Caritas-Diskussion mit Bundestagskandidaten „Wählt Menschlichkeit“

10.07.2017

Armutsbekämpfung, Integration und Inklusion – das waren die drei großen Themen einer Podiumsdiskussion der Caritas des Erzbistums München und Freising mit Bundestagskandidaten.

Sie diskutierten in Kufstein (v.l.): Dr. Küberl, Prälat Lindenberger, Weihbischof Bischof, Moderator Schießl, und die Kandidaten Bach, Radwan und Bause.
Sie diskutierten in Kufstein (v.l.): Dr. Küberl, Prälat Lindenberger, Weihbischof Bischof, Moderator Schießl, und die Kandidaten Bach, Radwan und Bause. © SMB/Witte

Kufstein – Themen aus der eigenen sozialen Arbeit waren es, die sich Bundestagskandidaten und Kirchenvertreter in Kufstein vorgenommen hatten: „Armut vermeiden, Existenzminimum sichern und echte Teilhabe ermöglichen“, „Integration und Zusammenhalt in der Zuwanderungsgesellschaft fördern“ und „Eine inklusive Gesellschaft schaffen und gestalten“. Nicht leicht, diese Probleme an einem Abend thematisch unter einen Hut zu bringen – was aber gut gelang. Das Publikum, das waren rund 150 Führungskräfte aus verschiedenen Bereichen der Caritas im Erzbistum München und Freising, die bei einem zweitägigen Treffen genau diese Themen unter die Lupe nahmen.

Auf dem Podium waren neben der Bundestagskandidatin Margarete Bause, MdL (Grüne), Bundestagskandidat Alexander Radwan, MdB (CSU), und Bundestagskandidatin Bela Bach (SPD), auch Weihbischof Wolfgang Bischof vertreten und der Direktor des Caritasverbandes der Erzdiözese München und Freising, Prälat Hans Lindenberger, der immer wieder die Forderungen der Caritas an die Politik ins Gespräch einbrachte. Dr. h.c. Franz Küberl, der ehemalige Präsident der Caritas in Österreich, steuerte seinen Blickpunkt von außen auf die Situation in Deutschland bei und zog Vergleiche.

Recht der Menschen auf Teilhabe

Bundestagskandidatin Margarete Bause (Grüne) lobte die gute, politische Podiumsdiskussion. Für sie seien konkrete Rückmeldungen, wie die der Caritas, sehr wichtig für ihre Arbeit. Gerade wenn sie erlebe, mit welchem Herzblut sich Kirche und Caritas für Integration einsetzten, beflügle sie selbst das sehr und helfe ihr über manche schwierigen Verhandlungen in diesem Bereich hinweg. Alle drei Themen der Podiumsdiskussion griffen ein großes Thema auf: das Recht aller Menschen auf Teilhabe. Das sei das zentrale Thema unserer Gesellschaft und es sei gut und wichtig, dass sich Kirche und Caritas hier lautstark meldeten und sich stets für Benachteiligte einsetzten.

Anpassung des Mindestlohns

Auch Bundestagskandidatin Bela Bach (SPD) sieht in allen drei Diskussionsthemen die „Menschlichkeit“ als verbindendes Element. Armutsbekämpfung sei ihr persönliches, zentrales politisches Thema und da dürfe man nicht zwischen Menschen mit Behinderung oder Einwanderern unterschieden. Armut könne man, so Bach, unter anderem durch eine Änderung der Erbschaftssteuer mit stärkerem Einbezug der betrieblichen Vermögenswerte entgegenwirken. Wichtig sei aber auch eine Anpassung des Mindestlohns und hier sehe sie, dass die Caritas sich sehr dafür einsetze, die Politik ermahne, dran zu bleiben und das sei sehr wichtig. Bach sieht in nahezu allen Bereichen eine große Übereinstimmung, was Interessen und Ansichten von Caritas und Kirche und der Sozialdemokratie beträfe.

„Dran blieben“ und „Lästig sein“

Bei der Podiumsdiskussion habe sich für ihn gezeigt, so der Diözesan-Caritasdirektor, Prälat Hans Lindenberger, dass es kaum Differenzen gäbe. Alle drei Politiker hätten Sachwissen präsentiert und die Anliegen der Caritas ernst genommen und sich mit ihren Meinungen weitgehend auf einer Linie gezeigt. Allerdings gelte es hier - wie so oft - dran zu bleiben. Oft genug erlebten er und die Vertreter anderer Wohlfahrtsverbände, dass ihre Forderungen freundlich aufgenommen, aber dann nicht weiter durchgesetzt werden. Hier wünsche er sich, dass Politiker die Forderungen der Wohlfahrtsverbände ernst nehmen würden und sie wirklich als Partner anerkennen. Gleichzeit sei es aber auch die Aufgabe der Wohlfahrtsverbände, lästig zu sein, denn nur so werde man wahrgenommen und könne für die Armen und Benachteiligten etwas Gutes erreichen. Prälat Lindenberger zeigte sich insgesamt sehr zufrieden mit der Podiumsdiskussion.

Eine Ansicht, die die meisten der 150 Teilnehmer der Veranstaltung teilten. Es sei eine sehr gute, differenzierte Diskussion gewesen, sagten viele. Zwar seien manche konkreten Forderungen zu kurz gekommen oder nicht explizit genug dargestellt worden, allerdings sei das in der Kürze der Zeit auch kaum möglich gewesen.

Mit der Aktion „Wählt Menschlichkeit” will die Caritas vor der Bundestagswahl für Werte und Ideale sensibilisieren, die das Zusammenleben ausmachen.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Bundestagswahl

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