Ausstellung in Beuerberg Was ist Heimat?

25.04.2019

Das im Augenblick heimatlose Diözesanmuseum hat unter dem Titel „HEIMAT. Gesucht. Geliebt. Verloren“ im Kloster Beuerberg eine Ausstellung konzipiert. In der geht es um mehr als bayerisches Brauchtum, sondern auch Religion, Kunst und nicht zuletzt das Essen.

Ziel der Ausstellung ist es, Heimat in all ihren Facetten zu zeigen. © SMB

Beuerberg – Für jeden bedeutet sie etwas anderes: Heimat. Vielfältig, vielschichtig, viel zitiert, manchmal verloren. In der neuen Ausstellung in Kloster Beuerberg, die am 1. Mai ihre Pforten öffnet, dreht sich alles um „HEIMAT. Gesucht. Geliebt. Verloren“. Das Team um den Direktor des Diözesanmuseums, Christoph Kürzeder, beleuchtet gemeinsam mit dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege, den Heimatbegriff in all seinen Facetten: religiös, kulturell, politisch, gesellschaftlich.

Die Ausstellung ist völlig neu konzipiert. „Es gibt alte Baupläne historischer Denkmäler zu sehen“, berichtet Johanna Eder, Leitung der Kunstvermittlung des Diözesanmuseums. Diese beispielsweise kommen vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege. Leihgaben gibt es auch von der Landsmannschaft der Deutschen in Ungarn. Die aus ihrer Heimat Vertriebenen fanden einst in der Ortschaft Beuerberg eine Zwischenstation, bevor sie in Geretsried eine neue feste Heimat fanden. Was nehmen Menschen mit, die fliehen müssen, um irgendwo anders wieder Wurzeln schlagen zu können? „Sie haben zum einen Kinderspielzeug, aber auch Kochgeschirr mitgenommen“, sagt Eder. Essen wie daheim – ein ganz wichtiges Moment, um sich in der Ferne wohler fühlen zu können.

Heimat ist etwas Indivduelles

Religion bietet ebenfalls eine Heimat. Das zeigt die Ausstellung am Beispiel der Fronleichnams-Prozession in Beuerberg, die bekannt ist für ihre oberbayerische, traditionelle Tracht und ihren üppigen Schmuck. „Religion bietet einer bestimmten Gemeinschaft Heimat“, sagt Eder. Das könne aber auch eine Kehrseite haben, eben für Menschen, die dieser Gemeinschaft nicht angehören. „Heimat ist etwas sehr Persönliches, Individuelles“, erklärt Eder, „es gibt darüber unterschiedliche Auffassungen, das heißt eben auch, dass sich andere Menschen ausgeschlossen fühlen.“

Keine "krachledernde Tümelei"

Sprache macht natürlich auch einen wesentlichen Teil von Heimat aus. So können die Beuerberg-Besucher erfahren, dass beispielsweise Brot in den verschiedenen Dialekten auch unterschiedlich bezeichnet wird. „Mal heißt es Scherzerl, mal Knerzerl, mal Ranft“, erklärt Eder. Der sprachinteressierte Besucher kann sein Lieblingswort einsprechen – die Wörter laufen dann im Loop. Wer es eher mit Bildern hat, kann ein Foto von sich schießen und Grüße aus der Heimat verschicken. „So wird man selbst zum Teil der Heimat Beuerberg“, berichtet Eder, „das ist eine unserer aktiven Stationen.“

Die Ausstellungsmacher wollen den Begriff „Heimat“ bewusst weg von der „krachledernen Tümelei“ beleuchten, sondern in seiner Vielfältigkeit. Und vielfältig und abwechslungsreich ist, wie bei den vorherigen Ausstellungen auch, das Begleitprogramm.

Die Ausstellung „HEIMAT. Gesucht. Geliebt. Verloren.“ in Kloster Beuerberg läuft von Mittwoch, 1. Mai, bis Sonntag, 3. November. Näheres zu den vielen verschiedenen Veranstaltungen und Workshops gibt es hier.

Die Autorin
Susanne Hornberger
Münchner Kirchenzeitung
s.hornberger@st-michaelsbund.de

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