Wallfahrt Wege der Hoffnung – Orte des Glaubens

26.06.2020

Es muss nicht immer der Jakobsweg sein! Auch vor der eigenen Haustür lassen sich zahlreiche Pilgerziele und -wege finden.

Aschauer Kapellenweg
Aschauer Kapellenweg © imago images/Shotshop

Aschauer Kapellenweg

Nicht nur für Bergsteiger ist Aschau im Chiemgau ein lohnender Ausgangspunkt zum Wandern. Seit 2003 stellt auch der durch die flacheren Talgründe verlaufende Kapellenweg ein reizvolles Ziel für all jene dar, die sich für inspirierende Streifzüge inmitten idyllischer Berglandschaft sowie für Orte des Glaubens und der Volksfrömmigkeit begeistern. Der Aschauer Kapellenweg geht auf eine bedauernde Feststellung des damaligen Pfarrers Josef Winkler zurück („Wir haben viele schöne Kapellen, doch leider wissen nur wenige davon!“), von der sich die Franziskanerschwester Eva Maria Hackenberg zur Konzeption einer Route veranlasst sah, die all diese Kleinodien miteinander verband. Herausgekommen sind zwei Rundwege, ein nördlicher und ein südlicher, die beide an der Pfarrkirche Darstellung des Herrn beginnen und enden und jeweils etwa zwölf Kilometer lang sind. Wer sie beide begeht, kommt an nicht weniger als einem Dutzend Kirchen und Kapellen vorbei. Ob man dabei eher landschaftliche, architektonische, kunstgeschichtliche oder religiös-spirituelle Impulse mitnimmt, kann jeder für sich persönlich herausfinden.

Wallfahrt zur schmerzhaften Muttergottes in Haunstetten

Wen es zufällig einmal in das kleine Dorf Haunstetten im Dekanat Scheyern verschlagen sollte, der wird vielleicht gar nicht bemerken, dass dort überhaupt eine Kirche steht. Denn die Marienwallfahrtskirche, deren Patrozinium auf St. Johannes den Täufer lautet, entzieht sich den Blicken auf einer bewaldeten Anhöhe. Das Gotteshaus, das in einem Dokument von 1817 als „klein, schön, licht und etwas derb“ beschrieben wird und 1963–65 laut Chronik von einer „wohnlichen Gebetsstube“ zu einem „schlichten, kahlen Gebetsraum“ umgestaltet wurde, erhielt vor wenigen Jahren moderne Reliefs im Altarraum. Nur eine kleine Handvoll Votivtafeln verrät, dass seit Jahrhunderten Bittgänge nach Haunstetten stattfinden: „Anno 1735 hat sich die ganze Gemeinde von Ilmried, auf Haunstätten, mit einer Kirchfahrt, als mit einem Kreuzgang verlobt wegen einer Viehseuche, und sie sind erhört worden, Gott sei Dank, daß die Krankheit aufgehört hat ...“ Als Kuriosum ist eine silberne Nadel zu begutachten, die auf einem Votivbild mit folgendem Text aufgebracht ist: „Den 14ten März 1869 war sie erst 5 Tage verheirathet – Anna Maria Huber von Neuhausl in Ilmried schlückte eine Nähnadel u. wurde in Folge Verlobnißes zu allerheiligsten Jungfrau Maria nach 17 Tagen mit Hilfe des Arztes davon befreit.“ Die Ilmrieder führen noch heute alljährlich ihren Bittgang durch, und auch der Frauenbund Hohenkammer macht sich Jahr für Jahr nach Haunstetten auf. Jeden Sonntag findet sich eine kleine Gruppe, meist Frauen, ein und betet den Rosenkranz. Den Blicken entzogen, aber mit ungebrochener Anziehungskraft lädt die „schmerzhafte Muttergottes“ in Haunstetten die Gläubigen dazu ein, ihrem Geheimnis nachzuspüren – die Tür steht täglich offen.

Wallfahrtskapelle Mariä Himmelfahrt in Birkenstein

„Allen, die mich hier verehren, werde ich meine besondere Hilfe zuteil werden lassen!“ – so hat es die Muttergottes vor 350 Jahren einem Priester im Traum geoffenbart. Warum kommen die Menschen? Zunächst ist es die schöne Landschaft. Am Fuße des Breitensteins, inmitten der Natur, steht die Wallfahrtskapelle. Ein Bächlein plätschert munter ins Tal. Ein religiöses Umfeld begrüßt die Wallfahrer: Der Kalvarienberg, der Kreuzweg und der Rosenkranzweg geben Zeugnis vom Glauben der Menschen, die hierherkommen. Vom Kalvarienberg aus hat der Besucher einen weiten Blick hinunter ins Tal. Das Ziel der Wallfahrer ist aber die Kapelle selbst. Dass diese ein besonderer Ort ist, bezeugen die vielen Votivtafeln. Sie stammen nicht nur aus früherer Zeit, nein, auch heute hilft die Gottesmutter. Die Anliegen sind die gleichen, ob früher oder heute. Die „Lehrtafel“ rechts vom Kapelleneingang stammt aus dem Jahre 1761. Menschen halten der Gottesmutter Täfelchen mit ihren Bitten hin. Darauf steht: „Um das Brot ... Um eine gute Todesstunde ... Um Einheit und Frieden ... Um gehorsame Kinder ... Um Beständigkeit in der Treue ...“ Und an Maria gerichtet: „Halte deine Hand nicht zurück zur Zeit, wo Hilf vonnöten.“ Wer den Kapellenraum betritt, ist überrascht von der Fülle, die auf ihn zukommt. Beim Verweilen spürt man aber, welche Ruhe dieser Ort ausstrahlt. Das Gebet von Jahrhunderten erfüllt den Kirchenraum. Und mit der Dichterin Cordula Wöhler bete auch ich: „O gütige Mutter von Birkenstein, wie strahlt hier im herrlichen Glorienschein dein Bild, das die Engel umschweben. Du wirst mich erhören, wirst Trost mir verleih’n, Maria im Kirchlein zu Birkenstein.“

Einen Überblick und viele weitere Anregungen und Informationen zum Pilgern im Erzbistum München und Freising finden Sie auf der Homepage der Diözese.

