Weihejubiläum Vor 70 Jahren wurde Joseph Ratzinger zum Priester geweiht

29.06.2021

An Peter und Paul 1951 empfing der emeritierte Papst Benedikt zusammen mit seinem Bruder Georg Ratzinger die Priesterweihe. Sogar ein Schwarz-Weiß-Film hat sich von damals erhalten.

Kardinal Michael von Faulhaber legt Joseph Ratzinger die Hände auf
Kardinal Michael von Faulhaber legt Joseph Ratzinger die Hände auf. © Foto Werkmeister, Freising

Freising – Der 29. Juni 1951 (Peter und Paul) war ein strahlender Sommertag. Jedenfalls blieb er so dem emeritierten Papst Benedikt XVI. im Gedächtnis. Denn damals ereignete sich für ihn der "Höhepunkt des Lebens", wie er in seinen Erinnerungen "Aus meinem Leben" notiert: die Priesterweihe. 2021 ist es 70 Jahre her, dass dieses große Fest mit dem Münchner Kardinal Michael von Faulhaber im Freisinger Mariendom stattfand. Mit Ratzinger geweiht wurde auch sein älterer Bruder Georg (1924-2020).

Zeichen von oben

"Wir waren über 40 Kandidaten, die auf den Aufruf hin "Adsum" sagten: Ich bin da", heißt es in Ratzingers Aufzeichnungen. Er wolle nicht abergläubisch sein - "aber als in dem Augenblick, im dem der greise Erzbischof mir die Hände auflegte, ein Vöglein - vielleicht eine Lerche - vom Hochaltar in den Dom aufstieg und ein kleines Jubellied trällerte, war es mir doch wie ein Zuspruch von oben: Es ist gut so, du bist auf dem rechten Weg."

Dennoch räumte Ratzinger im Interview-Buch "Salz der Erde" (1996) ein, dass er sich im Theologiestudium schon gefragt habe, ob der Zölibat oder Pfarrersein für ihn das richtige sei. "Die Grundrichtung hatte ich immer vor mir"; "an Krisen hat es allerdings nicht gefehlt." Fasziniert gewesen sei er vor allem von der wissenschaftlichen Theologie. "Aber das Ja zum Priestertum bedeutete für mich, ja zu sagen zur ganzen Aufgabe, auch in ihren einfachsten Formen."

Mit 24 Jahren war Joseph Ratzinger damals der jüngste unter den Kandidaten. Und es mag ein kleines Wunder sein, dass sich von diesem Ereignis ein Schwarz-Weiß-Film erhalten hat. Die Kamera fing sogar in Großaufnahme den jungen Ratzinger ein, wie er mit gefalteten Händen ehrfürchtig in die Kirche einzieht. Dass er 54 Jahre später Papst werden würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt keiner.

Gottesdienst nach alten Ritus

Der inzwischen gestorbene Traunsteiner Jugendfreund der Ratzingers, Rupert Berger (1926-2020), erinnerte sich beim diamantenem Jubiläum 2011, dass der Dom "bummvoll" gewesen sei. Beim Einzug hätten sich die Geistlichen durch einen schmalen Gang fast "durchboxen" müssen. Vier Stunden habe die Feier gedauert, alles im alten Ritus und selbstverständlich auf Latein. Die einzigen deutschen Worte seien von der Kanzel gekommen. Von dort oben habe ein Kommentator den Gläubigen einige Male erklärt, "was vorne passiert".

Um die 80 Geistliche dürften es gewesen sein, die den Neugeweihten ebenfalls die Hände auflegten. Unter ihnen war der Präfekt des Priesterseminars, Alfred Läpple (1915-2013), der einen guten Draht zu Ratzinger hatte und ihn förderte. Während des Gottesdienstes hatte er aus organisatorischen Gründen im Seminargebäude bleiben müssen. Aber als die Zeremonie der Handlauflegung kam, lief er schnell hinüber und reihte sich bei den Geistlichen ein. "Als Joseph an der Reihe war, legte ich ihm mit etwas Nachdruck die Hände auf. Da schaute er nach oben und lächelte", erzählte er einmal der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Freudig empfangen

Nach dem Gottesdienst gab es kein gemeinsames Mittagessen für alle. Gefeiert wurde getrennt. Die Familienangehörigen blieben in den Gasthäusern in Freising. Die "Frischgeweihten" nahmen derweil im Roten Saal auf dem Domberg vom Erzbischof die Weiheurkunde entgegen. "Dann ging man in den Speisesaal zur Fütterung wie jeden Tag", wie Berger mit seinem speziellen Humor schilderte.

Erst nach der Vesper fuhren die Ratzingers und auch ihr Freund Berger mit ihren Familien nach Hause. In Traunstein wurden die Jungpriester von Menschenmengen empfangen, wie man sie heute nur noch kennt, wenn Sportler die Goldmedaille bei Olympia oder Fußballer einen internationalen Pokal gewonnen haben. Bei der Abendandacht in Sankt Oswald hatte nicht nur der Ortspfarrer das Wort. "Von uns hat sich der Joseph breitschlagen lassen, dass er ebenfalls spricht, und zwar über die Eucharistie", so Kurskollege Berger. Und auch bei den Primizfeiern in den kommenden Tagen waren die Kirchen voll. (kna)


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