Internet Was beim Online-Spenden zu beachten ist

23.09.2019

Über eine Million Euro – diesen Betrag haben die beiden Moderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf vor kurzem mit Hilfe einer Online-Spendenaktion für die Seenotrettung eingesammelt. Was es beim Thema Online-Spenden zu beachten gilt, erklärt DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke im Interview.

Online-Aktionen rund um das Thema Spenden liegen immer mehr im Trend.
Online-Aktionen rund um das Thema Spenden liegen immer mehr im Trend. © Rawpixel.com/stock.adobe.com

mk online: Online-Spendenaktionen zum Beispiel für Seenotretter erfahren aktuell verstärkt Aufmerksamkeit. Beobachten Sie einen allgemeinen Zulauf für Online-Spendenplattformen?

Burkhard Wilke, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI): Bei den Online-Spenden gibt es ja sehr unterschiedliche Angebote: von gezielten Aktionen einzelner Hilfswerke über Spendenplattformen wie "Betterplace" oder "HelpDirect" bis hin zu Spendenaktionen sozialer Netzwerke wie Facebook. Und dann gibt es noch das sogenannte „Social Shopping“, bei dem etwa auf Smile.Amazon oder auf bildungsspender.de unterschiedliche Anteile der Online-Vermittlungsprovisionen gemeinnützigen Organisationen zugewiesen werden können. Das sind dann aber streng genommen keine Spenden. All diese Online-Angebote verzeichnen seit Jahren einen stärker werdenden Zulauf, jedoch sind traditionelle Spendenformen wie etwa die Briefwerbung oder die Straßen- und Haustürwerbung nach wie vor mit Abstand die wichtigste Einnahmequelle der Spenden sammelnden Organisationen.

mk online: Auch Soziale Netzwerke wie Facebook bieten mittlerweile Spendenaktionen an, die die User anlegen können. Im Fall von Spenden an gemeinnützige Organisationen verspricht Facebook keine Gebühren zu erheben, können Sie dies von unabhängiger Seite bestätigen?

Wilke: Die Facebook-Spendenmöglichkeit gibt es in Deutschland seit etwa zwei Jahren. Die Spenden an eine bei Facebook registrierte gemeinnützige Organisationen werden unseres Wissens tatsächlich zu 100 Prozent an die ausgewählte Organisation weitergeleitet. Wie die Gelder dann dort weiter verwendet werden, entzieht sich aber der Verantwortung von Facebook. Deshalb sollten die Spendenden vorher sehr genau darauf achten, ob die begünstigte Organisation transparent und vertrauenswürdig ist. Hier könnte und sollte Facebook unseres Erachtens seinen Kunden deutlich mehr Entscheidungshilfen bereitstellen, so wie das zum Beispiel die deutsche Spendenplattform HelpDirect seit vielen Jahren mit ihrem „HelpRank“ tut. Dabei wird vor der Spende klar ausgewiesen, ob die betreffende Hilfsorganisationen etwa das DZI Spenden-Siegel trägt oder sich auf den Verhaltenskodex eines anerkannten Dachverbands verpflichtet hat.

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Burkhard Wilke
Burkhard Wilke © DZI

mk online: Welche Punkte sollten Spender beim Thema Online-Spenden bzw. bei Online-Spendenplattformen allgemein beachten?

Wilke: Die direkteste und meist auch kostengünstigste Onlinespende ist zunächst einmal die über die Website der betreffenden Hilfsorganisation selbst. Bei der Auswahl sollte man darauf achten, dass die betreffende Organisation – sofern man sie nicht aus eigener Anschauung als vertrauenswürdig kennt – das DZI Spenden-Siegel trägt oder zumindest einem einschlägigen Dachverband mit eigenem Verhaltenskodex angehört beziehungsweise sich verpflichtet hat, die von der Initiative Transparente Zivilgesellschaft festgelegten zehn Basisinformationen online zu veröffentlichen.

Geht man den Weg über eine Spendenplattform, so ist die Plattform HelpDirect wegen ihrer Entscheidungshilfe mit dem „HelpRank“ besonders transparent. Auch "Betterplace" ist wie HelpDirect ein gemeinnütziges Angebot und ist besonders auf die Auswahl von speziellen Projekten, also nicht gleich ganzen Organisationen, fokussiert. "GoFundMe" und "Leetchi" sind dagegen kommerzielle Spendenplattformen, die zudem auch private Spendenaktionen ermöglichen. Hier wäre es aus unserer Sicht wünschenswert, dass GoFundMe und Leetchi, aber auch etwa Facebook, deutlich stärker als bisher auf das erhöhte Risiko bei einer privaten Spendenaktion hinweisen, also im Vergleich zur Spenden an eine anerkannt gemeinnützige Organisation.

Da Betterplace, GoFundMe, Leetchi und Facebook keine Suche nach weitergehenden Qualitätskriterien wie dem DZI Spenden-Siegel oder zumindest der Initiative Transparente Zivilgesellschaft erlauben, sollten man sich vor der Spende durch eine eigene Online-Recherche der Seriosität oder zumindest Basistransparenz der ausgewählten Organisation vergewissern.

mk online: Haben traditionelle Spenden-Siegel-Organisation aus dem kirchlichen Bereich wie Caritas, Sternsinger oder missio aus ihrer Sicht das Nachsehen gegenüber privaten Initiativen und allgemein Nachholbedarf, was das Thema Online-Spenden anbelangt?

Wilke: Es gibt inzwischen auch eine ganze Reihe erfolgreicher Online-Aktionen von Hilfswerken aus dem kirchlichen Bereich. Der "Nachholbedarf" betrifft hier also allenfalls einzelne Werke im Besonderen, wird aber darüber in den nächsten Jahren ein "ständiger Begleiter" aller Hilfswerke bleiben, denn das Online-Spenden verändert sich weiter sehr dynamisch.

mk online: Wird durch das vermeintlich leichte Online-Spenden insgesamt mehr Geld gespendet in Deutschland als in Zeiten vor dem Internet?

Wilke: Bisher gibt es keine statistischen Erkenntnisse, die darauf hindeuten. Vielmehr ist es schon eine sehr große Herausforderung für viele Spendenorganisationen, das bisherige Spendenniveau zu halten. Denn wichtige Spendenimpulse, wie zum Beispiel die religiöse Bindung, befinden sich in Deutschland in einem Erosionsprozess, und das führt eher zu einer Reduzierung der Zahl der Spendenden.

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Spenden

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