Kardinal Marx in Ecuador Warnung vor Nationalismus und Populismus

04.09.2017

Kardinal Reinhard Marx hat die großen Industrienationen dafür kritisiert, das Weltgemeinwohl nicht mehr im Blick zu haben. Bei einer Rede in Ecuador rief er die Kirche dazu auf, sich in die weltweite, öffentliche Debatte einzumischen.

Kardinal Reinhard Marx in der Päpstlichen Katholischen Universität in Ecuadors Hauptstadt Quito.
Kardinal Reinhard Marx in der Päpstlichen Katholischen Universität in Ecuadors Hauptstadt Quito. © EOM

Quito/München – Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat vor dem Anwachsen von nationalen Egoismen und Populismus und dessen Folgen gewarnt. "Im Augenblick erleben wir eine starke Bewegung in der internationalen Politik, das verstärkte Eintreten der Großen für ihre eigenen nationalen Interessen. Das Weltgemeinwohl ist nicht mehr so stark im Blick", sagte der Erzbischof in der Päpstlichen Katholischen Universität in Ecuadors Hauptstadt Quito, wie das Erzbistum München und Freising am Montag mitteilte. Es brauche aber den Aufbau einer weltweiten Rahmenordnung, um "den politischen, sozialen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen zu begegnen".

Enzyklika "Laudato si" als Basis

In seinem Vortrag wies Marx laut Mitteilung darauf hin, dass die soziale und die ökologische Krise sich gegenseitig bedingen und nur zusammen gelöst werden können. Dafür sei eine "ganzheitliche Fortschrittsidee" nötig. Voraussetzung für diese sei, dass es politische Akteure auf nationaler und internationaler Ebene gebe, "die ethisch motiviert sind und diese Ziele im Blick behalten". Marx ergänzte: "Populismus und Nationalismus könnten die politischen Kosten sein, wenn nur noch das Ökonomische im Vordergrund steht."

Es sei daher wichtig, dass sich die Kirche auf Basis der päpstlichen Umweltenzyklika "Laudato si" in die weltweite öffentliche Debatte einmische: "Wer ist ansonsten da, der die Brüderlichkeit aller Menschen deutlich macht?"

Selbstzufriedenheit beim Thema Umweltschutz

Neben Marx äußerte sich in Quito auch der Sozialethiker und Vorsitzende des Münchner Diözesanrats der Katholiken, Hans Tremmel. Er kritisierte, in Ländern wie Deutschland gebe es eine "Selbstzufriedenheit beim Thema Umweltschutz". Die Leute trennten Müll, manche verzichteten gar aufs Autofahren und fühlten sich dann großartig. Dabei verstünden viele nicht die weltweiten Zusammenhänge.

"Wir müssen uns auch gegen die Ausbeutung der Natur in Ecuador oder Brasilien zur Wehr setzen, wenn wir die Welt retten wollen", forderte Tremmel. Er wies zudem darauf hin, dass Rüstungslieferungen aus Deutschland neue Flüchtlinge produzierten.

Marx und Tremmel bereisen mit einer Delegation noch bis 8. September das südamerikanische Ecuador, mit dem das Erzbistum München und Freising eine langjährige Partnerschaft pflegt. Thematisch stehen die Ausbeutung der Bodenschätze und ihre Auswirkungen auf die Bevölkerung im Zentrum. (KNA)


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