionen Lichtjahre. Das alles ist so unendlich groß, dass es unsere Vorstellungskraft sprengt“, beginnt Kardinal Reinhard Marx seine Predigt. Immer wieder seien wir überrascht, dass es unsere Erde gibt. Erst wenn wir verstünden, dass diese keine Selbstverständlichkeit ist, würden wir begreifen, wie kostbar das Haus der Schöpfung ist. „Das muss uns in eine Haltung des Dankes hineinführen, dass all das ein großes Geschenk ist, das ich mir nicht kaufen kann. Ein Geschenk aus reiner Liebe“, mahnt der Erzbischof. Wir dürfen unseren blauen Planeten nicht verkommen lassen, das sei unsere gemeinsame Aufgabe als Christen. Das Haus der Schöpfung gehöre allen Menschen. „Wir brauchen ein stärkeres Bewusstsein, dass wir eine Menschheitsfamilie sind. Wir sind Patrioten, wir lieben unsere Heimat, aber wir sind mit allen Menschen verbunden. Die Erde gehört allen.“

Mann und Frau, die das Lebenshaus bauen und Leben weitergeben, seien berufen, einander anzunehmen und zueinander zu stehen, in guten wie in schlechten Zeiten. „Das ist eine große Herausforderung. Der Herr aber ermutigt uns und hat uns die Fähigkeit gegeben, das Negative zu vergessen.“ Heute aber dürfe all das gefeiert werden, eine gemeinsame Lebensspanne, gefüllt mit allem, was dazu gehört. Denn all das mache erst das Leben aus. „Wir dürfen nie aufhören immer wieder aufs Neue unser Lebenshaus gemeinsam zu gestalten. Dabei sollen wir nicht nur auf unser eigenes Haus schauen, sondern auch auf die große Schöpfung, die uns Gott gegeben hat und die wir verantwortlich gestalten wollen. Heute ist der Tag, an dem wir alle gemeinsam Dank sagen dürfen für die wunderbare Gabe des Lebens“, schließt Kardinal Reinhard Marx.

Zur Freisinger Tanzlmusi schwangen die Jubilare am Nachmittag das Tanzbein.
Zur Freisinger Tanzlmusi schwangen die Jubilare am Nachmittag das Tanzbein. © Kiderle

Mit gutem Beispiel voran

Am längsten verheiratet unter den Anwesenden sind Hiltraut und Karl Olejak, mit 74 Ehejahren. Das Paar hat heute aber nicht nur ein weiteres gemeinsames Jahr zu feiern, sondern auch den 98. Geburtstag von Hiltraut. Zu diesem besonderen Anlass überreichte Erzbischof Reinhard Kardinal Marx persönlich einen Blumenstrauß. Am Ende des Gottesdienstes findet der Höhepunkt des Tages, die Segnung der Eheleute, statt. Anschließend folgen ein gemeinsames Mittagessen und ein kulturelles Nachmittagsprogramm. Geboten sind unter anderem Musik zum Tanzen und Zuhören mit der Freisinger Tanzlmusi, eine Clown-Vorstellung zu „Szenen einer Ehe“ sowie eine mittelalterliche Schreibwerkstatt. Auch an zahlreichen Führungen rund um den Domberg können die Ehepaare teilnehmen. (Patricia Hofmann)

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