Von Heiligen und Räubern

30.04.2016

Um seine Person ranken sich viele Legenden: Trotz seines wenig rühmlichen Lebens gilt der Räuber Kneißl als Volksheld. Bei einem Familientag des Brucker Forums ging es auf Spurensuche in Maisach. Neben dem Räuber stand zunächst ein anderer im Mittelpunkt des Stadtrundgangs.

Im Brauereikeller gab es Geschichten über das Leben von Mathias Kneißl zu hören. (Bild: Hofmann)

Maisach – Volkshelden gibt es unzählige in Bayern. Viele von ihnen sind aber längst in Vergessenheit geraten. Lediglich einigen Dichtern und Denkern, Königen oder Fußballern kommt Jahr für Jahr dieselbe Bewunderung zu. Umso ungewöhnlicher ist es, dass es eine doch eher unrühmliche Person geschafft hat, sich dauerhafter Verehrung zu erfreuen. Die Rede ist von einem Räuber – genauer gesagt vom Räuber Kneißl. Der ist zwar schon lange tot, aber als Volksheld ist er lebendiger denn je, was natürlich auch am Räuber-Kneißl-Bier liegen mag. Gebraut wird es im oberbayerischen Maisach (Dekanat Fürstenfeldbruck) – das sehr stolz ist auf seinen Helden, dessen Leben schließlich auf dem Schafott endete. Dennoch ist er Bayerns beliebtester Räuber, auf dessen Spuren sich nun einige Familien bei einem vom Brucker Forum organisierten Rundgang in Maisach begaben.

Neben dem sagenumwobenen Räuber gibt es noch eine zweite wichtige Persönlichkeit für den Ort, nämlich den heiligen Vitus. Er ist der Patron der Bierbrauer. In Maisach, dem Brauort des Räuber-Kneißl-Biers, ist die Kirche dem heiligen Vitus geweiht. Und so reisten die Teilnehmer in die Vergangenheit auf der Suche nach dem Heiligen und dem Räuber.

Patron der Bierbrauer

Startpunkt war die Kirche St. Vitus, in der Pfarr- und Gemeindearchivar Stefan Pfannes vom Leben des Schutzpatrons erzählte. Ursprünglich war die Kirche dem heiligen Laurentius geweiht; Patron ist aber der heilige Vitus, der als Märtyrer und als einer der vierzehn Nothelfer verehrt wird. Das Highlight der Kirchenführung, besonders für die Kinder, war die Besteigung des Kirchturms – und das auch noch zur vollen Stunde, so dass alle das Läuten der Glocke hautnah miterleben konnten.

Anschließend führte der Weg die Teilnehmer in die Brauerei Maisach, in der Elisabeth Lang, Koordinatorin der Veranstaltung, im Räuber-Kneißl-Keller mit spannenden Geschichten zum Räuberleben aufwartete. Nicht nur eine lebensgetreue Figur von Mathias Kneißl selbst, auch sein Regenschirm, den er auf einer Flucht in einem Wirtshaus liegen ließ, sein Jagdgewehr und zahlreiche Fahndungspapiere konnten bestaunt werden. Die meiste Aufmerksamkeit bekam das nachgebaute Schafott, das in der Ecke des kleinen Keller-Museums steht.

Bitteres Ende

Begonnen hat das eher bescheidene Leben des Mathias Kneißl am 12. Mai 1875 in einer armen Familie. Schon in der Kindheit fällt er durch sein ungezogenes Verhalten auf. Die gesamte Familie hält sich mit kleineren Diebstählen und Wilderei über Wasser. Eines Tages wird sein Vater auf der Flucht erschlagen und seine Mutter ins Gefängnis gesteckt. Er selbst landet später ebenfalls dort.Nach der Haftentlassung ist er voller Hoffnung und Zukunftspläne. Mit seiner Liebsten, Mathilde, möchte er nach Amerika auswandern, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Allerdings fehlt dazu das nötige Geld. Aufgrund seiner Lebensgeschichte weigern sich viele Arbeitgeber, ihn einzustellen. In seiner Not lässt er sich auf den Ratschlag eines Freundes ein, einen reichen Bauer auszurauben. Natürlich läuft nicht alles nach Plan und Kneißls Leben endet letztendlich 1902 auf dem Schafott.

Der Erhebung Kneißls zu einem Volkshelden tat sein Lebenswandel keinen Abbruch. Dazu beigetragen hat sicherlich, dass ihn die Leute schon zu Lebzeiten als eine Art bayerischen „Robin Hood“ betrachteten, der sich gegen Willkür, Not und Unterdrückung einsetzte. In der Tat war er – zumindest was seine Größe betrifft – mit knapp 1,60 Metern ein kleiner Räuber, seine Verehrung heute ist jedoch umso größer. (Patricia Hofmann)

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