Geschichts-Podcast Vor 200 Jahren: München sucht Kathedrale

31.03.2021

Erst 1821 wurde München zum Bischofssitz. Nun wurde ein Dom gebraucht und dafür gab es mehrere Kandidaten.

Türme der Münchner Frauenkirche
Wo diese Türme sind, ist München. Erst seit 1821 sind sie aber auch Domtürme. Zuvor waren es die Türme der Pfarrkirche Zu unserer Lieben Frau. © SMB/Kiderle

München - Das 19. Jahrhundert begann schlecht Freising: 1802 verlor es den Rang als Hauptstadt eines selbständigen Fürstbistums und ein paar Jahre danach auch noch den Bischofssitz. Der mächtige Freisinger Dom hatte nur noch den Status einer Pfarrkirche inne. Aus war's mit einer über 1000-jährigen Tradition.

Ein bisschen Hoffnung konnten die Freisinger noch schöpfen, als die kirchlichen und die königlichen Behörden am neuen Bischofssitz merkten, dass es an Räumen für den Erzbischof und seine Verwaltung fehlte bzw. diese nur sehr teuer zu bekommen waren. „Diese praktischen Fragen, haben kurz vor Vollzug der Vereinbarungen zwischen Kirche und Staat noch einmal zu Unsicherheiten geführt, ob denn nicht doch Freising zumindest der Hauptsitz von Bischof und Bistumsverwaltung bleiben soll“, sagt der promovierte Kirchenhistoriker und Archivar Roland Götz. Denn dort stand die frühere Residenz fast leer.

Dom-Diskussionen

Schließlich sprach der Papst ein Machtwort: Der neue Erzbischof sollte in München sitzen und der bayerische Staat brachte ihn im Palais Holnstein unter, in dem die Oberhirten der Erzdiözese bis heute wohnen. Nun fehlte aber noch eine Bischofskirche, eine Kathedrale. Das Wahrzeichen Münchens, die Frauenkirche, war nicht automatisch die erste Wahl.  Es gab eine „erhebliche Diskussion“ über die Frage, „ob nicht die Theatinerkirche neue Kathedrale werden sollten“, so Roland Götz, der an seinem Arbeitsplatz im Archiv des Erzbistums, viele Akten und Dokumente dazu eingesehen hat.

Auch die Michaelskirche war im Gespräch, berichtet er in der neuen Folge des Podcasts "12 Momente aus 200 Jahren". Beide Kirchen grenzten an große Gebäudekomplexe, die auch die Bistumsverwaltung hätten beherbergen können. Schließlich gab die lange Tradition der Frauenkirche den Ausschlag, an der zudem schon seit langem ein Stiftskollegium, also eine Gemeinschaft von Weltpriestern wirkte. Wie die beiden anderen Kandidaten war der Bau zudem durch das Herrscherhaus der Wittelsbacher gefördert worden, die dort auch eine Grablege besaßen.

Exklusives Begräbnisrecht

Teile der früheren Freisinger Dom-Ausstattung wanderten nach diesem Beschluss 1821 in die Frauenkirche. Dompfarrer Klaus Peter Franzl holt in der Sakristei der Frauenkirche einen reich bestickten dreiteiligen Messornat heraus, der rund 250 Jahre alt ist. Einer der letzten Freisinger Fürstbischöfe hat das kostbare Gewand in Auftrag gegeben. Bis heute wird es gelegentlich zu feierlichen Anlässen getragen. Monsignore Franzl hat es noch nie angezogen, ist allerdings auch erst seit ein paar Monaten im Amt.

Ein solcher Ornat macht aber noch lange keine Bischofskirche: „Entscheidend ist die Kathedra, der Stuhl des Bischofs im Altarraum.“ Er ist allein dem Leiter des Bistums vorbehalten, nicht einmal der Dompfarrer darf darauf Platz nehmen. Und noch ein weiteres exklusives Vorrecht genießt jeder Bischof: nach dem jetzt geltenden Kirchenrecht, darf sich sonst niemand in der Krypta einer Kathedrale bestatten lassen. Der letzte nichtgeistliche Tote, der in einer Mauernische des Münchner Doms liegt, ist der 1921 verstorbene bayerische König Ludwig III., der keine Nachfolge mehr hatte.

Neue Führungslinie zum Jubiläum

In einem verschlossenen Nebengang der Krypta ruht der erste Oberhirte des Erzbistums München und Freising, Lothar Karl Anselm Joseph Freiherr von Gebsattel. Ein Grab, das Monsignore Franzl besonders bewegt, wenn er dort vorbeikommt. „Er hat als erster den kirchengeschichtlichen Umbruch gestaltet und versucht,  das junge Erzbistum auf einen guten Weg zu bringen.“ Als 85-Jähriger ist er noch auf Firmreisen gegangen und auf einer solchen gestorben. Mit einer neuen Führungslinie will der Dompfarrer auf ihn aufmerksam machen. Ebenso auf die anderen Stellen in der Frauenkirche, die sie seit 200 Jahren sichtbar zur Kathedrale machen. Zu diesem Jubiläum soll ein eigenes Heft erscheinen, das dann im jüngst eingerichteten Domladen unter der Orgelempore zu kaufen ist.

Podcast-Tipp

12 Momente aus 200 Jahren Dieser Podcast erzählt 2021 monatlich von  Menschen, Orten und Dingen aus der Geschichte des Erzbistums München und Freising, das 1821 errichtet wurde. Damit kamen Veränderungen, die noch heute nachwirken. > zur Sendung

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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