Weltwassertag der UNESCO Warnungen vor katastrophaler Lage

22.03.2017

Anlässlich des Weltwassertages haben zahlreiche Hilfswerke, die Vereinten Nationen und Papst Franziskus auf die Wasserknappheit in der Welt aufmerksam gemacht. Laut UNESCO haben 2,4 Milliarden Menschen weltweit keinen Zugang zu ausreichender Sanitärversorgung.

Menschen in Kathmandu/Nepal drängeln sich vor einem Tankfahrzeug, um an sauberes Trinkwasser heranzukommen. © imago

Bonn – Schmutziges oder fehlendes Wasser, Mangel an sanitären Anlagen: Zum Weltwassertag am Mittwoch haben Hilfswerke und die Vereinten Nationen auf die teils katastrophale Trinkwasserversorgung in manchen Teilen der Welt aufmerksam gemacht. So warnt die UN-Kinderschutzorganisation Unicef vor einer lebensbedrohlichen Lage für Millionen Kinder weltweit im Zuge des Klimawandels.

Bis 2040 jedes vierte Kind weltweit betroffen

"Bis 2040 werden fast 600 Millionen Kinder in Regionen mit extrem begrenzten Wasserressourcen leben. Das ist eines von vier Kindern weltweit," betont Unicef in einem neuen Bericht. Prognostiziert wird eine "anhaltende Wasserkrise", da sich der Klimawandel in den kommenden 20 Jahren verschärfe. Bereits heute herrsche in 36 Ländern der Erde eine "extreme" Wasserknappheit mit "schrecklichen Auswirkungen".

Der Weltwasserbericht der Unesco stellt fest, dass Abwasser künftig stärker als Quelle von Wasser-, Energie- und Rohstoffversorgung genutzt werden müsse. Bislang sei die Wasserversorgung in vielen Ländern die alleinige politische Priorität. Wassergewinnung und -behandlung sowie sichere Nutzung von Abwasser könnten jedoch sowohl bei wirtschaftlichen als auch ökologischen Problemen hilfreich sein.

Papst Franziskus hat anlässlich des Weltwassertags das Recht jedes Menschen auf sauberes Trinkwasser angemahnt. Wasser sei ein Schatz, der allen gehöre und geschützt werden müsse, sagte das Kirchenoberhaupt am Mittwoch während der Generalaudienz auf dem Petersplatz. Auch die kulturelle und religiöse Bedeutung des Wassers sei zu würdigen. Nötig dazu seien vor allem Bildungsprogramme für Kinder und Jugendliche, so Franziskus. Er richtete sich hierbei an die Teilnehmer einer Wasser-Konferenz in Rom, die vom Päpstlichen Kulturrat und der argentinischen Sektion des "Club of Rome" organisiert wurde.

Die UN-Vollversammlung hatte das Menschenrecht auf sauberes Trinkwasser und Sanitärversorgung 2010 erstmals mit einer Resolution offiziell anerkannt. Franziskus machte sich diese Forderung in seiner Enzyklika "Laudato si" 2015 zu eigen.

Die Nachfrage nach Wasser wächst weltweit. Dadurch stiegen auch die Menge und die Schadstoffbelastung der Abwässer, wie es in dem Bericht heißt. Schätzungen zufolge werden weniger als 20 Prozent des weltweiten Abwassers behandelt. In Ländern mit geringem Einkommen sind es demnach nur 8 Prozent, in solchen mit Einkommen im oberen Durchschnittsbereich 38 Prozent. Krankheitserreger und Schadstoffe aus unbehandeltem Abwasser seien jedoch gefährlich für Menschen und Ökosysteme, hieß es.

Eine Frau in Kathmandu/Nepal füllt sich Trinkwasser aus einem der wenigen Brunnen ab. © imago

2,4 Milliarden Menschen weltweit ohne ausreichende Sanitärversorgung

Auch seien angemessene Sanitäranlagen nötig, da die zu behandelnden Abwassermengen künftig noch anstiegen, insbesondere in schnell wachsenden urbanen Räumen in Entwicklungsländern. 2,4 Milliarden Menschen hätten bislang keinen Zugang zu ausreichender Sanitärversorgung, bemängelt die Unesco. Dabei rentierten sich Investitionen schnell: Jeder in die Sanitärversorgung investierte US-Dollar erbringt geschätzt eine Rendite von 5,5 US-Dollar.

