Mesner Korbinian Schwind Warum beim Krippenprofi die Weihnachtszeit viel länger dauert

22.01.2018

Die Christbäume sind abgeräumt, die Holzkrippen in Kisten verstaut: die Weihnachtszeit ist endgültig vorbei. Nicht so bei Korbinian Schwind: er ist Mesner in der Freisinger Pfarrei St. Georg - und in seiner Krippenwerkstatt brennt das ganze Jahr über Licht.

Freising – Ein bisschen stolz steht Korbinian Schwind vor der Krippe in einem Schaukasten. Beleuchtet ist sie und zeigt die Anbetung der Sterndeuter. Die Figuren hat er nicht selbst gemacht, sie sind knapp zweihundert Jahre alt, aber die Heilige Familie hat Schwind neu eingekleidet. Und die Szene arrangiert: die Gelehrten, im Volksmund auch als Heilige Drei Könige bekannt, die vor dem Kindlein knien, in prächtigen Gewändern. Gold, Weihrauch und Myrrhe haben sie gebracht. Der hellste Scheinwerfer ist auf Maria und das Jesuskind gerichtet.

Eine Krippe, sagt Korbinian Schwind, ist eine „eingefrorene Theater- Szene“. Da muss die Beleuchtung stimmen, die Blickrichtung der Figuren und so weiter. Seit seiner Kindheit bewegt den 32-Jährigen das „heilige Theater“. Seine ersten Krippenszenen hat er mit Playmobil- Figuren nachgestellt.

Orientalische Krippen liegen ihm mehr als alpenländische

Seitdem hat er viel geschnitzt, gesägt und bemalt. Wie auch die neueste Darstellung der Heiligen Familie. Bis vor kurzem stand sie noch im Altarraum von St. Georg: Laubsägearbeiten, einen knappen Zentimeter dick, die Figuren auf hölzernen Aufstellern. Sie sind etwa einen halben Meter hoch und haben deutlich orientalische Züge. Zwei Hirten stehen dabei und natürlich ein Engel. „Ich mag die bayerischen Heimatkrippen, aber, wenn ich selbst anfange zu bauen, sind mir die orientalischen Darstellungen näher“, meint Schwind. Als Mesner ist auch die Altarraumgestaltung seine Aufgabe. Die bemalten Laubsägefiguren sind sehr gut angekommen bei den Gottesdienstbesuchern in der Weihnachtszeit.

Korbinian Schwind vor "seiner" Kirchenkrippe
Korbinian Schwind vor "seiner" Kirchenkrippe © SMB/Witte

Weihnachten gehört für den Mesner zu den intensivsten und arbeitsreichsten Zeiten im Jahr – aber auch zu den schönsten. Seine Liebe zum Krippenbau passt da wunderbar hinein. Wenn Weihnachten vorbei ist, geht es bei dem krippenbegeisterten Freisinger munter weiter. Denn er baut auch Krippen für den Rest des Kirchenjahres, zum Beispiel zu Mariä Verkündigung im März. Oder aber er gestaltet Luthers Studierzimmer auf der Wartburg en miniature, passend zum Reformationsgedenkjahr 2017. „Krippe“ also weiter gefasst, als Darstellung, die etwas mit der Bibel oder Religiosität zu tun hat. Korbinian Schwind denkt da auch mal um Ecken und sucht sich originelle Schauplätze. Dann steht die Krippe vor der bekannten Werkstattkulisse von Meister Eder und seinem Pumuckl aus den Filmen. Dem Krippenkünstler war es ein Anliegen, an dieses Haus zu erinnern, weil es abgerissen wurde. München habe damit eine Attraktion verschenkt, meint er. Und so macht er sich zu jeder Krippenszene seine Gedanken.

Ohne Glauben keine Krippen

Oft will Schwind mit seinen Darstellungen das Heilsgeschehen leichter verständlich oder auch auf ganz neue Weise zeigen: zum Beispiel bei der Verkündigung des Engels an Maria, dass sie den Retter gebären wird. Gezeigt wird Maria hier mit einem Licht im Bauch – nur auf den ersten Blick verwunderlich: „Maria war eine Frau, das wird manchmal übersehen, und sie hatte Jesus wie ein normales Menschenkind in ihrem Bauch.“ Und so spielt für Korbinian Schwind bei allem, was er im Laufe der Jahre gebaut hat, der Glaube eine enorme Rolle. Ohne diesen Glauben könnte er die Arbeit gar nicht leisten, meint der bärtige junge Mann.

Dank erwartet er für die vielen hundert Stunden Arbeit nicht: „Meine Belohnung ist es, wenn ich die Abdrücke der Nasenspitzen auf der Glasscheibe des Krippenkastens sehe." Oder wenn während der Messe hinten bei der Krippe die Beleuchtung angeht, weil jemand hineinschaut.

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de


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