Liturgie Was unterscheidet die Weihe von der Segnung?

13.07.2019

Wann spricht man von einer Weihe? Und wann segnet der Priester? Hier werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede erklärt.

Das Tischgebet ist eigentlich nichts anderes als ein Segen: Der Dank an Gott für die Speise wird verbunden mit der Bitte für jene, die davon kosten.
Das Tischgebet ist eigentlich nichts anderes als ein Segen: Der Dank an Gott für die Speise wird verbunden mit der Bitte für jene, die davon kosten. © WavebreakMediaMicro - stock.adobe.com

Wo die Kirche einen Menschen segnet, ruft sie den Namen Gottes an und bittet, dass Gott mit seiner Gnade diese Person begleitet, stärkt und stützt. Die Segnung von Dingen ist eine Bitte an Gott, dass der Gebrauch dieser Gegenstände für die Menschen heilsam oder zumindest hilfreich ist und dass sie dabei keinen Schaden nehmen. Außer den Dingen, die schon von ihrer Anlage her nur auf Böses ausgerichtet sind, kann die Kirche im Prinzip alles segnen. So ist das Tischgebet eigentlich nichts anderes als ein Segen: Der Dank an Gott für die Speise wird verbunden mit der Bitte für jene, die davon kosten. Um diese beiden Dimensionen (Dank und Bitte) geht es auch, wenn – so war es oft Brauch – die Mutter den Brotlaib segnet, bevor sie ihn anschneidet. Auch das kleine Kreuzzeichen, dass die Eltern dem Kind auf die Stirn zeichnen, wenn es das Haus verlässt, ist ein solcher Segen. Mit dem Dank an Gott ist die Bitte um Schutz und Hilfe für den kommenden Weg verbunden.

Segen zu bestimmten Anlässen

Aber nicht nur im privaten Bereich hat der Segen seinen Platz. Bei vielen Anlässen werden Menschen mit mehr oder großer Feierlichkeit gesegnet: die Kinder an der Krippe, die Schüler bei der Einschulung, die Gläubigen am Blasiustag, der Abt und die Äbtissin nach ihrer Wahl. Priester segnen Kreuze, Rosenkränze und Wohnungen und verbinden damit die Bitte, dass das Kreuz die Menschen an Jesus Christus erinnert, der Rosenkranz ihnen Hilfe im Gebet ist und die Wohnung ein Leben in Frieden und Sicherheit erlaubt. Hinter all diesen Segnungen steht die Erfahrung, dass unser Leben immer gefährdet ist und dass vor allem die Dinge dieser Welt nicht nur heilsam und aufbauend genutzt werden können. Das Essen kann verdorben sein und uns schaden, ein Auto kann notwendige Hilfe bringen oder mit einem Unfall den Tod verursachen, und eine Wohnung kann für die Bewohner zur Hölle werden. Insofern hat der Volksmund recht: An Gottes Segen ist alles gelegen.

Winfried Haunerland ist Professor für Liturgiewissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Winfried Haunerland ist Professor für Liturgiewissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. © privat

Bestimmte Segnungen werden im Deutschen allerdings als „Weihe“ bezeichnet. So sprechen wir von Kirchweihe, Taufwasserweihe, Glocken- und Orgelweihe, Jungfrauenweihe und natürlich von der Priesterweihe. Das deutsche Wort „Weihe“ steht dabei für ganz unterschiedliche Worte in den lateinischen liturgischen Büchern: Die Kirchweihe wird dort als „Übergabe“ oder „Widmung“ (dedicatio) an Gott bezeichnet, die Taufwasserweihe wird als „Segnung und Anrufung Gottes über dem Wasser“ (benedictio et invocatio Dei super aquam) überschrieben, Glocken- und Orgelweihe heißen schlicht „Segnung“ (benedictio), lediglich die Jungfrauenweihe heißt im Lateinischen „Weihe“ (consecratio). Bei den Weihen zum Bischof, Priester und Diakon sprechen die Ordnungen dagegen nur von „Einsetzung“ (ordinatio).

Segnung und Weihe unterscheiden sich

Auch wenn der Sprachgebrauch im Deutschen nicht immer konsequent ist, so stimmen diese Segnungen, die Weihen genannt werden, darin überein, dass hier Menschen oder Dinge auf Dauer einem religiösen Zweck gewidmet werden. Die Kirche ist jetzt kein profaner Veranstaltungsraum mehr, das Taufwasser wird nicht mehr zum Kochen oder Putzen verwandt, eine Feuerwehrglocke oder Konzertorgel würden wir nicht mit dem Ritus der Kirche segnen, bei der Jungfrauenweihe erklärt die Kandidatin, für immer ehelos leben zu wollen, und wer zum Bischof, Priester oder Diakon geweiht wird, wird durch die Weihe für diese Aufgabe sakramental und endgültig beauftragt.
Von ihrer gottesdienstlichen Grundgestalt her sind Weihen nichts anderes als Segnungen. Aber wo Segnungen als Weihe bezeichnet werden, werden die Dinge dem alltäglichen Gebrauch entzogen und für den Gottesdienst oder zumindest die Gottesverehrung reserviert. Menschen, die geweiht werden, müssen bereit sein, endgültig und auf Dauer sich für eine bestimmte Aufgabe zur Verfügung zu stellen. In der gottesdienstlichen Weihe nimmt die Kirche diesen Entschluss an. Weil die Weihe zum Bischof, Priester und Diakon ein Sakrament ist, ist die Kirche der Überzeugung, dass Gott selbst den Kandidaten endgültig die Vollmacht gibt, in seinem Dienst zu handeln. Deshalb kann die Weihe zum Bischof, Priester und Diakon auch nie zurückgenommen werden. (Professor Winfried Haunerland lehrt Liturgiewissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Unitersität in München und ist Direktor des Herzoglichen Georgianums)


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