Nach der Erstkommunion Warum es sich lohnt, Ministrant zu werden

01.05.2019

Im Anschluss an ihre Erstkommunion engagieren sich viele Mädchen und Buben aus dem Erzbistum als Ministranten. Referent Markus Lentner spricht über diese gute Tradition.

Eine große Gemeinschaft erlebten die jugendlichen Messdiener aus dem Erzbistum vergangenes Jahr bei der Ministrantenwallfahrt nach Rom.
Eine große Gemeinschaft erlebten die jugendlichen Messdiener aus dem Erzbistum vergangenes Jahr bei der Ministrantenwallfahrt nach Rom. © Kiderle

Wie viele Kinder beginnen pro Jahr im Erzbistum nach ihrer Kommunion zu ministrieren? Wie viele Minis gibt es überhaupt in unserer Erzdiözese?

Markus Lentner: Auch wenn es keine genaue Statistik gibt, starten jedes Jahr etwa 3.500 Kinder in den Ministrantendienst. Bei 15.000 Erstkommunionkindern pro Jahr ist das eine große Zahl. Insgesamt stehen im Erzbistum München und Freising 22.500 Ministranten am Altar. Übrigens ist die Geschlechteraufteilung mit 53 Prozent weiblich und 47 Prozent männlich statistisch nahezu ausgewogenen. Natürlich gibt es über den Ministrantendienst hinaus noch viele weitere Aktivitäten: Gruppenstunden, Aktionen, Wallfahrten, Fahrten, mehrtägige Freizeiten oder Zeltlager. Bei der letzten 72-Stunden-Aktion des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) waren Ministranten die größte Gruppe. Da wird deutlich, dass die Ministranten eine vielfältig interessierte und engagierte Gruppe sind.

Warum lohnt es sich aus Ihrer Sicht, nach der Erstkommunion als Ministrant aktiv zu werden?

Lentner: Ministrantinnen und Ministranten erleben den Gottesdienst wortwörtlich hautnah. An der Liturgie sind sie aktiv beteiligt und gestalten Gottesdienst mit. Glaube und Gemeinschaft werden so zu einem spirituellen Gesamterleben, das den eigenen Glauben mehr und mehr vertieft. Natürlich spielt auch die Gemeinschaft unter Gleichaltrigen und Gleichgesinnten eine große Rolle.

Gemeinsame Erlebnisse am Altar, bei Gruppenaktivitäten, auf Ausflügen oder bei der Ministrantenwallfahrt nach Rom prägen die spirituelle Verbundenheit der Kinder und Jugendlichen nachhaltig. Darüber hinaus werden im Ministrantendienst selbstverständlich berufsrelevante Qualifikationen wie Teamfähigkeit, Organisation, Präsentation oder das Durchführen eines gemeinsamen Projekts eingeübt. So wird eine Bewerbung durch ein Ehrenamtszeugnis im Ministrantendienst aufgewertet.

Welche Voraussetzungen sollte ein junger „Mini“ mitbringen, um Freude am Dienst am Altar zu haben?

Lentner: Als Voraussetzung genügen Neugierde auf Glauben, Begeisterung für den Gottesdienst und Lust an der Gemeinschaft. Die Choreografie des Gottesdienstes kann bei guter Anleitung und engagierter Gruppenleitung nahezu jedes Kind lernen. Das gilt auch für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Für mich ist spannend, dass Ministranten ganz unterschiedlich sein dürfen: Neben „braven“ gibt es „verhaltensoriginelle“ und daneben „frommen“ sowie „zweiflende“, alle sind Ministranten, je nach den eigenen Fähigkeiten, und miteinander unschlagbar.

Markus Lentner ist Referent für Ministrantenarbeit in der Erzdiözese München und Freising.
Markus Lentner ist Referent für Ministrantenarbeit in der Erzdiözese München und Freising. © privat

Wie sieht Ihrer Meinung nach ein guter Einstieg in diesen Dienst aus?

Lentner: In der Erstkommunionvorbereitung haben die Kinder erlebt, dass Glaube in Gemeinschaft Freude bereitet und Spass macht. Der Ministrantendienst knüpft daran an, wenn Kinder in die Liturgie eingeführt werden, die Begegnung mit Gott gestaltet wird und die Gemeinschaft der Ministranten erlebt wird. Qualifizierte liturgische Bildung mit Hand, Kopf und Herz macht die Ganzheitlichkeit deutlich: Mit der „Hand“ wird geübt, wann die Hostienschale an den Altar gebracht wird. Mit dem „Kopf“ wird verstanden, dass die Gaben der Gemeinde an den Altar gebracht werden. Mit dem „Herz“ wird nachvollzogen, dass auch ich meine Gaben vor Gott lege. Gerne unterstützt das Referat für Ministrantenarbeit Gruppenleitungen und Verantwortliche mit einem Modell für die erste Gruppenstunde und weiterem Material für die Bildung und Einführung neuer Ministranten online unter www.ministrieren.de

Haben die Eltern hierbei auch eine Aufgabe?

Lentner: Eltern sind wichtige Partner! Sie sind es, die Kinderfragen zu Glaube und Liturgie beantworten und zum Leben aus dem Glauben motivieren. Nicht zuletzt begleiten sie ihre Kinder zum Ministrantendienst. Bei einem guten Miteinander können Eltern die Verantwortlichen bei Aktionen durch konkrete Hilfe wie Kuchenbacken, Aufsicht bei Ausflügen oder Ministrantenplan-Erstellen unterstützen.

Was für ein ministrantenförderliches Klima würden Sie sich in den Gemeinden wünschen?

Lentner: Gerade die „Neuen“ sind am Anfang unsicher, ob sie alles gut machen, und freuen sich über ein wohlwollendes Wahrnehmen und ein freundliches Wort, auch wenn nicht immer alles glatt läuft. Gruppenstunden, Aktionen und gemeinschaftsstiftende Elemente bereichern den Ministrantendienst um das Erleben von Gemeinschaft. Wenn engagierte Gruppenleitungen und Verantwortliche die Möglichkeiten vor Ort nutzen, dann steht einer blühenden Ministrantenarbeit nichts mehr im Weg.

Infomationen, Daten und Materialien rund um die Ministrantenarbeit in der Erzdiözese gibt es hier.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de


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