Für die Einheit der Christen Warum ist die Gebetswoche so wichtig?

20.01.2021

Der Münchner Dekan David Theil berichtet von seinen Aufgaben in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) und den unterschiedlichen christlichen Glaubensformen. Außerdem erklärt er die Bedeutung der Gebetswoche für die Ökumene.

Kardinal Marx, Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands, und Vertreter orthodoxer Christen beten gemeinsam.
Kardinal Marx, Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands, und Vertreter orthodoxer Christen beten gemeinsam. Autor Dekan David Theil hält das Messbuch. © Kiderle

München In der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in München sind 19 Glaubensgemeinschaften als Mitglieder, vier als Gastmitglieder und drei als Beobachter vertreten. Zusammen mit Pfarrer Gottfried von Segnitz (evangelischlutherisch) und Archimandrit Georgios Siomos (griechischorthodox) darf ich als Vertreter der römisch-katholischen Kirche den Vorstand bilden. In der ACK-München erleben wir eine große Bandbreite an christlicher Glaubenspraxis. Die beiden Volkskirchen, der bunte Strauß der Orthodoxie, die altorientalischen Kirchen und verschiedenste Ausformungen freikirchlichen Selbstverständnisses treffen aufeinander. Damit dies fruchtbar wird, braucht es den Geist geschwisterlichen Miteinanders. Wir sprechen von der eigenen Glaubensüberzeugung und wollen die Anderen in ihrem Glauben kennen lernen.

Es geht also nicht um ein Rechthaben, um „richtig“ und „falsch“, sondern um ein echtes Interesse an der anderen Überzeugung, und um Treue zum Selbsterkannten und Geglaubten und so um eine Begegnung in einem geschwisterlichen Geist, der nicht klein und eng, sondern weit und tief das Leben fassen will.

Ökumene als Prozess verstehen


Wir verstehen Ökumene als einen spannenden Prozess, in dem wir unterschiedliche theologische Perspektiven diskutieren und ausleuchten und Verschiedenes auch verschieden sein darf. So finden eine versöhnte Verschiedenheit und eine Ökumene der Profile fruchtbar zueinander. Der größte Schmerz ist und bleibt, dass wir nicht an einem gemeinsamen Tisch das Herrenmahl feiern können – dies ist eine offene Wunde, deren Schmerz uns wachhält und auf Heilung hoffen lässt.

Der Auftrag Jesu an uns, eins zu sein, bleibt ein Auftrag, hinter dem wir immer wieder auch zurückbleiben. In dieser kritischen Selbsterkenntnis nehmen wir unseren Auftrag für die Stadtgesellschaft, als Dienst an ihrer Einheit, an und ernst. In einer pluralen Stadt üben wir eine Haltung, die Verschiedenheit nicht als Bedrohung deutet, sondern als bereicherndes Miteinander zu leben versucht, in Respekt vor der anderen Erkenntnis und in liebenswerter Treue zur eigenen Überzeugung.

Gebetswoche soll Einheit dienen

Die „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ hält unseren Auftrag, der Einheit zu dienen, wach. Es geht aber nicht um eine Gleichheit oder Begradigung der Verschiedenheit, es geht vielmehr darum, dass wir uns gemeinsam dem Geist Jesu Christi öffnen und tiefer begreifen, dass wir das Wesentliche im Leben, eben auch die Einheit, nicht machen können, dass es vielmehr die Bereitschaft unseres Herzens braucht, immer zuerst und zunächst im Anderen, gerade im Fremden den Mit-Menschen zu sehen. Egal, ob oder was du glaubst, wie du dich selbst definierst, alleine weil du Mensch bist, begegne ich dir mit Achtung und Respekt. In dieser Haltung ist eine Begegnung, gerade auch eine Begegnung in Verschiedenheit möglich. Und diese Haltung brauchen wir im Kontakt der christlichen Kirchen untereinander, wir brauchen sie im Dialog der Religionen und Weltanschauungen, wir brauchen sie in unseren innerkirchlichen Auseinandersetzungen und letztlich in jeder menschlichen Begegnung und Beziehung, auch in Freundschaft und Familie.

Unser christlicher Beitrag zur Einheit, zur Gerechtigkeit und zum Frieden unter den Menschen speist sich aus dem Glauben an den einen Gott aller Menschen, der mit uns weihnachtlich-menschliche Wege sucht, der Einheit immer näher zu kommen. Einheit meint nicht das Finden des kleinsten gemeinsamen Nenners, sondern das Suchen der Fülle und Größe Gottes und aus ihr zu leben und Miteinander zu gestalten, verstanden auch als Auftrag und Arbeit, als Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen zum Wohl der Menschen, die mit uns unsere Stadtgesellschaft bilden und leben. (David Theil, Leiter der Pfarrverbands Altschwabing in München und Dekan des Dekanats Innenstadt)


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