Filmtipp Von Vergebung und Liebe

07.11.2019

Der Kinofilm „Das größte Geschenk“ ist eine Mischung aus Westernparodie und christlicher Doku. Dabei verbindet Regiesseur Juan Manuel Cotelo geschickt Unterhaltung und die Vermittlung von christlichen Werten.

München – In der Westernstadt mit dem düsteren Namen „Hateful Town“ ist das finale Duell in vollem Gange. Zwei verfeindete Cowboys stehen sich auf staubigem Boden gegenüber, ihre Hände wandern langsam in Richtung ihrer Colts, gleich wird Blei durch die Luft fliegen. Ein Ruf unterbricht die Szene, es ist der Regisseur: „…und Aus!“, schreit er in sein Megaphon und die Filmcrew unterbricht mürrisch die Aufnahme. Die Westernstadt sieht zwar echt aus, dient aber nur als Filmkulisse. Der Regisseur ist mit dem Drehbuch unzufrieden, er wünscht sich keinen tödlichen Showdown, sondern ein richtiges Happy End, erklärt er der Produzentin und zerreißt dabei die Drehbuchseiten.

Mit diesem Film im Film beginnt der Streifen „Das größte Geschenk“, der aktuell im Münchner Rio Filmpalast gezeigt wird und eine Mischung aus christlichem Dokumentarfilm und Westernparodie ist. Regie führt der Spanier Juan Manuel Cotelo, der auch die Hauptrolle spielt – nämlich jenen Regisseur aus der Westernstadt.

Mörder sitzen neben den Angehörigen ihrer Opfer

Um ein glückliches Ende für seinen Cowboyfilm zu finden, macht sich der sympathische Filmemacher auf zu realen Persönlichkeiten, die als „Gesichter der Vergebung“ präsentiert werden. Cotelo besucht etwa Tim Guénard in Frankreich. Der ehemalige Boxer wurde als Kind von seiner Mutter auf die Straße gesetzt und von seinem Vater brutal misshandelt. Nach einer kriminellen Karriere fand er mit Hilfe eines Priesters und seiner Frau doch noch seinen Seelenfrieden. „Erst als ich die bedingungslose Liebe erfahren habe, konnte ich mich ändern“, sagt Guénard heute.

Am Sonntag, 10.11, gibt es um 09.30 Uhr eine Vorführung des Films im Gloria Filmpalast. Unter der Schirmherrschaft von Generalvikar Peter Beer wird lädt der Sankt Michaelsbund seine Hörer, Leser und User ein.
Am Sonntag, 10.11, gibt es um 09.30 Uhr eine Vorführung des Films im Gloria Filmpalast. Unter der Schirmherrschaft von Generalvikar Peter Beer wird lädt der Sankt Michaelsbund seine Hörer, Leser und User ein.

Äußerst beeindruckend sind die Szenen, in denen der Film zeigt, wie sich Täter und Opfer des Völkermords in Ruanda oder des Guerilla-Kriegs in Kolumbien ausgesöhnt haben. Friedlich und sichtlich bewegt sitzen Mörder neben den Angehörigen ihrer Opfer und erzählen vor der Kamera die gemeinsame Geschichte. Es wird deutlich, dass es sich beim „größten Geschenk“ – so Titel und Botschaft des Films – um die von Gott gegebene Gabe handelt, seinen Mitmenschen vergeben zu können. Transportiert wird dieses Anliegen in schön fotografierten Bildern, die den hohen Wortanteil der vielen Interviews kompensieren.

Konservativer Wertekanon

Dass dem Film ein eher konservativer christlicher Wertekanon zugrunde liegt, offenbart sich in der Geschichte von Gaby und Francisco aus Mexiko. Die Tatsache, dass Gaby ihren Mann und die Kinder zwischenzeitlich verlassen hatte, wird – auch von ihr selbst – als Irrweg einer fehlgeleiteten Selbstverwirklichung dargestellt. Zwar freut man sich als Zuschauer natürlich über die Wiedervereinigung der Familie und die vergebende Haltung der Eheleute. Dennoch ist die Rollenverteilung klar: Hier die sündige Ehebrecherin, die für ein paar Jahre „Superwoman“ sein wollte, dort der verlassene Ehemann, der ohne Groll unablässig für die Rückkehr der Frau betet. Die genauen Hintergründe der Beziehung und die Gründe für die Trennung bleiben freilich im Unklaren.

„Das größte Geschenk“ passt mit seiner vermeintlich naiven Botschaft von Vergebung und Liebe eigentlich wenig in eine Zeit, in der der Hass in Wort und Tat immer mehr zunimmt. Gerade deshalb ist dem teilweise durch Crowdfunding finanzierten Film jedoch ein großer Widerhall jenseits des christlich engagierten Zielpublikums zu wünschen.

Am Sonntag, 10.11, gibt es um 09.30 Uhr eine Vorführung des Films im Gloria Filmpalast. Unter der Schirmherrschaft von Generalvikar Peter Beer, der seit 2010 die rechte Hand von Kardinal Reinhard Marx ist, lädt der Sankt Michaelsbund seine Hörer, Leser und User ein. Hier geht es zu den Tickets

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de

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