Diözesanmuseum Freising Vorab-Besuch in der Ursulinen-Ausstellung

22.03.2018

Im ehemaligen Ursulinen-Kloster in Landshut arbeitet das Diözesanmuseum gerade an einer Ausstellung, die am 12. Mai eröffnet wird. Bei einem Rundgang konnte man schon einen Blick hinter die Kulissen werfen - und viele berührende Details aus dem Leben der Schwestern entdecken.

Vieles wirkt noch so, als hätten die Schwestern das Kloster gerade erst verlassen. © Kiderle

Landshut – Es riecht nach Mörtel, an den kahlen Wänden sieht man, wo kürzlich etwas umgebaut wurde, man muss Acht geben, wo man auf den abgeklebten Böden hintritt. Rund 40 Neugierige haben sich im ehemaligen Ursulinenkloster in Landshut eingefunden, wo am 12. Mai die Ausstellung „Zugeneigt“ des Diözesanmuseums Freising eröffnet wird. „Im Moment ist es noch mehr Baustelle als gedacht“, gibt Christoph Kürzeder zu, Direktor des Diözesanmuseums. Er führt heute mit seiner Mitarbeiterin, Frauenkloster-Expertin Anna-Laura de la Iglesia y Nikolaus, die Besucher durch die künftigen Ausstellungsräume. Die Veranstaltung schließt die Bildungsreihe zum 350-jährigen Bestehen der Landshuter Ursulinenschule im benachbarten Gebäudeteil ab, heute eine Realschule in Trägerschaft des Erzbistums.

 

Der Titel „Zugeneigt“ nehme Bezug auf das Gnadenbild der „Muttergottes mit dem geneigten Haupt“ in der Ursulinenkirche, das Teil des Ausstellungsrundgangs sein wird, nebst Exponaten zu der einst bedeutenden Wallfahrt. „Wir wollen aber auch den Geist der Ursulinen einfangen – ihre Gründerin, die heilige Angela Merici, zeichnete sich durch eine dem Menschen zugeneigte, anthropologisch moderne Haltung aus“, betont Kürzeder. Die Ursulinen seien Pionierinnen gewesen, als sie kurz nach ihrer Ankunft 1668 in Landshut mit ihrer Schule die erste Bildungsmöglichkeit für Mädchen schufen.

Auch im Oratorium ist bis zur Ausstellungseröffnung noch viel zu tun, wie bei dem Rundgang mit Christoph Kürzeder (Mitte) deutlich wurde. © Kiderle

Blick in die Vergangenheit

„Diese Geschichte wollen wir erzählen“, erläutert Kürzeder, dazu brauche es eine „Dramaturgie“. Er muss es wissen, hat er doch bereits im ehemaligen Kloster Beuerberg zwei Ausstellungen inszeniert. Selbst wenn das enge Landshuter Stadtkloster mit dem weitläufigen Beuerberg nicht zu vergleichen sei. „Aber auch hier müssen wir den meisten Besuchern erklären, was das Leben im Kloster damals bedeutete.“ Zum Beispiel die bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil strenge Klausur. Die Schwestern durften das Kloster nicht verlassen, fanden dort sogar ihre letzte Ruhestätte. Nur über ein Gitter, wie jenes, das im ersten Besuchsraum teils rekonstruiert wird, und die wieder freigelegte „Winde“, ein drehbarer Schrank, den Kürzeder vorführt, hatten sie Kontakt zur Außenwelt. Im Oratorium, von dem aus die Schwestern durch ein Gitter die Messe verfolgten, zeugt davon der von zwei Seiten begehbare Beichtstuhl. Der Beichtvater stieg von der Kirche aus ein.

Eine wahre Fundgrube ist die „Historische Bibliothek“. Hier hatten die Schwestern selbst eine Art Ausstellungssituation geschaffen. Neben der Büchersammlung sind dort wertvolle Klosterarbeiten und Reliquiengefäße drapiert. Noch liegen hier zudem unzählige Heiligenfiguren und Kruzifixe aus dem ganzen Haus, jede Schublade ist prall gefüllt mit Bildern oder anderen Kleinodien. „Zum Glück hatten wir vor vier Jahren die Ausstattung des Klosters inventarisiert“, berichtet Kürz-eder, die letzten 14 Schwestern gaben die Niederlassung 2016 auf. In einer „schwachen“ Stunde habe er ihnen versprochen, das Gebäude in einer Ausstellung zugänglich zu machen, sagt er mit gespielter Verzweiflung. Auch nach der aktuellen Schau, die bis zum 11. November zu sehen ist, sollen im Erdgeschoss wechselnde Sonderausstellungen zu den Ursulinen gezeigt werden. Die künftige Nutzung des ersten Stocks werde noch diskutiert.

Die "Historische Bibliothek" wird auch im Rahmen der Ausstellung nur mit Führung zugänglich sein. © Kiderle

Ort der Gemütlichkeit

Im Klosterstüberl entsteht eine Gastronomie für die Besucher. „Es war auch für die Schwestern ein Ort der Gemütlichkeit“, freut sich Kürzeder. „Sie haben mir verraten, dass sie dort die ein oder andere Fußballweltmeisterschaft am Fernseher verfolgt haben“, schmunzelt er. Die Lehrtätigkeit des Ordens wird im ehemaligen Lehrerzimmer dargestellt. Sobald man es betritt, wird ein Problem deutlich: das knarzende Parkett. „Da müssen wir uns etwas einfallen lassen“, meint Kürzeder, denn hier werde man an „Hörstationen“ den Erinnerungen von Schwestern und Schülerinnen lauschen können.

Einige (ehemalige) Schülerinnen sind auch heute dabei, wie Sigrid Thaler. „Die Ursulinenschule hat mich sehr geprägt, ich komme gern zurück“, erzählt sie. Sie und ihre Tochter Viktoria, die 2017 den Abschluss gemacht hat, waren noch nie in den Klosterräumen. „Es ist spannend, wie die Ordensfrauen außerhalb der Schule gelebt haben“, ist Viktoria erstaunt. Ihre Schwester Magdalena, gerade in der 9. Klasse, war zwar bei einem Projekttag schon in den Räumen, doch freut sie sich, dass bei der Ausstellung auch gezeigt wird, wie wichtig den Ursulinen die Gemeinschaft war: „Die wird uns Schülerinnen heute noch vermittelt.“

Der Rundgang endet in der Verwaltung. Hinter geblümten Schränken verbargen sich dort einst tausende Akten. Kürzeder zieht eine Schublade auf: leer. „Schon aus Datenschutzgründen haben wir die Dokumente entfernt.“ Zudem würden sie im Rahmen eines diözesanen Projekts ausgewertet, darin schlummerten wichtige Erkenntnisse über das Klosterleben. Ebenso wie mit der Ausstellung wolle man damit das Leben im Kloster weder verklären noch es als nicht mehr „lebenswert“ darstellen. „Was wir gefunden haben, zeugt von starken, selbstbewussten Frauen.“ Das wird sicherlich auch in der Ausstellung spürbar.

Die Ausstellung "Zugeneigt" im ehemaligen Ursulinenkloster Landshut (Neustadt 536) ist von 13. Mai bis 11. November zu sehen. Näheres unter www.ursulinen-ausstellung.de.

Die Autorin
Karin Basso-Ricci
Münchner Kirchenzeitung
k.basso-ricci@st-michaelsbund.de


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