Gottesdienst Warum sich der Zelebrant die Hände wäscht

05.04.2018

Nach der Gabenbereitung wäscht sich der zelebrierende Priester die Hände. Diese rituelle Waschung wird als „Lavabo“ bezeichnet. Doch warum wird das gemacht?

Die spirituelle Händewaschung nach der Gabenzubereitung heißt „Lavabo“.
Die spirituelle Händewaschung nach der Gabenzubereitung heißt „Lavabo“. © AdobeStock/wideonet

Das „Lavabo“ bezeichnet die rituelle Händewaschung des zelebrierenden Priesters unmittelbar nach der Gabenbereitung während der Feier der heiligen Messe. Rituelle Waschungen sind in vielen Religionen und Kulten bekannt und weisen auf verschiedene Aspekte der menschlichen und der göttlichen Wirklichkeit hin: Aus sich heraus kann der Mensch nie ausreichend rein und fähig sein, seinem Gott und Herrn gegenüberzutreten. Gott sucht jedoch nach der Nähe des Menschen und zeigt ihm deshalb Wege der Vorbereitung und Annäherung auf.

Bezahlung des Priesters

Neben dieser spirituellen Facette der Händewaschung während des Ritus gibt es natürlich auch eine rein praktische und historische Facette. Hier und heute werden zur Gabenbereitung ausschließlich Brot und Wein zum Altar gebracht. Nicht nur in vielen afrikanischen Ländern ist es bis heute durchaus üblich, während der Gabenbereitung auch weitere Dinge des täglichen Bedarfs in einer Prozession zum Altar und zum Priester zu bringen. Das war in früheren Zeiten auch in Europa weit verbreitet. Einerseits wird dadurch der Gedanke des Dankens für alltägliche Dinge geweckt, andererseits stellen diese Gaben mancherorts auch schlicht die Bezahlung des Priesters dar. So nimmt der Priester mit seinen Händen viele Waren während der Gabenbereitung entgegen. Wer von uns vom Einkaufen nach Hause kommt, wird sich vor dem Kochen wohl auch die Hände waschen…

Gott ist der Handelnde

Die Bezeichnung „Lavabo“ stammt aus dem Lateinischen und nimmt Bezug auf das Begleitgebet, das der Priester früher in lateinischer Sprache gebetet hat und das mit den Worten „Lavabo inter …“ beziehungsweise „Lava me …“ beginnt. In der aktuellen Version des ordentlichen Ritus spricht und betet der Priester während der Händewaschung: „Herr, wasch ab meine Schuld, von meinen Sünden mach mich rein.“ (vgl. Psalm 51,4) Bevor der Priester also ganz in persona Christi handelt, macht er sich seiner eigenen Gebrochenheit und Bedürftigkeit bewusst und führt sich vor Augen, dass Gott der wirklich Handelnde ist. (Pater Stefan Maria Huppertz ist Kapuziner und leitet den Pfarrverband Isarvorstadt)


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