Besinnung zum Ferienbeginn Was unser Leben reich macht

25.07.2018

Minoritenpater Franz-Maria Endres aus dem Kloster Maria Eck erklärt, worauf es beim Urlaubmachen wirklich ankommt.

Im Urlaub die Natur genießen
Im Urlaub die Natur genießen © Jenny Sturm - stock.adobe.com

Jetzt beginnt für viele von uns die schönste Zeit des Jahres; zumindest ist für die meisten von uns der August die Zeit der Erholung vom Stress der Arbeit, auf alle Fälle haben die Schüler in unseren Breiten ihre Auszeit von der Schule. Bei den Schülern nennen wir diese Zeit „Ferien“, auch bei den Studenten, nämlich „Semesterferien“. Der Arbeitstätige geht entweder in den „Urlaub“, oder er macht mit den Kollegen der Firma „Betriebsferien“. Wir haben also zwei Begriffe für denselben Sachinhalt.

Es ist manchmal interessant und aufschlussreich, dem Ursprung der Worte nachzuspüren, welche Geschichte sie haben und ob sich eventuell ihre Bedeutung gewandelt hat. Das ist in unserem Fall sehr lehrreich. Nach dem Duden hängt das Wort „Urlaub“ mit dem Verb „erlauben“ zusammen und bedeutete ursprünglich allgemein „Erlaubnis“; in der höfischen Sprache bezeichnete es die Erlaubnis wegzugehen, eine Erlaubnis, die ein Höherstehender oder eine Dame dem Ritter zu geben hatte. In der Neuzeit wurde daraus die vorübergehende Freistellung von einem Dienstverhältnis und dann auch die Gewährung von dienst- oder arbeitsfreien Tagen, die der Erholung dienen.

Das Leben als Tretmühle

Dem gegenüber ist das Wort „Ferien“ viel bedeutungsreicher und tiefsinniger. Es ist abgeleitet von dem lateinischen Wort „feriae“ und bedeutet neben geschäftsfreien Tagen auch Ruhetage und auch Festtage. „Feriae“ entstammt dem Bereich der Sakralsprache und bezeichnet ursprünglich „die für religiöse Handlungen bestimmten Tage“. Auch die „Feier“ ist von „feriae“ abgeleitet und das „Fest“ von „festum“, was auch wieder im Wort „feriae“ gründet.

Bei dem Wort „Ferien“ im ursprünglichen Sinn geht es also um mehr als nur um frei zu sein von der täglichen Arbeit, von Pflichten und Aufgaben, die uns ermüden und uns oft genug das Leben als Tretmühle empfinden lassen. Es geht nicht nur um Freiheit von etwas, sondern auch um Freiheit für etwas, für das, was unser Leben reich macht und uns feiern lässt. Bei religiösen Handlungen geht es ja um die Hinwendung zu dem, der unser Heil ist und der uns Wohlergehen in allumfassendem Sinne schenkt.

Minoritenpater Franz-Maria Endres ist Wallfahrtskurat und Guardian von Maria Eck bei Siegsdorf im Chiemgau
Minoritenpater Franz-Maria Endres ist Wallfahrtskurat und Guardian von Maria Eck bei Siegsdorf im Chiemgau © privat

Im Trubel und in der Hektik des Alltags, in den vielen Herausforderungen und vielfältigen Aufgaben, die auf uns einströmen, kann diese entscheidende und grundlegende Dimension unseres Lebens schnell verloren gehen. Ferienzeit ist gewiss eine Zeit der Erholung, des Genießens, des Befreit- seins von der Last der Arbeit. Das süße Nichtstun, das „dolce far niente“, wie es die Italiener sagen, hat seine Berechtigung, aber die Seele braucht auch Zeit und Muße für das Erspüren des Geheimnisses, das unser Leben durchdringt und erfüllt. Dazu ist es nötig, wieder das Schauen des Herzens einzuüben, das mehr ist als das bloß äußere Sehen mit den Augen. Schon Antoine de Saint-Exupéry sagte: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“. Jemand hat es einmal so zum Ausdruck gebracht: „Wer nur sieht, sieht nur das Äußere, das vergeht und an sich nicht wichtig ist.“ Wer schaut, sieht mehr; für ihn ist alles Äußere Zeichen, Bild, Symbol, worin das Ewige sich offenbart. Du kannst Gott erschauen, wenn du so lange schaust, bis dir die Zeichen und Symbole den Durchblick geben.

Zur Tiefe des Herzens finden

Ein wichtiger Ort der Stille, um das beglückende Geheimnis unseres Lebens zu erspüren, um auch wieder das Staunen, das Schauen zu lernen, das ja erst unser Leben erfüllt macht, ist die Natur, von der wir hier in unserem Land doch reich gesegnet sind: die wunderbaren Landschaften und Wiesen, die Berge und die Seen. Die Natur, oder noch besser gesagt die Schöpfung, ist ein großes Stück Offenbarung des Lebens, des Lebens in Fülle, nach dem wir uns sehnen. In ihr kann der Mensch dem nahe kommen, der sich hinter allem verbirgt, nämlich Gott. Die heilige Hildegard von Bingen bringt das so zum Ausdruck: Gott atmet in allen Dingen, alle Dinge atmen in Gott.

So darf man jedem, der nun seine Auszeit vom Betrieb des Alltags nimmt, wünschen, dass er dem Geheimnis seines Lebens, nämlich seines Schöpfers, wieder näher kommt, dass er ihn erfahren darf im Gebet, im Gottesdienst, im Lesen der Bibel oder eines guten spirituellen Buches, in der Begegnung und im Austausch mit den Mitmenschen, im Erleben der Natur und in den vielen anderen Weisen, wie ich mich erhole, zu mir finde in der Tiefe meines Herzens, in der ja auch Gott zu mir spricht.In diesem Sinne eine gute Erholungs- und Urlaubszeit und eine gesegnete, entdeckungsreiche Ferienzeit! (Pater Franz-Maria Endres)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Urlaub!

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