Neubau in der Pfarrei St. Thomas Morus Von Sanierung zum Abbruch des Pfarrzentrum

09.11.2020

Eine (un)endliche Geschichte: Der Münchner Pfarrer Detlev Kahl schildert den langwierigen Prozess der Bau-Planungen in seiner Gemeinde - die jetzt hoffentlich ein gutes Ende nehmen.

Pfarrer Detlev Kahl (links) und Architekt Christian Zöhrer präsentieren direkt in der Kirche St. Thomas Morus die Umbaupläne
Pfarrer Detlev Kahl (links) und Architekt Christian Zöhrer präsentieren direkt in der Kirche St. Thomas Morus die Umbaupläne. © Kiderle

München/Mittersendling – Da war zunächst nur eine Sanierung des Pfarrzentrums und des Kindergartens geplant, damit das Gebäude den Brandschutzauflagen wieder entspricht. Sehr schnell aber wurde klar, dass es mit einer Sanierung doch nicht getan ist. Sowohl finanzielle Gesichtspunkte als auch erhebliche Probleme mit der Baustatik führten zu der Entscheidung, dass ein Abbruch und Neubau des Pfarrzentrums und des Pfarrhauses mit den Pfarrbüros in der Pfarrei St. Thomas Morus im Münchner Stadtteil Mittersendling sinnvoller sind.

Lange Planung mit hohen Kosten

Das Projekt wurde ausgeschrieben und die Wettbewerbsjury hat den ersten Preis 2012 an das Architekturbüro Dominikus Stark aus München vergeben. Das Erzbischöfliche Bauamt beauftragte es daraufhin mit den Planungen. Nachdem diese im Jahr 2017 abgeschlossen waren, kam es jedoch zu einer traurigen Ernüchterung. Denn die eingeplanten Kosten wurden damals vom Erzbischöflichen Ordinariat als zu hoch angesehen, so dass eine Weiterverfolgung dieser Pläne nicht genehmigt wurde.

Also musste wieder völlig neu geplant werden. Dieses Mal ging die Beauftragung an das Architekturbüro Wester-Schührer-Zöhrer aus München und dessen Architekt Christian Zöhrer, der nun mit den völlig anders gearteten Planungen beginnen sollte. Unterstützt wurde er hierbei durch Diözesanbaumeister Hanns-Martin Römisch und das Projektmanagement Thost.

Ende in Sicht

Denn St. Thomas Morus an der Ecke Heckenstallerstraße/Friedrich-Hebbel-Straße sollte jetzt zu einem diözesanen Pilotprojekt werden, in dem die Kirche außer für Gottesdienste auch noch anderweitig genutzt werden kann. So soll unter anderem der neue Pfarrsaal in den Kirchenraum eingebaut und das Pfarrbüro direkt an die Kirche angebaut werden. Der Kindergarten, so sehen es die Planungen vor, kommt an die Stelle der jetzigen Pfarrbüros und das alte Pfarrzentrum soll zu einem Wohngebäude umgebaut werden.

Die scheinbar unendliche Geschichte wird jetzt zur endlichen Geschichte mit einem hoffentlich guten Ende! Denn diese Neuplanungen mit einen Kostenvolumen von 20 Millionen Euro, die jetzt, im Jahr 2020, abgeschlossen und vom Erzbischöflichen Ordinariat auch genehmigt worden sind, werden im nächsten Jahr endlich konkret umgesetzt.

Gemeinde seit Jahren vertröstet

Diese Pläne wurden am Freitag vergangener Woche der Gemeinde in einer Pfarrversammlung in der Kirche St. Thomas Morus vorgestellt. Das Interesse der Gemeinde ist sehr groß, da sie schon seit Jahren immer wieder vertröstet werden musste. Gerade am Kindergarten ist sehr gut nachzuvollziehen, wie oft es schon zu Veränderungen gekommen ist: 2008 war der Umzug in die ersten Container im Innenhof der Pfarrei. Im Jahr darauf erfolgte der nächste Umzug in die im Nachbargebäude angemieteten Räumlichkeiten. Der Abriss dieses Gebäudes bedingte den nächsten Umzug. Erneut in Containern musste 2017 Kinder und Erzieherinnen sich wieder an neue Räume in der Nähe der Pfarrei gewöhnen. So bleibt die große Hoffnung, dass der letzte Umzug in den neu gebauten Kindergarten bei der Kirche führen wird.

Pastoral ohne Kirche?

Zwei Dinge sind es, die mich als Pfarrer, aber auch unsere Gemeindemitglieder, bei alldem besonders bewegen: Da die Kirche komplett geschlossen und uns damit für einige Jahre nicht mehr zur Verfügung stehen wird, müssen neue Konzepte für eine planvolle und auch zufriedenstellende Pastoral vor Ort gesucht und gefunden werden, zumal wir auch nur noch einen einzigen Gruppenraum haben werden.

Außerdem: Die Umgestaltung der Kirche führt auch dazu, dass sich die Innenausstattung des 1966 geweihten Gotteshauses verändern wird. Dies führt zur Aufgabe von liebgewordenen Dingen, mit denen die Gläubigen seit Jahrzehnten verbunden sind. Hier muss ich mit Enttäuschungen und vielleicht auch Unverständnis rechnen. So gilt es, in den nächsten Jahren die Freude am Neuen und am Ende der unendlichen Geschichte zu erwecken! (Pfarrer Detlev Kahl, Leiter des Pfarrverbands Mittersendling und Dekan des Dekanats Forstenried)


Das könnte Sie auch interessieren

Zerstörtes Sankt Peter nach dem Zweiten Weltkrieg
© Erzbischöfliches Archiv

Auferstanden aus Ruinen

Der Wiederaufbau Münchner Kirchen dokumentiert den unterschiedlichen Umgang mit der Geschichte - und zwar anhand lange vergessener Fotos aus dem Archiv des Erzbistums.

26.11.2020

© imago images / epd

Einnahmen werden weniger

Thema in „München am Mittag“ ist unter anderem die Vorstellung des Rechnungsabschlusses der Erzdiözese München und Freising und ihr Haushalt 2020/21.

23.10.2020

Stiftsbasilika Sankt Martin in Landshut
© imago images / Peter Widmann

Gotische Fenster von Stiftsbasilika werden saniert

Mit den Vorbereitungen zur Sanierung wurde bereits vor zwei Jahren begonnen. Dabei zeigte sich, dass die Schäden größer sind als angenommen.

09.10.2020

Innenraum von St. Josef
© Kiderle

Technische Finesse im Kirchturm

Kirchenbauten waren und sind bis heute oft auch technische Vorreiter. Das zeigen fünf Beispiele aus dem Erzbistum München und Freising.

09.06.2020

© Benker

Pfarrkindergarten St. Thomas Morus Wieder einmal Umzug

In der Münchner Pfarrei St. Thomas Morus hofft man, dass der Pfarrkindergarten zum letzten Mal in ein Provisorium ziehen musste: Der neue Ausweichpavillon wurde jetzt gesegnet. Der nächste Umzug (der...

28.06.2017

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren