Brauchtum Was an Karfreitag auf den Tisch kommt

29.03.2018

Karfreitag ist in der katholischen Kirche ein strenger Buß- und Fastentag. In den oberbayerischen Klostergaststätten kommt aber nicht nur Fisch auf den Tisch.

Vielerorts steht an Karfreitag Fisch auf der Speisekarte.
Vielerorts steht an Karfreitag Fisch auf der Speisekarte. © Dar1930 - stock.adobe.com

München – Karfreitag gedenken Christen der Kreuzigung Jesu. Deshalb gelten strenge kirchliche Fastengebote und - von Region zu Region - gab und gibt es unterschiedliche Traditionen, welche Speisen an diesem Tag auf den Tisch dürfen. Katholiken sollen maximal eine sättigende Mahlzeit zu sich nehmen und auf jeden Fall auf Fleischspeisen komplett verzichten.

Im Gasthof des Kloster Andechs gibt es an Karfreitag eine "kleine Fastenkarte", heißt es auf Anfrage von mk online. Highlights darauf wären das Lachssteak mit Spargel oder Seeteufel. Daneben gibt es aber auch die typisch bayerischen Fleischgerichte, da vor allem die internationalen Gäste diese auch an Karfreitag nachfragen würden.

Braten und Schnitzel

Ganz ähnlich verfährt auch die Klosterschenke in Scheyern. Dort gibt es an Karfreitag die Standardkarte mit Braten und Schnitzel, aber zusätzlich auch noch eine spezielle Fischkarte. Welcher Fisch angeboten wird, steht noch nicht fest, das lege der Küchenchef erst am Tag selbst fest.

Auch wenn die Fastenregeln mittlerweile nicht mehr so streng und die Essgewohnheiten internationaler sind: Manche über Generationen vererbte Karfreitags-Tradition spielt in vielen Familien noch eine wichtige Rolle. Bisweilen hat sich aus einem Fastengericht auch eine Delikatesse entwickelt: Im Münsterland jedenfalls laden viele Restaurants und Gaststätten für Karfreitag zum Struwen-Essen ein.

Mächtiges Gebäck

Dabei kann man getrost behaupten, dass das leckere Gebäck mit Askese eher weniger zu tun hat. Die Struwen sind aus Hefeteig und werden in Pflanzenfett gebacken. Dazu gehören Rosinen, Zimt und Zucker. Bisweilen werden sie auch mit Schwarzbrot und Kaffee genossen - oder mit Biersuppe. "Dieses Hefegebäck ist so mächtig, dass man davon mehr als drei wohl kaum schafft", wie die Volkskundliche Kommission für Westfalen betont.

Waren Struwen typisch für das Münsterland, bestand das übliche Karfreitagsessen in anderen Teilen Deutschlands zum Beispiel aus Stockfisch mit Zwiebelsoße. Auch im Süden der Bundesrepublik gab es ein spezielles Fasten- und Karfreitagsgericht: die Maultaschen. Sie gehen der Legende nach auf eine Trickserei des schwäbischen Klosters Maulbronn zurück. Die Mönche kamen im Dreißigjährigen Krieg zu einem großen Stück Fleisch. Sie schnitten es in kleine Stückchen und verbargen es in grünen Kräutern und schließlich in Teigtaschen, die heute noch als "Herrgottsbescheißerle" bekannt sind. (ksc/KNA)


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