"Dann habe ich schweren Herzens Ja gesagt" Vor 40 Jahren wurde Ratzinger zum Erzbischof ernannt

25.03.2017

Vor genau 40 Jahren wurde der Regensburger Professor Joseph Ratzinger zum Erzbischof von München und Freising ernannt. Der Münchner Kirchenzeitung hat er schon am nächsten Tag verraten, was seine Seele bewegt. Etliche unserer Leser waren sich schon vorher sicher, wer es wird.

Interview mit der Münchner Kirchenzeitung am 26.3.1977 © MK-Archiv

„Dann habe ich schweren Herzens Ja gesagt. Vorher wusste ich nichts.“ Der Regensburger Theologieprofessor Joseph Ratzinger hatte genau eine Nacht und einen Tag Zeit, um es sich zu überlegen, ob er den Ruf als Erzbischof in seinem Heimatbistum München und Freising annehmen wollte – oder nicht. Schon am 26. März 1977, nur einen Tag nach seiner Ernennung gab er der Münchner Kirchenzeitung (damals: Münchner Katholische Kirchenzeitung) ein langes Interview in seinem Privathaus in Pentling. Eine Homestory, die sich noch als sehr hilfreich erweisen sollte. Chefredakteur Hans-Georg Becker und sein Stellvertreter Karl Wagner wollten natürlich sofort den Lesern berichten, wie denn der neue Erzbischof so ist. Recht offenherzig vertraute Ratzinger den Reportern an, dass er „glaubte, als Wissenschaftler mehr für die Kirche wirken zu können, als ich es vielleicht als Bischof zu tun vermag“. Er habe dabei auch an den heiligen Augustinus gedacht, über den er promoviert hatte. Der Kirchenlehrer wollte so ein Amt auch partout ablehnen. „Und dann ist es doch gut gegangen."

Ratzinger erzählte von dem für ihn völlig überraschenden Besuch des Nuntius. Er sei fest davon überzeugt gewesen, dass es ihn nicht treffe. Das aber hinderte den damals 49-Jährigen nicht daran, schon am Tag nach der Ernennung laut über seinen Wappenspruch nachzudenken. Schon damals war ihm klar, dass es „cooperatores veritatis“ (Mitarbeiter der Wahrheit) werden würde. Auch als Bischof sei er nur ein „cooperator“, ein Mitarbeiter. „Nicht ein Chef, sondern ein Mitwirkender im Ganzen.“ Auch die Schwerpunkte seines künftigen Wirkens hatte der eben ernannte Bischof klar vor Augen: Priesternachwuchs, der Kontakt zum Klerus seines künftigen Bistums, Katechese in der Familie.

Die Münchner Kirchenzeitung hatte in der langen bischofslosen Zeit, Amtsvorgänger Kardinal Julius Döpfner war im Juli des Vorjahres völlig überraschend verstorben, eine Umfrage unter den Lesern gemacht, wer denn der neue Erzbischof werden würde. Und offenbar haben viele auf Joseph Ratzinger getippt, auch wenn das genau Ergebnis der über 600 Zuschriften nicht veröffentlicht wurde. Fünf der richtigen Tipps haben eine Platzkarte für die Bischofsweihe erhalten. Wenn irgend möglich, so wolle er sie persönlich begrüßen, gab der Regensburger Professor noch dem Chefredakteur mit auf den Weg.

Die gedruckten und nicht gedruckten Fotos dieses Interviews wurden über all die Jahre gut im Archiv der Münchner Kirchenzeitung verwahrt. Bei der Rekonstruktion der Räume des „Papsthauses“ in Pentling waren diese Bilder eine wertvolle Hilfe. Das Institut Papst Benedikt XVI., dem das Haus inzwischen gehört, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Wohn- und Arbeitsräume wieder so originalgetreu wie möglich einzurichten. Zu seiner großen Freude fand der Direktor des Instituts, Rudolf Voderholzer, heute Bischof von Regensburg, damals noch Theologieprofessor in Trier, bei einem Besuch der MK im Archiv diese Fotos vor. (gw)


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