Kirchenwissen Was passiert mit heruntergefallenen Hostien?

06.04.2018

„Heilige Abfälle“ werden nicht einfach in den Mülleimer geworfen. Stattdessen gibt es in vielen Kirchen ein Sacrarium.

Dieses Sacrarium wird im Münchner Liebfrauendom kaum genutzt.
Dieses Sacrarium wird im Münchner Liebfrauendom kaum genutzt. © SMB/Sichla

München – Manchmal passiert es: Die Hostie fällt bei der Kommunionsausteilung aus dem Mund oder wird fallen gelassen. Was passiert jetzt damit? Einfach in den Müll werfen? Das geht nicht! Denn in der Eucharistiefeier wird die Hostie zum Leib Christi, betont Diakon Bernhard Stürber: „Es ist das Allerheiligste und mit dem muss man entsprechend umgehen.“ Auch bei den Dingen, die das Allerheiligste berührt haben, sei Sorgfalt geboten, so der Domzeremoniar des Liebfrauendoms in München. Das sei eine Frage der Sorgfalt und der Ehrfurcht.

Direkt ins Erdreich

Um heilige Dinge zu entsorgen, gibt es in Kirchen häufig ein Sacrarium. Das bedeute übersetzt „heiliger Ort“, so Stürber. Es sei ein Ort, der heilige Abfälle aufnehme und im Erdreich entsorge. Der Boden unter der Kirche sei durch die Weihe heiliger Boden. Im Liebfrauendom in München gibt es gleich drei Sacrarien: ein Loch, das direkt ins Erdreich führt, ein kleines Wasserbecken, mit einem direkten Abfluss in die Erde unter der Kirche, eine sogenannte Piscina, und einen kleinen Mülleimer für feste Dinge.

 Die Piscina in der Taufkapelle des Münchner Liebfrauendoms.
Die Piscina in der Taufkapelle des Münchner Liebfrauendoms. © SMB/Sichla

Feste Stoffe werden im Osterfeuer verbrannt

Hostien werden in Wasser aufgelöst und werden dann in der Piscina entsorgt. Ebenso wird beim Taufwasser verfahren oder auch bei dem Reinigungswasser mit dem die Altartücher gereinigt werden. Der Mülleimer dient der Entsorgung fester Stoffe (Watte/Tücher), mit denen zum Beispiel die Heiligen Öle aus der Chrisammesse in Berührung kamen. Da diese nicht dem Erdreich durch die Kanalisation zugänglich gemacht werden, werden sie meist im Osterfeuer verbrannt. Das älteste Sacrarium, das Loch, das ins Erdreich führt, wird im Liebfrauendom nicht mehr verwendet.

Ein Sacrarium sei nicht fest vorgeschrieben, so Stürber. In modernen Kirchen sollte es aber nicht vergessen werden. Wo es keines existiert, wüssten die Mesner Bescheid, wie sie mit den heiligen Dingen umzugehen haben.

Die Autorin
Katharina Sichla
Teamleiterin mk online
k.sichla@st-michaelsbund.de

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