Scorsese-Film "Silence" Warum schweigt Gott?

02.03.2017

Seit Donnerstag in den bayerischen Kinos: "Silence" von Martin Scorsese. Warum der Regisseur mit dem Film über zwei Jesuitenpater im 17. Jahrhundert polarisiert, lesen Sie hier.

Pater Rodrigues (Andrew Garfield) feiert mit japanischen Christen im Geheimen die Eucharistie.
Pater Rodrigues (Andrew Garfield) feiert mit japanischen Christen im Geheimen die Eucharistie. © Concorde Filmverleih

Der neue Film von Regie-Legende Martin Scorsese zeigt den Überlebenskampf eines jungen Jesuitenpaters im christenfeindlichen Japan des 17. Jahrhunderts. In "Silence" geht es um die Frage, wie Gott zu all dem Leid schweigen kann, das der Priester auf seiner Mission im fernen Osten erlebt.

Das Thema ist für Oscarpreisträger Scorsese eine Herzensangelegenheit. „In der heutigen Phase meines Lebens grüble ich ständig über Themen wie Glauben und Zweifel, Schwäche oder Schicksal des Menschen nach“, erklärt der 74-Jährige. Bereits seit Jahrzehnten wollte der Regisseur den Roman „Schweigen“ von Shusaku Endo verfilmen. Im Mittelpunkt stehe die Geschichte eines Mannes, der auf qualvolle Weise lernt, dass Gottes Liebe viel geheimnisvoller ist, als er denkt, so Scorsese. Insgesamt arbeitete der Filmemacher mit den italienischen Wurzeln allein über 15 Jahre am Drehbuch. Immer wieder musste er das Projekt wegen anderer Arbeiten zurückstellen.

Regisseur Martin Scorsese (links) mit Hauptdarsteller Andrew Garfield.
Regisseur Martin Scorsese (links) mit Hauptdarsteller Andrew Garfield. © Concorde Filmverleih

20 Kilo abgenommen

Herausgekommen ist ein 160-minütiges Epos, in dem Scorsese keine Kompromisse eingeht. In teils schwer erträglichen Szenen schildert der Film das Schicksal der unterdrückten Christen im damaligen Japan. Die Handlung setzt im Jahr 1638 ein, als sich zwei junge Jesuiten, Pater Rodrigues (eindrucksvoll: Andrew Garfield) und Pater Garupe (Adam Driver) von Portugal aus auf den Weg dorthin machen. Für den Film, der mit einer mehrmonatigen Schiffsreise beginnt, mussten sich die Schauspieler einer strikten Diät unterziehen und bis zu 20 Kilogramm abnehmen.

Die beiden Jesuiten suchen ihren verschollenen Lehrer Ferreira (Liam Neeson), der angeblich dem Christentum abgeschworen hat. In Japan angekommen müssen sich die Priester bei einer kleinen Christengemeinde verstecken und erleben die brutale Verfolgung ihrer Glaubensbrüder durch die japanischen Inquisitoren. Besonders Pater Rodrigues gerät dabei in einen schweren Glaubenskonflikt angesichts der vielen scheinbar sinnlosen Märtyrertode, die er mit ansehen muss.

Pater Ferreira (Liam Neeson) soll dem Christentum abgeschworen haben.
Pater Ferreira (Liam Neeson) soll dem Christentum abgeschworen haben. © Concorde Filmverleih

Kein Blockbuster

Einen großen Erfolg an den Kinokassen darf Scorsese mit seiner Umsetzung des Stoffs nicht erwarten. Dafür sind die Bilder zu düster, die Folterszenen zu brutal und der Film insgesamt zu lang geraten. Aber um einen publikumswirksamen Blockbuster wird es dem Regisseur auch nicht gegangen sein. Er hat einen sehr persönlichen Film gedreht, in dem seine eigene Haltung zum Thema Glauben immer wieder deutlich wird. So wird etwa der Frage, welche Bedeutung die Sakramente für Christen in höchster Not haben, erstaunlich viel Raum eingeräumt. „Die Spiritualität des römischen Katholizismus, in die ich als Kind eintauchte, ist das Fundament meines Lebens“, betont Scorsese.

Insgesamt betrachtet werden sich an „Silence“ wohl die Geister scheiden. Manchmal scheint der Film wie aus der Zeit gefallen. Wenn die Christen im Film beispielsweise hingerichtet werden, weil sie sich weigern, ihren Fuß auf Jesusbilder zu setzen, dann wirkt das aus heutiger Sicht natürlich sehr befremdlich. Aber: Auch im 21. Jahrhundert werden Menschen auf der ganzen Welt mehr denn je ermordet oder verfolgt, nur weil sie einer bestimmten Religion angehören. Insofern ist „Silence“ traurig aktuell. (Klaus Schlaug)

Hier können Sie sich informieren, wo der Film in der Region München gezeigt wird.

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