Gute Vorbereitung sinnvoll Was Sie schon immer über die kirchliche Hochzeit wissen wollten

26.05.2017

Im Mai haben Hochzeiten Hochkonjunktur. Doch was muss man kirchlicherseits für den „schönsten Tag im Leben“ beachten? Können zum Beispiel eine Katholikin und ein Muslim kirchlich heiraten? Kann ein Geschiedener Trauzeuge sein?

Bevor sie vor den Traualtar treten, gibt es für Brautleute wichtige Fragen zu klären. © Fotolia

Professorin Reinhild Ahlers, Kirchenrechtlerin des Bistums Münster, klärt hier 15 Fragen:

MK: Was, wenn ein Partner evangelisch ist?

Ahlers: Dann handelt es sich um eine konfessionsverschiedene Ehe, für die der zuständige Ortspfarrer die entsprechende Erlaubnis erteilen kann. In diesem Fall sind ja beide Ehepartner getaufte Christen.

MK: Was, wenn ein Partner muslimisch ist?

Ahlers: In diesem Fall geht es um eine religionsverschiedene Ehe – also um eine Ehe mit einem nicht getauften Partner. Dann muss der Ortsbischof eine so genannte „Dispens vom Ehehindernis der Religionsverschiedenheit“ erteilen. Das gilt für Angehörige von nicht-christlichen Religionen genauso wie für Personen, die keiner Religion angehören – denn in diesen Fällen geht es ja gleichermaßen um einen nicht-getauften Ehepartner. Dafür wendet man sich zunächst an den Pfarrer, der die nötigen Informationen an uns hier im Generalvikariat weiterleitet. Das ist im Großen und Ganzen eine Formalie. Ob konfessions- oder religionsverschieden: In jedem Fall muss der katholische Partner versprechen, dass er sich nach Kräften darum bemüht, dass die gemeinsamen Kinder auch katholisch getauft werden. Dabei muss natürlich das Gewissen des anderen Partners berücksichtigt werden.

MK: Was, wenn ein Partner aus der Kirche ausgetreten ist?

Ahlers: Dann braucht es eine so genannte Trau-Erlaubnis. Dabei wird womöglich etwas genauer geprüft, um sicherzugehen, ob auch alles in Ordnung ist: Ist dieser Partner auch wirklich ledig? Will er wirklich eine christliche Ehe eingehen? Die Gültigkeit einer Ehe betrifft dies alles allerdings nicht – schließlich bleibt auch ein ausgetretener Christ ein getaufter Christ.

MK: Kann man auch ohne standesamtliche Trauung kirchlich heiraten?

Ahlers: Seit dem 1. Januar 2009 ist es in Deutschland möglich, auch ohne standesamtliche Trauung kirchlich zu heiraten. Der Staat hat damals das Personenstandsgesetz entsprechend geändert. Damit hat er signalisiert: Für den Staat ist die kirchliche Trauung keine Trauung – solche Paare gelten staatlicherseits als unverheiratet. Für uns als Kirche ist das allerdings keine ausschließlich glückliche Lösung, weil die kirchliche Ehe damit gewissermaßen in ein spirituelles Nirvana entschwindet, ohne irdische Konsequenzen zu haben. Darum muss für ausschließlich kirchliche Trauungen bei uns eine Genehmigung eingeholt werden. Zudem haben wir ein Formular entwickelt, das aufzeigt, was die betreffenden Paare an Rechtswirkungen eben nicht haben. Das muss auch unterschrieben werden, damit das den Paaren wirklich bewusst ist. Natürlich wird dann die Genehmigung zur Trauung auch erteilt. Übrigens machen das nicht nur verwitwete Paare so, sondern auch jüngere Menschen, die ihre standesamtliche Trauung später nachholen wollen.

Damit der "schönste Tag im Leben" auch wirklich gelingt, ist eine gute Vorbereitung erforderlich. © Fotolia

MK: Kann man nur in der eigenen Pfarrkirche heiraten?

Ahlers: Man kann in jedweder Kirche heiraten, hat aber kein Recht darauf. Man hat wohl das Recht darauf, in seiner eigenen Pfarrkirche – jener der Braut oder des Bräutigams – zu heiraten. Wenn die Trauung in einer anderen Kirche gefeiert werden soll, muss man den dortigen Pfarrer bitten – und der eigene Heimatpfarrer muss das Paar dorthin „überweisen“.

MK: Kann man auch einen Priester aus einer anderen Gemeinde um die Trauung bitten?

Ahlers: Klar kann man einen befreundeten Priester bitten, allerdings muss der Heimatpfarrer zustimmen – wie immer, wenn ein ortsfremder Geistlicher in der Pfarrkirche eine Liturgie feiern will. Und der Heimatpfarrer muss diesem befreundeten Priester die Traubefugnis übertragen, denn die ist stets örtlich auf die Gemeinde beschränkt, in der er eingesetzt ist.

MK: Kann es bei einer ökumenischen Hochzeit eine Eucharistiefeier geben?

Ahlers: Grundsätzlich ja. Wie es mit dem Kommunion-Empfang des evangelischen Partners aussieht – daran arbeiten die deutschen Bischöfe derzeit. Im Kirchenrecht heißt es, dass ein evangelischer Christ die Kommunion empfangen kann in Todesgefahr oder in einer Notlage – so lautet die Übersetzung. Im Lateinischen ist die Rede von „necessitas“, also von einer Notwendigkeit. Bislang wird diese Notlage ökumenisch nicht gesehen. Aber wie gesagt – da­rüber denken die Bischöfe derzeit nach.

MK: Kann die Trauung auch in einem Schloss oder auf einem Schiff stattfinden?

Ahlers: Da die Ehe ja ein Sakrament der Kirche ist, sollte dieses auch in einer Kirche gefeiert werden. Es ist auch schwierig festzulegen, was darüber hinaus ein geeigneter Ort sein soll. Ich hatte aber durchaus auch schon einmal eine Anfrage für eine Trauung unter Wasser! Mit welcher Begründung sollte man das zulassen, eine Trauung im Heißluftballon aber ablehnen?

MK: Sind Brautleute zur Teilnahme an einem Ehevorbereitungsseminar verpflichtet?

Ahlers: Verpflichtet nicht. Es wird aber sehr dazu geraten. Eine rechtliche Voraussetzung zur Eheschließung ist das nicht. Papst Franziskus und die Bischöfe haben aber jüngst betont,
wie sinnvoll eine gute Vorbereitung auf dieses Sakrament ist.

Die Fragen stellte Markus Nolte, stellv. Chefredakteur der Münsteraner Bistumszeitung „Kirche + Leben“.

Das komplette Interview können Sie in der aktuellen Ausgabe der Münchner Kirchenzeitung nachlesen. Diese ist auch im Abo, oder als ePaper erhältlich.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirchlich Heiraten und zum Thema Heiraten

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