St. Anton in Partenkirchen

1704 als kleine, achteckige Kapelle erbaut und 1734–36 wegen der wachsenden Pilgerzahl zu einer Kirche erweitert, ist St. Anton heute ein beliebtes Wallfahrtsziel für Pilger aus dem Werdenfelser Land und darüber hinaus. Franziskaner-Pater Winfried Prummer, der seit 2005 in St. Anton die Wallfahrer betreut, erzählt von Gruppen, die zu Fuß aus Murnau kommen oder mit dem Bus aus dem Tiroler Pitztal anreisen, aber auch von vielen Spaziergängern und Wanderern, die am Sonntagnachmittag vorbeischauen. „Sie glauben nicht, was alles in unser Anliegenbuch geschrieben wird“, berichtet Pater Winfried, und es klingt so, als spreche er von einer Schatzkiste, die sich nach und nach füllt. Kinder mit ihren Schulsorgen seien darin ebenso vertreten wie Senioren mit ihren Anliegen. Auch wenn die Wallfahrer allmählich weniger würden, so sei St. Anton doch noch immer ein geschätzter Flucht- und Ruhepunkt im lauten Talkessel von Garmisch-Partenkirchen. „A Ort, wo d’Leid gern higengan“, wie der Franziskaner sagt. Für ihn selbst geht die Zeit in St. Anton allerdings im Juli zu Ende, ein Nachfolger ist bereits nominiert. „Ich bin 84, und er ist 80 – da sehen Sie, wie jung wir sind!“, scherzt der Pater lachend. Und fügt nachdenklich hinzu: „Wie lang meine Zukunft noch reicht in dieser Welt, weiß ich nicht – ich hoffe, sie endet bei Gott.“

Wallfahrtskirche Maria Bründl bei Landshut

Unsere Wallfahrtskirche Maria Bründl ist ein Geheimtipp, ein verstecktes Kleinod am Stadtrand von Landshut. Ich persönlich bin sehr gern dort. Warum? Die Kirche ist nur zu Fuß erreichbar, schon allein das Hingehen ist ein Erlebnis. Wenn ich eintrete, kommt mir der Duft von Wachs entgegen. Immer brennen Kerzen! Jeden Tag sind Besucher, Wanderer, Betende vor Ort, die ein Licht anzünden. Gott sei Dank ist unsere Bründlkirche geöffnet, wir können auch tagsüber in diese Stille eintauchen, um nachzudenken und ein Gebet zu sprechen. Maria als Frau und Mutter steht hier im Gnadenbild im Zentrum des Hochaltars. Sie ist Fürsprecherin in all den Anliegen, die Frauen und Mütter durch die Zeiten hindurch haben – wie beispielsweise die Votivtafel mit dem Froschwunder von 1664 belegt. Das Bild zeigt eine Bauernmagd, die auf der Ofenbank liegt und Frösche speit. Sie hatte Froschlaich getrunken, die Frösche wuchsen in ihr und man hörte sie auch in ihr schreien. Als sie das Wasser vom Bründl getrunken hatte, erbrach sie die Frösche und war geheilt. In der damaligen Zeit sprach man aus falscher Scham nicht offen über Beschwerden, die Frauen im Unterleib hatten. So ist diese Darstellung eine Metapher für ein Leiden, das als Tabuthema damals nicht zur Sprache gebracht werden konnte. Maria ist aber auch für uns heute eine Ansprechpartnerin in vielerlei Anliegen. Mögen der Besuch und das Innehalten in diesem Heiligtum vielen Menschen Trost und Stärkung sein!

Marienweg bei Maria Thalheim

Maria Thalheim im Dekanat Erding ist einer der ältesten Marienwallfahrtsorte in Altbayern. Seit 2004 gibt es dort auch einen „spirituellen Wanderweg“: den Marienweg. Er geht zurück auf die Idee eines Paares, das nach einer Pilgerreise auf dem Jakobsweg auch einen Pilgerweg rund um den eigenen Wohnort schaffen wollte. Informationen sowie eine meditative Handreichung zum neun Kilometer langen Marienweg finden sich auf der Homepage des Erzbistum München und Freising. Der Charakter als „spiritueller Wanderweg“ wird dort so erklärt: „Wege haben ihre eigene Qualität, wenn man sich bewusst auf sie einlässt und sich von ihnen tragen und führen lässt. Der Weg verändert Standpunkte, zwingt zum Perspektivenwechsel, ist offen für Überraschungen und Neuigkeiten, bietet sich immer wieder anders dar, berührt Körper, Geist und Seele. Gehen Sie diesen Weg bewusst und langsam; gehen Sie ihn als ganzer Mensch mit Leib und Seele. Legen Sie Ruhepausen ein. Geben Sie sich Zeit und Raum zur Anschauung. Gehen Sie hörend – schauend – spürend – staunend – fragend – dankend – betend ... Sie werden reich beschenkt zur Mitte zurückkehren." (Joachim Burghardt/Erika Gandorfer/ Schwester Eresta Mayr)

Zum Thema ist in der Münchner Kirchenzeitung ein Artikel erschienen, den wir Ihnen zum kostenlosen Herunterladen anbieten.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Pilgern: Der Weg ist das Ziel

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