Erniedrigung der jüdischen Bevölkerung Vor 75 Jahren: Münchner Hauptsynagoge zerstört

09.06.2013

Die Zerstörung der Münchner Hauptsynagoge vor 75 Jahren hat die jüdischen Bewohner der Stadt „total aus ihrem Gleichgewicht gebracht“ und war ein Zeichen dafür, dass es in Deutschland keine jüdische Zukunft geben würde, sagte Charlotte Knobloch dem Münchner Kirchenradio.

Abriss der Hauptsynagoge am 9. Juni 1938 (Bild: Stadtarchiv München)

Zwar seien Entrechtung und Demütigung der jüdischen Bevölkerung damals schon an der Tagesordnung gewesen, doch die Zerstörung eines jüdischen Gotteshauses war im Juni 1938 noch ohne Präzedenzfall in Deutschland, betonte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Wenn später darüber gesprochen wurde, dann habe eine große Enttäuschung geherrscht, dass die Bürger Münchens sich mit keinem Wort und mit keiner Geste dazu geäußert haben, berichtete Knobloch aus ihren Erinnerungen. Unverständnis habe vor allem darüber geherrscht, dass auch die Kirchen sehr „ große Zurückhaltung geübt haben und diese barbarische Situation nicht ihren Gläubigen erklärt haben“, sagte sie in dem Interview. Die jüdische Kultusgemeinde München gedachte der Ereignisse vor 75 Jahren bei ihrem gestrigen Sabbatgottesdienst.

Am 7. Juni 1938 hatte Hitler bei einem Besuch in München den Abriss der damaligen Hauptsynagoge an der Herzog-Max Straße angeordnet. Am 8. Juni konnte die jüdische Gemeinde dort einen letzten Gottesdienst feiern, bereits am 9. Juni rollten die Abrissbagger der Firma Leonard Moll an. Ein Schreiben der Firma, in dem sie sich für den lukrativen Auftrag bedankt, liegt im Münchner Stadtarchiv. Nach dem Abriss wurde das Grundstück planiert und als Parkfläche genutzt. Viele jüdische Bürger holten beim Abriss Steinbrocken ihrer Synagoge nach Hause, manche nahmen sie später mit in die Emigration, berichtete Charlotte Knobloch. Die Grundsteinbüchse des 1887 von Albert Schmidt fertig gestellten neoromanischen Synagogenbaus wurde 2006 in die neue Hauptsynagoge Ohel Jakob gebracht. (gh)


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