Glaube im Alltag Was ist wirklich wichtig für mein Leben?

10.03.2017

In der Schweiz gibt es ein ganz besonderes Fundbüro, ein „Fundbüro für Immaterielles“. Was es damit auf sich hat, erläutert Abt Johannes Eckert hier.

Im „Fundbüro für Immaterielles“ wird nicht nach verlorenen Geldbeuteln oder Regenschirmen gefragt, sondern beispielsweise nach versiegter Lebensfreude. © Fotolia/alphaspirit

In Zürich gibt es seit einigen Wochen ein sogenanntes „Fundbüro für Immaterielles“. Dort werden keine verlorengegangenen Gegenstände wie Geldbeutel, Regenschirme, Handys und so weiter abgegeben oder abgeholt. Beim „Fundbüro für Immaterielles“ geht es um etwas anderes. Einige Beispiele mögen die Idee erläutern: So berichtet ein Besucher, dass er in den zurückliegenden Monaten die Geduld verloren hat. Aufgrund der beruflichen Stresssituation hat er sich immer weniger emotional im Griff und lässt öfters seiner Wut freien Lauf. Daher ist er auf der Suche nach seiner Geduld. Eine andere Besucherin erzählt davon, dass sie die große Liebe gefunden hat. Das Leben mit ihrem neuen Partner ist für sie das Glück schlechthin! Wieder eine andere fragt nach, ob ihre Lebensfreude abgegeben worden ist. Diese hat sie in den vergangenen Wochen verloren, da sich ihr Freund von ihr getrennt hat. Das „Fundbüro für Immaterielles“ sammelt solche und ähnliche Geschichten und eine der Initiatoren erklärte ihre Idee: „Mit dieser Kunstaktion wollen wir die Menschen anregen, über den Wert von Dingen nachzudenken! Dabei hoffen wir, dass schon das Aufschreiben von Verlusten und Fundstücken selbst etwas bewirkt!“

Abt Johannes Eckert ist Abt der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München und Andechs. © privat

Mir gefällt die Idee dieses Fundbüros, da sie zum Nachdenken anregt: Was habe ich verloren? Was möchte ich wiederfinden? Was suche ich und welches Fundstück würde mich glücklich machen? Was ist wirklich wichtig für mein Leben?

Die Fragen passen gut in die Fastenzeit, wenn wir uns durch einen Verzicht bewusst reduzieren beziehungsweise durch Askese auf das Wesentliche konzentrieren. Auch dadurch soll der Blick geschärft werden, was wirklich wichtig für unser Leben ist. Freilich gilt es, dabei darauf zu achten, wie uns unsere Fastenvorsätze verändern. Was macht es mit mir, wenn ich auf Süßigkeiten verzichte? Geht etwas an Lebensfreude dadurch verloren oder finde ich dadurch Geschmack an anderen Lebensmitteln? Oder: Wie verändere ich mich, wenn ich versuche, achtsamer meinen Mitmenschen zu begegnen? Was bewegt sich in mir, wenn ich mir mehr Zeit für das Gebet reserviere? Welche Lebensräume werden mir durch meine Fastenvorsätze neu eröffnet oder verschlossen? Ein geistlicher Begleiter meinte einmal zu mir: „Durch unsere Fastenvorsätze sollen wir nicht ungenießbarer, sondern liebenswürdiger werden!“ Manchmal brauche ich daher während der Fastenzeit die Korrektur der gutgemeinten Vorsätze. Auch dabei könnte ein Besuch im „Fundbüro für Immaterielles“ hilfreich sein.

Ostern ist das Fest des Lebens und die vierzig Tage davor sollen uns dazu dienen, den Geschmack am Leben neu zu finden. Dazu kann der Verzicht sinnvoll sein, aber ebenso der bewusste Genuss, wenn es darum geht, zum Beispiel die Liebenswürdigkeit wieder zu finden. (Johannes Eckert)


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