Palmsonntag mit Tradition Weidenzweige, Buchs und ein Esel

12.04.2019

Es ist ein wunderbarer Anblick, wenn man Jung und Alt am Sonntag mit kleinen und großen Palmbuschen durch die Straßen ziehen sieht. Anlass ist die Feier des Palmsonntags.

Mit bunten Palmbuschn ziehen Alt und Jung durch die Straßen.
Mit bunten Palmbuschn ziehen Alt und Jung durch die Straßen. © Schmid

Der Palmsonntag ist der letzte Sonntag vor Ostern, er eröffnet die Karwoche und somit die wichtigste Woche des katholischen Kirchenjahres. Jesus zog in Jerusalem ein und wurde von den Menschen feierlich empfangen. Sie legten Kleider vor ihm auf dem Boden und jubelten ihm mit Palmzweigen in den Händen zu. Palmen haben eine lange geschichtsträchtige Vergangenheit. Bereits im Altertum wurden sie als heilige Bäume verehrt. Im Orient ehrte man siegreiche Personen damit. Palmen gibt es bei uns nicht, deshalb entstand schon vor Jahrhunderten der Brauch, Palmbuschen oder Palmbesen zu binden. Meist verwendet man in Oberbayern dazu traditionell Weidenzweige mit Palmkätzchen, die zwischen Buchs- und Thujenzweige gesteckt werden. Schon im alten Rom galten Buchs und Weide als heilkräftige Pflanzen.

„Zutaten“ für den Palmbuschen

In anderen Gegenden, wie zum Beispiel Oberösterreich, ist es wichtig, dass der Buschen aus sieben Pflanzen besteht und deshalb kommen zusätzlich noch Wacholder, Stechpalme, Erle und Zeder dazu. Auch der Schmuck der Buschen sieht unterschiedlich aus. Bunte Bänder, gefaltete Hexenleitern, Ostereier oder gar Äpfel – vieles ist möglich. Ebenfalls kann der Buschen an einem Stecken oder als Handstrauß getragen werden. Leicht tat man sich in diesem Jahr in vielen Gegenden nicht, mit den „Zutaten“ für den Palmbuschen. Weidenkätzchen sind aufgrund der milden Temperaturen Ende März schon völlig aufgeblüht und unbrauchbar, Buchsbäume aufgrund des starken Befalls Buchsbaumzünslers im vergangenen Jahr schon fast eine Rarität.

Schutz vor Blitz, Feuer, Krankheit und Unglück

Bei der Prozession am Palmsonntag werden die Buschen gesegnet. Sie sind Zeichen des Lebens und der Erinnerung an Christus. Einige tragen den Palmbuschen nach der Weihe dreimal ums Haus, um - so der Volksglaube - Schutz vor Blitz, Feuer, Krankheit und Unglück zu erbitten. Gesegnete Palmzweige werden auch in den Acker gesteckt, für eine gute Ernte. Einzelne Zweige der Palmkätzchen werden zudem an das Vieh verfüttert, um auch für sie den Segen für das kommende Jahr zu erbitten. Auch, als Schutz vor Gewitter sollen sie dienen.

Palmbuschen werden traditionell bei vielen Familien hinter das Kruzifix gesteckt, ebenfalls als Schutz für das Haus. Palmbuschen, die in der Kirche verbleiben, werden zur Asche für den Gottesdienst am Aschermittwoch im kommenden Jahr verbrannt. Aus ihm besteht die Asche, mit der den Menschen das Aschenkreuz auf die Stirne gezeichnet wird.

Einfacher Esel statt edles Ross

In manchen Gemeinden tritt am Palmsonntag bei der Prozession ein lebendiger Esel auf. Anderorts wird die Einzug in Jerusalem nach mit Holzfiguren. nachgestellt. Theologen erklären, dass Jesus das Transportmittel bewusst gewählt habe: Als Fürsprecher der Armen kam er auf einem einfachen Esel statt auf einem edlen Ross. An diesem Tag wird im Gottesdienst das Evangelium von der Passion aus einem der synoptischen Evangelien gelesen. Erstmals in der Karwoche wird vom Leiden und Sterben Jesu berichtet. Meist wird die gesamte Passionsgeschichte vorgelesen.

 

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Karwoche

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