TV-Serie und Kirche Was „Game of Thrones“ mit Religion zu tun hat

21.08.2017

Millionen von Menschen warten momentan jeden Montag auf die neue Folge von „Game of Thrones“. Die Fantasy-Serie ist so erfolgreich, dass selbst Hacker versuchen, aus ihr Profit zu schlagen. Der Erfolgsschlager ist nicht nur was für Serien-Fans. Auch die Kirche kann von ihm lernen.

Von Fantasyserie "Game of Thrones" kann die Kirche lernen.
Von Fantasyserie "Game of Thrones" kann die Kirche lernen. © flirckr/Global Panorama

Die Fantasyerfolgsserie erinnert stark ans Mittelalter. Es geht vor allem darum, dass verschiedene Parteien bzw. Familien um den „Eisernen Thron“ also die Herrschaft des Kontinents „Westeros“ streiten. Wo dieser Kampf enden wird, kann nicht vorhergesehen werden und genau deswegen ist die Serie auch so ein enormer Erfolg, sagen viele Kritiker der Serie. Neben Königen und Rittern nehmen aber auch Drachen oder die „Weißen Wanderer“, sogenannte Untote, Einfluss auf die Geschichte, aber auch die vielen Götter, die es in der Welt von „Game of Thrones“ gibt.

Neue und alte Götter in Westeros

Die Hauptreligion in Westeros ist die Religion der Sieben. Das bedeutet, es gibt eine Gottheit, die in sieben Erscheinungsformen des einen Gottes auftritt. Das ist die vorherrschende Glaubensrichtung. Daneben gibt es noch den Glauben an die „alten Götter“. Für diesen gibt es keine Institution. Außerdem gibt es noch einen „Herrn des Lichtes“, der die Gottheit einer sehr dualistischen Religion ist. Sein Gegenpart ist der „Herr der Finsternis“, gegen den stetig angekämpft wird. Vertreten wird dieser Gott von den roten Priesterinnen, sie versuchen die Finsternis zu verhindern, indem sie u. a. Opfer – auch in Form von Menschenopfern – bringen.

Einer der sich genau damit beschäftigt hat – mit den Religionen in „Game of Thrones“ – ist der österreichische Augustiner-Chorherr Patrick Schützenhofer. Er ist großer Fan der Serie und hat sich wissenschaftlich mit Religionen in Filmen und Serien auseinandergesetzt. Seine These: Fantasyfilme und -serien bieten uns die Möglichkeit, unser eigenes Leben im Spiegel einer anderen Welt zu betrachten. „Manchmal fällt es leichter“, so Schützenhofer, „die eigenen Probleme oder Sehnsüchte in so einer Spiegelwelt anzuschauen und zu verarbeiten.“

Stellung der Religionen in „Game of Thrones“

Die Mächtigen, die um den „Eisernen Thron“ kämpfen, halten kaum etwas von den Religionen, analysiert Schützenhofer. Vielmehr seien die Religionen für die Mächtigen ein Mittel zum Zweck, um an die Herrschaft zu kommen. Ein gutes Beispiel sind die Gerichtskämpfe, bei denen sich zwei um die Entscheidung prügeln müssen. Dabei wird sich nicht auf eine Gottheit verlassen, sondern auf den stärksten Kämpfer. Wenn dieser den Gegner umgebracht hat, wird dennoch gesagt, es sei der Wille der Götter. Insgesamt werden Religionen und religiöse Institutionen eher als negativ dargestellt, gerade aus dem Grund des Machtmissbrauchs. Die Götter in der Serie werden stetig angezweifelt. Dadurch, dass sie in der Serie aber immer präsent sind, kommt Schützenhofer zu dem Schluss, dass in Westeros Götter existieren.

Die Institutionen der Religionen werden eher skeptisch gesehen, wohingegen der Glaube an die „alten Götter“ positiv dargestellt wird. Er verlangt keine religiösen Formen, ist weniger bis gar nicht institutionalisiert, hat daher weniger Hierarchien und ist somit weniger instrumentalisierbar für die Mächtigen. Es gibt keine Priester und keine Tempel, sondern die Orte der Anbetung sind Wälder, wo die Bäume mit geschnitzten Gesichtern stehen. „Ich würde sagen, dass die Religionen immer in Gefahr stehen, instrumentalisiert zu werden. Das hängt stark mit den Menschen zusammen und George R.R. Martin (Anmerkung der Redaktion: Autor von „Game of Thrones“) macht auch klar, dass nicht die Religion der Sieben per se mit ihren Dogmen etwas Negatives ist, sondern dass die Menschen, die mit ihr umgehen, sie für ihre Zwecke missbrauchen.“ Das sei eine Kritik, so Schützenhofer, der sich jede religiöse Gemeinschaft stellen müsse.

Fantasy-Serien als Spiegel der Gesellschaft

Schützenhofer wagt sogar die These, dass die positive Darstellung des Glaubens an die „alten Götter“ eine Art Weckruf für unsere Gesellschaft sein könnte, uns wieder auf unsere Wurzeln zu besinnen. Für Schützenhofer ist nämlich die Welt der Fantasy-Spiele ein Spiegel unserer Gesellschaft, sie konfrontiere uns mit der eigenen Existenz. Den Skeptizismus, der sich wie ein roter Faden durch „Game of Thrones“ zieht, sähe man auch in unserer Gesellschaft. „Generell bedeutet es“, so zieht Schützenhofer sein Fazit aus „Game of Thrones“, „dass Religionen an Stellenwert verloren haben. Es sei nicht mehr für jeden verständlich, was da passiert. Insofern müssen wir vielleicht wieder anfangen, die Grundsäulen dessen, woran wir glauben, also das Evangelium, selber wieder besser verstehen zu lernen, um die Religion und ihren Glauben dann an die Menschen zu bringen.“

Die Autorin
Pia Dyckmans
Radio-Redaktion
p.dyckmans@st-michaelsbund.de


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