Ein Bericht der Hilfsorganisation Oxfam nimmt den Gazastreifen in den Blick. Dort sei die Gesundheit von rund zwei Millionen Menschen wegen unzureichender Wasserversorgung bedroht. Weil Israel eine "Versorgungsblockade" für die Region verhängt habe, könne die im Gaza-Krieg von 2014 zerstörte Infrastruktur nicht erneuert werden. "Die vor zwei Jahren vereinbarten UN-Regeln zum Wiederaufbau funktionieren nicht, lebenswichtige Güter erreichen das Gebiet nur sehr eingeschränkt." Die internationale Gemeinschaft müsse ihr Vorgehen neu bewerten.

Der Weltwassertag wird seit 1993 jährlich am 22. März begangen. Er ist ein Ergebnis der UN-Weltkonferenz über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro. Die UN-Generalversammlung hat den Weltwassertag in einer Resolution vom 22. Dezember 1992 ausgerufen. Im Jahr 2017 beschäftigen sich Veranstaltungen rund um den Weltwassertag und der Weltwasserbericht mit den Themen Abwasser und Abwassernutzung.

Oxfam kritisiert nicht nur Israel. Es heißt in dem Bericht auch: "Die Lage wird durch die innerpalästinensische Spaltung zwischen der offiziellen Behörde im Westjordanland und den De-facto-Behörden im Gazastreifen verschärft, da beide Parteien kaum oder gar nicht miteinander kommunizieren oder sich abstimmen." (KNA)


Das könnte Sie auch interessieren

Kardinal Reinhard Marx in der Päpstlichen Katholischen Universität in Ecuadors Hauptstadt Quito.
© EOM

Kardinal Marx in Ecuador Warnung vor Nationalismus und Populismus

Kardinal Reinhard Marx hat die großen Industrienationen dafür kritisiert, das Weltgemeinwohl nicht mehr im Blick zu haben. Bei einer Rede in Ecuador rief er die Kirche dazu auf, sich in die weltweite,...

04.09.2017

© St.-Ursula-Gymnasium

Schulprojekt räumt Preise ab Schülerinnen konzipieren „Ökologischen Fußabdruck“

In Königsdorf haben Schülerinnen des katholischen St.-Ursula-Gymnasiums einen begehbaren 50 Meter langen ökologischen Lehrpfad gestaltet – in Fußform. Das Projekt, das im Rahmen ihres Praxis-Seminars...

07.04.2017

Die Menschen in Ostafrika brauchen dringend Trinkwasser und Nahrung.
© imago

Krisengebiet Ostafrika Schlimmste Hungerkatastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg

20 Millionen Menschen werden in den Krisengebieten Ostafrikas sterben, wenn sie nicht sofort Nahrung und Wasser bekommen. Misereor und andere Organisationen starten Hilfsappell.

05.04.2017

"Ökologischer Fußabdruck" in Königsdorf

Die Schülerinnen des katholischen St.-Ursula-Gymnasiums in Lenggries haben in ihrem Praxisseminar einen ökologischen Lehrpfad konzipiert und gebaut. Das Labyrinth in Fußform hat gleich zwei...

04.04.2017

© Fotolia.com/Wolfilser

Klima und Kirche Handeln und beten für die Schöpfung

Papst Franziskus wiederholt es unermüdlich: Der Klimaschutz ist eine Aufgabe für alle. Also nicht nur für die Politiker und den Weltklimagipfel, der in Paris begonnen hat. Auch die Kirche hat hier...

30.11.2015

Umweltschutz Das nachhaltige Pfarrfest

Ökologisch, regional, fair - das sind einige Aspekte die bei einem nachhaltigen Pfarrfest berücksichtigt werden müssen. Das Ordinariat hat jetzt einen Wettbewerb ausgeschrieben. Zwei Pfarreien haben...

09.08.2015

Kardinal Marx bei der Vorstellung der Enzyklika in München

Enzyklika Laudato si Umweltbotschaft des Papstes stößt auf positives Echo

Führende Vertreter aus Politik und Kirche haben am Donnerstag die neue Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus gelobt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hob bei...

18.06.2015

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren