Kunstinstallation am Odeonsplatz Warum hält die Madonna Geld in der Hand?

23.06.2017

Eine Madonna mit Geldscheinen in der Hand: Ein Kunstwerk mitten in der Münchner Innenstadt. Doch was soll es uns sagen? Eine Kritik an der Kirche ist es nicht.

Zu sehen am Odeonsplatz in München: Madonna mit Geldscheinen in der Hand.
Zu sehen am Odeonsplatz in München: Madonna mit Geldscheinen in der Hand. © SMB/Sichla

München – Menschen strömen Richtung Hofgarten, hetzen zur U3 oder holen sich noch schnell was beim Bäcker bevor es wieder hoch in die Sonne auf den Odeonsplatz geht. Tausende von Menschen sind jeden Tag unterhalb des Platzes mit der U-Bahn unterwegs. Sie alle laufen an einem Schaufenster vorbei. Dort zu sehen, eine Madonna mit Geldscheinen in der Hand. Vor ihr stehen drei Kerzen. Das Schaufenster haben drei Künstler gestaltet, die sich unter dem Namen INNERFIELDS zusammengetan haben. Ihnen geht es dabei nicht – wie von vielen möglicherweise gedacht – um Kritik an der Kirche im Sinne von „Kirche ist korrupt“. Das Gegenteil ist der Fall. Ihnen gehe es darum, zu zeigen, dass Geld heutzutage oft wie ein Heiligtum verwendet und anderen Werten vorgezogen wird, so Künstler Holger Weißflog. So nehme Geld in der Gesellschaft einen großen Stellenwert ein und verdränge daher oft die Werte der Kirche.

"Kapelle des Kapitalismus" am Odeonsplatz in München.
"Kapelle des Kapitalismus" am Odeonsplatz in München. © SMB/Sichla

Kapelle des Kapitalismus

Die Berliner Künstler versuchen ihre Werke auch immer dem Ort anzupassen, an dem sie zu sehen sind. Die Nähe zur Maximilianstraße mit teuren Designergeschäften von Gucci, Prada und Co. hat den Standort Odeonsplatz für diese Inszenierung attraktiv gemacht. Als eine „kleine Kapelle des Kapitalismus“, bezeichnet Weißflog das Schaufenster, neben dem links davon – wie könnte es besser dazu passen– ein Geldautomat steht.

Was passiert mit Spiritualität in der heutigen Zeit? Wohin verschiebt sie sich? Das sind Fragen mit denen sich die drei Künstler in ihren Werken unter anderem beschäftigen. So zeigen sie zum Beispiel eine Madonna mit einem Smartphone in der Hand – wo üblicherweise das Jesuskind im Arm der Mutter Gottes zu sehen ist.

Bis August ist die Installation am Odeonsplatz noch zu sehen. In dem Fenster werden immer wieder neue Installationen gezeigt. Seit März 2017 ist MUNICH ARTISTS für das Fenster zuständig.

Die Autorin
Katharina Sichla
Teamleiterin mk online
k.sichla@st-michaelsbund.de


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