Urlaub in Zeiten von Corona Wandern in der Hallertau: Hügel, Hopfen, Heimat

06.05.2021

Das Reisen an ferne Orte macht die Coronapandemie immer noch schwierig. Wie gut, dass ein Sehnsuchtsort nicht weit weg sein muss. Wälder erkunden, Alpenblick genießen, an Kapellen und Wegkreuzen innehalten - das alles bietet die Hallertau.

Blick über Felder auf Kirche in Freinhausen im Paartal
Die Hallertau lädt zum Entdecken ein. © Burghardt

Mit der Hallertau ist es fast wie mit der Toskana oder der Côte d’Azur: Schon der bloße Name löst bei Kennern ein verträumtes Lächeln aus. Die Region am nördlichen Rand des Erzbistums steht zwar nicht für das tiefe Blau des Mittelmeers, exquisite Rotweine und ein leichtes Lebensgefühl unter südlicher Sonne, aber immerhin für das frische Grün des Hopfens, süffige Biere und eine typisch altbayerische, ländliche Gemütlichkeit. Man darf es ruhig einmal so sagen: Ja, auch die Hallertau ist ein Sehnsuchtsort, und dass sie mit Regionalität und Rustikalität assoziiert ist, schmälert diesen Status nicht im Geringsten, sondern macht sie nur noch liebenswürdiger.

Beinahe jedem ist sie ein Begriff, und wenn es nur wegen der Spitzenposition als größtes zusammenhängendes Hopfenanbaugebiet der Welt ist. Aber wer weiß eigentlich aus eigener Erfahrung, wie es dort wirklich aussieht? Wagen wir eine vorsichtige Annäherung an diese so bekannte und zugleich so übersehene Landschaft!

Grenzenloses Hinterland

Ohne durch Grenzen eindeutig definiert zu sein, befindet sich die Hallertau im Dreieck zwischen Augsburg, Ingolstadt und Landshut – aus Münchner Sicht also knapp südlich des Weißwurstäquators und damit noch „herunt“ und noch nicht „drobn“. Kirchlich verteilt sich das Gebiet auf die Bistümer Augsburg, Regensburg sowie München und Freising. Trotz ihrer zentralen Lage im Herzen Bayerns ist die Hallertau eher ein „Randphänomen“ – man könnte auch sagen: ein Hinterland im besten Sinne. Die Großstädte Ingolstadt und Landshut liegen eigentlich schon außerhalb. Ansonsten stehen ein paar kleinere Städte und Märkte wie Schrobenhausen, Pfaffenhofen an der Ilm, Geisenfeld, Wolnzach, Au in der Hallertau, Nandlstadt und Mainburg zu Buche – die aber mit ihren Marktplätzen und Gassen, Kirchen und Gasthäusern allemal einen Besuch wert sind.

Hügeliges Hopfengebiet

Ein charakteristisches Hauptmerkmal der Hallertau sind die Hopfengärten, die im Winterhalbjahr mit ihren kahlen, sieben Meter hohen Stangen- und Drahtkonstruktionen die Szenerie prägen, im Mai und Juni zunehmend vom hellen Grün der emporrankenden Kletterpflanzen eingefärbt werden und im August ins satte Dunkelgrün des in voller Pracht stehenden Hopfens gehüllt sind.

Was ebenfalls auffällt: Die Hallertau ist hügelig. Zwischen den Niederungen des altbayerischen Donaumooses und des Donautals im Norden und den Tälern von Glonn, Amper und Isar im Süden gelegen, erheben sich ihre Hügelzüge bis zu einer Höhe von 534 Metern über dem Meeresspiegel, womit sie die Donau um rund 180 Meter, die Isar um rund 120 Meter überragen. Wirklich gebirgig ist das freilich nicht, übertrifft aber immerhin den Münchner Nockherberg um genau einen Meter.

Hopfengärten und Hügel – damit sind die vordergründigsten Eigenschaften der Landschaft schon benannt, und viel spektakulärer wird es nicht. Waldige Höhen, sanfte Täler, einige kleinere Flüsse – Weilach und Paar im Westen, Ilm, Wolnzach und Abens im Zentrum, die Große Laber im Osten –, landwirtschaftliche Nutzflächen mit kleinen Bauerndörfern und Einödhöfen: Es ist eine ruhige, harmonische Kulturlandschaft, die sich kaum zum schnellen Konsum eignet, sondern in aller Ruhe ergründet werden will.

Architektonisches Kleinod

Man muss schon genau hinsehen – und Zeit haben! Am besten zu Fuß. Denn keine Perspektive ist zum Erkunden und Entdecken besser geeignet als die des Wanderers, der nicht nur Autobahnen und Stadtzentren kennt, sondern auch durch Wälder streift, Pfaden folgt, an Kapellen und Wegkreuzen innehält und für die oftmals versteckten kleinen Schönheiten am Wegesrand empfänglich ist.

Beispielsweise beim Spaziergang im Ilmtal bei Geisenfeld. Wer offen ist für das Unerwartete, entdeckt in einem Wäldchen die romanische Kirche St. Ulrich, ein architektonisches Kleinod, an dem wohl schon viele achtlos vorbeigegangen sind. In den Wiesengründen rundherum lassen sich mit etwas Glück Störche beobachten. Und im Lauterbacher Holz gleich nebenan wartet nicht nur ein herrlicher, kilometerlanger Waldpfad auf all diejenigen, die um seine Existenz wissen, sondern auch ein bronzezeitliches Gräberfeld mit fast 180 Hügelgräbern, die die Fantasie in eine Jahrtausende zurückliegende Vergangenheit entführen. Umso schöner, wenn man anschließend im nahe gelegenen zünftigen Traditionsgasthaus mit Leib und Seele wieder in der Gegenwart ankommen darf.

Waldesstille und Alpenpanorama

Geheimnisvolle Wälder wie das Lauterbacher Holz gibt es nicht wenige in der Hallertau. Der Dürnbucher Forst etwa, eines der größten Waldgebiete Bayerns, lädt zu stundenlangen Streifzügen ein, auf denen die laute, hektische Welt einfach draußen bleibt. Dann kann man an idyllischen Bächen verweilen, die gluckernd zwischen den Bäumen mäandern, die Überreste eines mittelalterlichen Burgstalls erforschen, die schaurige Fegefeuer-Darstellung auf einem Bildstock bestaunen und einfach mal die nur von Vogelgesang unterbrochene Waldesstille genießen.

Erklimmt man dagegen eine der aussichtsreichen Hallertauer Anhöhen, schweift der Blick in die Ferne und findet erst nach über hundert Kilometern Halt an der Zackenlinie des Alpenpanoramas. Und immer wieder der Hopfen – die Faszination dieser alten Heilpflanze und edlen Bierzutat ist ungebrochen. Zwischen den Hopfengärten hindurchzuwandern – im Frühjahr, wenn das „grüne Gold“ sprießt und in atemberaubendem Tempo klettert, oder im Spätsommer, wenn die ganze Landbevölkerung auf den Beinen ist, um in feierlicher Stimmung die reiche, duftende Ernte einzufahren – ja, das muss man einmal erlebt haben.

Sehnsuchtsorte gibt es viele – in der großen weiten Welt, in Italien, in Frankreich. Manche sind unerreichbar, manche noch nicht einmal real. Manche aber liegen unerkannt beinahe vor der eigenen Haustür. Man muss nur hinschauen. Und dann aufbrechen.

Der Autor
Joachim Burghardt
Redakteur bei der Münchner Kirchenzeitung
j.burghardt@muenchner-kirchenzeitung.de


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