Schöpfungsfreundliches Pfarrfest in Seebruck Vorbildlich nachhaltig

24.10.2018

In Seebruck wird beim Pfarrfest schon lange kein Plastikbesteck mehr verwendet. Und auch sonst ist in der Pfarrei vieles vorbildlich nachhaltig – dank der guten Zusammenarbeit von Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat.

Pfarrgemeinderatsvorsitzende Martina Hofstetter serviert Kirchenpfleger Erwin Heistracher frischen Fisch aus dem Chiemsee. © Riffert

Seebruck – Erwin Heistracher nimmt die Sitzbank, als wöge sie nichts, und stellt sie hinter den anderen ab, die er bereits im Feuerwehrhaus in Seebruck aufgestellt hat. Gleich beginnt der Familiengottesdienst der Pfarrei St. Thomas und St. Stephan in der idyllischen Ortschaft am Chiemsee. Er sollte eigentlich unter freiem Himmel stattfinden. Doch das geht nicht, denn es schüttet wie aus Kübeln. Also heißt es, Sitzgelegenheiten für die erwarteten 200 Gottesdienstbesucher zu schaffen. Heistracher ist der Kirchenpfleger der Pfarrei. „Ich bin nicht der Typ, der jeden Tag im Pfarrbüro sitzen mag. Ich packe lieber an“, erklärt er und trägt die nächste Bank herbei.

Plastik gibt es schon lange nicht mehr

Während Heistracher im Feuerwehrhaus aktiv ist, arbeitet Pfarrgemeinderatsvorsitzende Martina Hofstetter im überdachten Bereich davor. Hier stehen zwei große Grills, auf denen beim anschließenden Pfarrfest frisch gelieferte Chiemseefische und Schweinesteaks zubereitet werden. Die Schüsseln mit dem selbstgemachten Kartoffelsalat sind noch zugedeckt. Porzellanteller, Gläser und Besteck stehen schon bereit, denn Plastik wird in der Pfarrei schon lange nicht mehr verwendet. „Passt soweit alles“, fasst Hofstetter zusammen und ergänzt: „Beim Pfarrfest treffen sich viele, die in der Gemeinde aktiv sind. Das ist einmal im Jahr ‚unser Fest‘. Bei der Vorbereitung arbeiten Pfarrgemeinderat (PGR) und Kirchenverwaltung eng zusammen, wie das ganze Jahr über.“ Dann wird es für sie Zeit, nach drinnen zu gehen.

Beim Familiengottesdienst geht es heute um das Thema „Ruhe“. Die kleinen und großen Teilnehmer erfahren, was man alles finden kann, wenn man einmal Ruhe hat. Ideen zum Beispiel oder Kraft. Diese Begriffe sind an Töpfe mit Sonnenblumen geheftet, die vor dem provisorischen Altar abgestellt werden. An kleinen Details wie diesen sieht man, dass die Pfarrgemeinde konsequent schöpfungsfreundlich handeln will. Sogar im Gottesdienst werden nur nachhaltige Requisiten eingesetzt, wie etwa die Blumen.

Martina Obinger engagiert sich für das Partnerschaftsprojekt „Kinder in Sicherheit“. © Riffert

Auch den Menschen mit einbeziehen

Nach der Messe stürmen die Besucher Kuchenbüffet und Grillstation. Während Kirchenpfleger Heistracher gerade Getränkekisten aus dem Lager herbeischafft, legt PGR-Vorsitzende Hofstetter Kartoffelsalat auf die Teller der Hungrigen. „Beim Pfarrfest achten wir darauf, dass die Speisen bezahlbar bleiben, obwohl sie regional und von hoher Qualität sind. Auch Familien sollen hier essen können“, erklärt sie. Trotz behutsamer Preisgestaltung bleibt ein Erlös übrig, der mit der Mess-Kollekte für ein soziales Projekt eingesetzt wird. Lange war das vor allem das Schulbauprojekt in Mkhukhi in Malawi.

Nachdem dort nun mehrere Schulgebäude und ein Wohnhaus für die Lehrkräfte stehen, gibt es wieder Raum für neues Engagement. So setzt sich die Pfarrei stärker für den Verein „Kinder in Sicherheit“ ein, den Diakon Klaus Mühlberger gegründet hat, um ein Kinderheim für ehemalige Straßenkinder im rumänischen Chisineu Cris zu bauen. Mühlberger war Jahrespraktikant in Seebruck. Davon sind gute persönliche Beziehungen geblieben. Im April war eine Gruppe aus Seebruck in Rumänien, vor drei Wochen war Diakon Mühlberger mit rumänischen Jugendlichen in Seebruck. „Unser Verständnis von Schöpfungsfreundlichkeit bezieht ausdrücklich Menschen mit ein, vor allem solche, denen es nicht so gut geht wie uns“, erklärt Martina Obinger, die das Projekt ehrenamtlich unterstützt. Neben vielen Spenden gibt es für dieses soziale Engagement der Pfarrei auch Unterstützung von der Kirchenverwaltung. Sie stellt für die Projekte Mittel aus dem Haushalt zur Verfügung.

Mittlerweile ist es etwas ruhiger geworden. Nun können sich auch Heistracher und Hofstetter hinsetzen und ihr Essen genießen. Beide machen keine großen Worte über ihre Arbeit und ihre Pfarrei, die Außenstehende als vorbildlich bezeichnen würden. Die Gemeinde St. Thomas und St. Stephan hat allein drei kirchliche Umweltauditoren hervorgebracht, also von der Erzdiözese ausgebildete Ehrenamtliche, die sich für nachhaltiges Handeln einsetzen und in der Pfarrei Energiesparmaßnahmen umsetzen. Auf der Homepage der Pfarrei stehen „Tipps für eine intakte Umwelt“. All das, was dort vorgeschlagen wird – vom Austausch der Glühbirnen gegen LEDs bis zum effektiven Heizen im Winter – wird in den kirchlichen Gebäuden längst praktiziert.

Praktiker, die vieles leisten

Die Gebäude der Kirchenstiftung Seebruck gehören zu Heistrachers Hauptaufgabenbereich. „Wir arbeiten jedes Jahr unseren Bauunterhaltsplan akribisch ab. Dann sind es immer nur Kleinigkeiten, die anfallen. So etwas kann man gut bewältigen“, betont der 61-Jährige. Als Kraftfahrzeugmeister ist er handwerklich begabt und erledigt vieles selbst. „Erst vor kurzem habe ich kaputte Wegplatten auf dem Friedhof ersetzt. So etwas ist gar kein Problem“, schmunzelt er und weist sofort darauf hin, dass natürlich nicht nur er allein so aktiv sei. Einen Kollegen aus der Kirchenverwaltung hebt er namentlich hervor: „Hans Donhauser hat als Schreinermeister in einer leitenden Funktion für eine Fertighausfirma gearbeitet. Er ist ein echter Fachmann bei Bauthemen und leistet sehr viel für unsere Kirchenstiftung.“

Neue gesetzliche Regelungen kosten die Ehrenamtlichen allerdings viel Zeit. Heistracher lässt durchblicken, dass Themen wie die Datenschutzgrundverordnung, Arbeitssicherheit oder die Betreibersicherheit bei Gebäuden viele Nachfragen nötig machen. Die Schaffung von Verwaltungsleiterstellen und deren Ausbau zum Servicestützpunkt für Kirchenverwaltungen sei ein Schritt in die richtige Richtung. Dann ist die letzte Gabel Kartoffelsalat aufgegessen und Erwin Heistracher schaut sich um, wo er wieder anpacken kann. (Gabriele Riffert)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Wahl der Kirchenverwaltungen

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